Nach der Entscheidung der Commerzbank, die Dresdner Bank zu kaufen und als eigenständige Bank abzuwickeln, veröffentlichte die Berliner Zeitung eine Historie der Dresdner Bank.
Matthias Loke (Ressortleiter Wirtschaft) und sein Redakteur Ruprecht Hammerschmidt fädelten die Daten zwischen 1872 (Gründung) und 2008 (Verkauf) auf einen Zeitstrahl.
Und nun staunen Sie, liebe Leser:

Zwischen 1931 und 1945 gähnt ein Loch. War da was? Wohl nichts besonderes. Jedenfalls nichts, was einen Satz lohnen würde. Wer’s wissen will, soll Wikipedia lesen:
“Zwischen 1933 und 1942 expandierte das Geschäft der Dresdner Bank sehr stark, da sie engste Verbindungen zum NS-Regime, der NSDAP sowie der SS und ihnen angeschlossenen Organisationen unterhielt. So übernahm sie etwa 1935 im Zuge der ‘Arisierung jüdischen Vermögens’ die traditionsreiche Dresdner Privatbank Arnhold.”
“Insgesamt gilt die Dresdner Bank als die deutsche Großbank, die am meisten in die Verbrechen der nationalsozialistischen Herrschaft verstrickt war. Besonders profitiert hat die Bank von den Eroberungskriegen der Nazis im Osten. Die Dresdner Bank hatte gehofft, in einem germanisierten Europa eine führende Rolle im Bankenbereich spielen zu können.”
“2006 veröffentlichte ein Team von Historikern eine Studie, die der Dresdner Bank ein stärkeres Engagement im Nazi-Regime nachweist als bisher bekannt war. Demnach war diese maßgeblich an der Verfolgung sowie Deportation von Juden mitbeteiligt und finanzierte den Bau des Konzentrationslagers Auschwitz. Darüber hinaus verdiente die Hausbank der SS stark an der Ost-Expansion des deutschen Reiches im Zweiten Weltkrieg.”
Das bißchen Arisierung, mein Gott. Soll’n sich nicht so pingelig haben, die Arisierten. Man mußte ja mit der Zeit gehen damals, als Bank. Wurde ja alles befohlen, von Hitler persönlich. Wer sich weigerte, wurde erschossen; auch von Hitler persönlich. Die Dresdner Bank als Bank des Führers — olle Kamellen, 70 Jahre her. Schlußstrich, Schwamm drüber. Muß man nicht mehr dran rühren.
Auch nicht an der Flick-Affäre vor 25 Jahren:

Wer’s wissen will, soll Wikipedia lesen:
“Am 29. November 1983 erhob die Staatsanwaltschaft Bonn im Flick-Parteispendenskandal Anklage wegen Bestechlichkeit gegen den Vorstandssprecher der Dresdner Bank und früheren Bundeswirtschaftsminister Hans Friderichs (FDP). Das Landgericht Bonn verurteilt Friderichs am 16. Februar 1987 wegen Steuerhinterziehung zu einer Geldstrafe von 61.500 DM.”
Die Kunst des Weglassens ist die Vorstufe zur Geschichtsfälschung. Loke und Hammerschmidt haben sie locker übersprungen.
Herzlichen Glückwunsch.
1 Kommentar ↓
Vielen Dank für diesen Beitrag!
Die Kunst des Weglassens ist eine Feigheit vor der Wahrheit (der eigenen Schwäche), die auch heute noch und immer wieder aufs Neue ausgiebig von unseren Führungseliten (funktionaler, nicht wertender Begriff) gepflegt wird. Aber es gibt auch immer wieder vereinzelte Lichtblicke, so z.B. die erstmalige offizielle Bitte um Entschuldigung der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN) Ende 2010 (!) bei den Opfern des Euthanasieprogramms zur Auslöschung “lebensunwerten Lebens” im Dritten Reich, an dem die deutsche Psychiatrie entscheidend mitwirkte.
Die Aufarbeitung und Dokumentation der eigenen Verbrechen ist hier und auch in einigen anderen Bereichen der deutschen Vergangenheit, wenigstens in Ansätzen, vorbildlich zu nennen. Wenn auch aus zeitlich und (berufs)biografisch einigermaßen sicherer Entfernung …
Mein Kommentar: