SPON assimiliert besonders gern Menschen, die früher links, ganz links oder ultralinks waren oder die heute so tun, als wären sie es früher gewesen. Bei diesen Leuten kann sich der Verlag sicher sein, daß sie niemals eine linke Position auch nur denken, geschweige denn schreiben. SPON — daran muß man immer wieder erinnern — ist über die Beteiligung von Bertelsmann am Spiegel-Verlag in erster Linie den Interessen des Großkapitals und ihrer Propagandamaschine INSM verpflichtet.
Horst Mahler steht SPON wegen wechselnder Gefängnisaufenthalte nicht zur Verfügung. Auf ein ideologisch ähnlich flexibles Eichhörnchen ist aber Verlaß: Reinhard Mohr.
Der ehemalige 68er, der u.a. als Autor beim PflasterStrand und in der taz jobbte, ließ sich jahrelang marxistisch schulen, bevor er radikal die Seiten wechselte. Noch 1978 forderte er: “Zerschlagt die Universität! Es lebe die Hochschulguerilla! Wir wollen alles.”
Weil eine Guerilla keinen teuren Rotwein finanziert, kroch Mohr beim Spiegel über die Schwelle und verdingte sich von 1996 bis 2004 als Kulturredakteur. Nach 2004 war damit Schluß. Heute gewährt ihm SPON ein Gnadenbrot als gelegentlicher Autor.
Der so heftig gewendete Mohr hat sich inzwischen im Enddarm seiner Brötchengeber eingenistet. Sein neoliberales Credo ist der entfesselte Kapitalismus, frei von sozialen Pflichten und der Rücksichtnahme auf Bedürftige, Alte und Kranke: Selbst schuld, wer’s nicht schafft. Jeder ist seines Glückes Schmied. Wer Arbeit sucht, der findet welche. Mohrs Poesiealbum, auf SPON und der Achse der Blöden publiziert, ist randvoll mit solchen Weisheiten.
Seit dem Übertritt ins nationalkonservative Lager umschließt Mohrs Feindbild alles, was links ist. In der Achse der Blöden stört das keinen, da sind die chauvinistischen, nationalistischen und rechtsreaktionären Pellkartoffeln unter sich. Auf SPON noch nicht.
Bisher ermunterte SPON seine Leser auch bei Mohrs Märchen: Diskutieren Sie über diesen Artikel:

Das durfte man hier, hier, hier und hier. Und auch hier, wo Mohr der Parlamentarischen Geschäftsführerin der Linken im Bundestag, Dagmar Enkelmann, eine “offen demokratiefeindliche, ja antidemokratische Äußerung” unterstellen durfte, weil sie gesagt hat: “Auch ich finde, diese Demokratie löst die Probleme der Menschen nicht.”
Das war zu viel für den geistig schaumgebremsten Nougatriegel. Den Unterschied zwischen “diese Demokratie” und “eine Demokratie” hat ihm keiner verraten. Von allein kommt er nicht drauf.
Doch die Leser sind noch nicht gehirngewaschen genug, um Mohrs reaktionären Stumpfsinn widerspruchslos hinzunehmen. Inzwischen mokiert sich selbst die neoliberal getrimmte Stammleserschaft über Mohrs weichbirnige Linksphobie.
Die Kommentare auf Mohrs Märchen sind verheerend. “No more Mohr” ist noch freundlich; andere Leser verreißen Mohrs Pamphlete in der Luft. Sie haben es schlicht und einfach satt.
Mohr wird das nicht gefallen haben.
Im jüngsten Beitrag unter dem Rubrum “Gutes Georgien — Böses Russland” ließ Mohr seine antirussische Sau raus: “Skrupelloses Großmachtstreben Moskaus”, “hochfahrend beleidigte Sowjetmenschen”, “tief sitzender Minderwertigkeitskomplex” der Russen. In der Wortwahl gleichen sich Mahler und Mohr frappierend. Wenn Mohr das Wort “Russen” gegen Mahlers bevorzugte Haßobjekte austauscht, können beide Brüderschaft trinken.
Die seit Monaten anschwellende Empörung der Leser über das kleine braune Mohr wird SPON nicht entgangen sein. Nun kürzte SPON die Sache ab: Man verzichtete darauf, die Leser um ihre Meinung zu Mohrs dunkelbrauner Russensülze zu fragen. Keine Lesermeinung = keine Kritik am Autor. Keine Kritik am Autor = Leser lieben Mohr.
Ende der Diskussion.

Außerhalb der Fortpflanzungszeit ist der Wendehals wenig ruffreudig.
Sein Balzruf besteht aus einer Serie von meist 8 bis 15 gedämpften,
mitunter rau klingenden “Wied”- oder “Wäd”- Lauten. Sein Warnruf ist
eine laute, an- und absteigende Serie von “Teck”- oder “Töpp”-Silben.
1 Kommentar ↓
[…] Jürgen Winkler stellt sehr wortreich-kritisch fest, dass es zum aktuellen Mohr-Beitrag kein Diskussions-Forum gibt: „Man verzichtete darauf, die […]
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