1993 erklärte der Senat einige Stadtviertel zu Sanierungsgebieten. Die Substanz der Miethäuser wurde mit öffentlichen Mitteln aufgehübscht, um die Immobilien für Spekulanten interessant zu machen. Was unter Eberhard Diepgen (CDU) begann, wurde unter Klaus Wowereit (SPD) bruchlos fortgesetzt, wohlwollend sekundiert vom verläßlichen Partner Linkspartei.
Die Sanierung ist größtenteils abgeschlossen; die betroffenen Stadtviertel stehen vor der förmlichen Aufhebung der Sanierungsgebietsfestsetzung.
In einer Sozialstudie (PFE 2008) wurden die Folgen der Sanierung im Teilgebiet Kollwitzplatz (Prenzlauer Berg) untersucht. Darin findet man interessante Zahlen zu den jetzigen Mietern:
- Nur 15 Prozent wohnten bereits vor 1990 im Sanierungsgebiet Kollwitzplatz
- Über 50 Prozent sind nach 2000 zugezogen
- Nur noch 4 Prozent sind Arbeiter (Berlin: 19 Prozent)
- Fast 40 Prozent sind Selbständige und Freiberufler (Berlin-Rekord)
- Nur ca. 1.000 von 6.519 Wohnungen sind mietpreisgebunden
- Durchschnittliches Haushaltsnettoeinkommen vor der Sanierung: 60 Prozent des Berliner Durchschnitts
- Durchschnittliches Haushaltsnettoeinkommen nach der Sanierung: 40 Prozent über dem Berliner Durchschnitt (2.332 Euro im Monat)
Die Autoren der Studie finden das toll:
“Im Ergebnis des sozialen Aufwertungsprozesses sind die heute im Sanierungsgebiet lebenden Haushalte wohlhabender, besser ausgebildet und jünger als vor 2000.”
Wo die ärmeren, schlechter ausgebildeten und älteren Haushalte geblieben sind, ist nicht von Relevanz. Die 5.541 Haushalte, die seit 1990 wegzogen, haben sich vermutlich alle im Brandenburger Speckgürtel ein Haus gebaut. Denen geht’s prächtig, ganz bestimmt. Da muß man nicht nachfragen, ob hier eventuell eine extreme Verdrängung stattfand.
2 Kommentare ↓
{begin /ironic} Wieso, die haben doch bestimmt die Bewohner des Viertels gleich mitsaniert. Unterstützt von der Brigitte-Nielsen-Stiftung. {end /ironic}
Yep. Und außerdem soll man sich nicht so pingelig haben. “Warum wird der Wegzug aus einem Gebiet denn so negativ dargestellt?”, fragt einer der Autoren der Studie ganz unironisch.
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