10 Christdemokraten für, 26 gegen Pflüger: Die Berliner CDU-Fraktion hat ihren Friedbert entlassen. Das war seit Montag klar, und seit diesem Tag beginnt die Verklärung des Friedbert P. im sanften Licht des Mitleids.
Hans-Ulrich Jörges (Stern) am Montag im RBB:
“Es ist für ihn eine Existenzfrage geworden, denn er hat die Brücken hinter sich abgebrochen. Er hat kein Bundestagsmandat mehr, er ist nicht mehr Parlamentarischer Staatssekretär im Verteidigungsministerium. Es ist auch eine wirtschaftliche Existenzfrage. Wenn er nun da rausbricht aus der Berliner Politik, kann er von nichts mehr leben. Er müßte sich einen neuen Beruf suchen, und deshalb klammert er sich daran.”
Der Ärmste. Man reiche ihm und Jörges ein Taschentuch.
Pflüger war als Fraktionschef ein überforderter und hilfloser Mensch, der seine Fraktion von Panne zu Panne rutschen ließ; der nicht kampagnenfähig war; der 2006 als Spitzenkandidat erbärmlich versagte; der mit beängstigender Sicherheit die falschen Themen besetzte und verlorene Schlachten in Siege umdeutete, als litte er unter Wahrnehmungsstörungen.
Diese Witzfigur deutscher Berufspolitik auch nur eine Sekunde zu bedauern wäre ein erbärmlicher Zynismus gegenüber denen, die wirklich vor der Existenzfrage stehen.
Um die Relationen geradezurücken:
Zur Zeit kämpfen 8000 Mitarbeiter der Telekom in 39 Städten um ihre Arbeitsplätze, weil die Telekom die dortigen Callcenter aufgeben will. Den Mitarbeitern wird angeboten, an einen von 24 Standorten zu wechseln, die nicht geschlossen werden.
In der Praxis müßten dann z.B. Callcenter-Agenten von Halle, Gera und Dresden nach Leipzig pendeln. Das ist nur von Halle aus realisierbar, von Gera und Dresden nicht. Von der Fahrtzeit abgesehen, würden die Fahrtkosten in keinem Verhältnis zum Lohn stehen. Wer nicht pendeln will und umziehen kann (für einen Job im Callcenter!), muß kündigen.
Das ist das Kalkül der Telekom, denn bis 2012 besteht eine Beschäftigungsgarantie. Die kann durch Auflösung der Standorte bequem unterlaufen werden. Selbst, wenn nur ein Teil der Belegschaft kündigt oder abgefunden wird, spart die Telekom viel Geld.
Die Mitarbeiter in den Callcentern, denen über Nacht der Arbeitsplatz gestrichen wurde, hätten mehr Grund, sich an ihren Job zu klammern, als der gescheiterte und rausgeworfene Pflüger. Denn der behält vorsichtshalber sein Abgeordnetenmandat.
Das bringt ihm monatlich 2951 Euro ein. Plus 35 Euro Sitzungsgeld. Plus 901 Euro Kostenpauschale. Plus 410 Euro für Mitarbeiter. Und wenn nichts mehr geht, gibt es ein Übergangsgeld für maximal 18 Monate.
Um Pflüger muß sich keiner sorgen.
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