Metallica kapitulieren

Geschrieben von messitschbyburns am 06. September 2008 | Musik


Lars Ulrich, Schlagzeuger des Schauorchesters Metallica, gibt seinen Kampf gegen Filesharer auf:

“Ich musste lernen, mich damit abzufinden, dass die Dinge im Internet kaum zu kontrollieren sind und es besser ist, vieles einfach zuzulassen.”

Das macht Metallicas Fahrstuhlmusik nicht erträglicher, beendet aber offiziell einen der verbissensten juristischen Feldzüge, der je von einer einzelnen Band gegen Filesharing-Netzwerke geführt wurde. In den Jahren 2000 und 2001 klagte Metallica gegen Napster, veranlaßte die Sperrung von 335.435 Napster-Usern und drohte US-Universitäten wegen Beihilfe zum Diebstahl geistigen Eigentums zu verklagen, wenn sie den Napster-Zugang in ihren Uni-Netzwerken nicht blockieren würden.

Nach einem grandiosen Image-Absturz, massiven Fanprotesten und einer erfolgreichen Alkohol- und Tablettentherapie für James Hatfield blickt die Band wieder klarer. Lars Ulrich, der im SPON-Interview1 nicht als Privatperson, sondern als Gründungsmitglied von Metallica spricht, gibt zu, die Don Quichotterie verloren zu haben:

KulturSPIEGEL: “Wenn ich jetzt behaupte, dass ich mir Ihre neuen Lieder längst illegal aus dem Internet besorgt habe […] würden Sie wieder Ihre Juristen-Armee von der Leine lassen, so wie einst gegen den illegalen Tauschdienst Napster?”

Lars Ulrich: “Quatsch. Natürlich tut man, was man kann, um die Kontrolle zu behalten. Aber wenn die neuen Stücke illegal im Netz landen, falle ich auch nicht tot um. Am Ende des Tages sind es eben doch nur zwölf Rock’n'Roll-Songs und kein Allheilmittel gegen Krebs.”

Das ist eine gute Einstellung, denn andernfalls müßte Ulrich wohl ein Röhrchen Valium schlucken. Am Donnerstag schrieb der Züricher Tagesanzeiger:

“Am 12. September soll das lang erwartete neue Album mit dem schönen Titel ‘Death Magnetic’ offiziell erscheinen. Doch jetzt ist eine illegale Kopie im Internet aufgetaucht […] Seither wurde das Album mit zehn neuen Liedern der Band vervielfältigt und steht in Tauschbörsen zum Download bereit.”

Wenn diese Meldung stimmt und Ulrich doch nicht so gelassen bleibt, wie er tut, kann er die Gelegenheit nutzen und sich selbst anzeigen:

KulturSPIEGEL: “Haben Sie als Musikfan eigentlich schon mal Lieder illegal aus dem Internet runtergeladen?”

Lars Ulrich: “Ich lasse runterladen, aber nur Sachen, die man sonst nicht findet.”

In seine Sprache übersetzt, heißt das: Beihilfe zum Diebstahl geistigen Eigentums. Bestimmte Universitäten könnten ihm ein Fallbeispiel aus dem Jahr 2001 liefern.

metallica_s.jpg

1859 veröffentlichte Charles Darwin seine
Entdeckung, daß der Mensch vom Affen abstammt.
149 Jahre später beweisen Metallica, daß die
Entwicklung auch umgekehrt verlaufen kann.

  1. Das SPON-Interview ist teilweise verblüffend deckungsgleich mit einem Interview im amerikanischen Rolling Stone — vom 22. April 2008. []

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