Malte Lehmings täglicher Lacher (1)

Geschrieben von messitschbyburns am 22. Januar 2008 | Lehming


Der Berliner Staatsanwalt Roman Reusch soll versetzt werden. Eigentlich ist das ein stinknormaler behördeninterner Vorgang. Es sei denn, man macht was daraus. Eine Meldung — zwei Meinungen:

Jan Thomsen in der Berliner Zeitung:

“Reusch, der nach Informationen aus der Behörde selbst Interesse an einer Ablösung gezeigt hat, war in der vergangenen Zeit in die Kritik geraten, weil er wiederholt umstrittene rechtspolitische Thesen in der Öffentlichkeit vertreten hatte (…)

Anfang Dezember 2007 hielt er dann einen Vortrag als Referent der CSU-nahen Hanns-Seidel-Stiftung, wo er sich erneut für eine ‘Sicherungshaft’ aussprach und damit kokettierte, dass seine Vorschläge teils verfassungswidrig seien. Verfassungsrichter könne man jedoch ‘austauschen’, so Reusch.”

Malte Lehming im Tagesspiegel:

“Roman Reusch, ein Berliner Staatsanwalt, Fachgebiet Intensivtäter, macht mit Thesen von sich reden, die der rot-rote Senat nicht gerne hört. Die Folge: Erst darf er nicht mehr mit der Presse reden, dann wird er strafversetzt.”

Lehming drischt auf den Senat ein. Das ist man von ihm gewohnt, dafür kann er nichts. Lehmings einziger Daseinszweck besteht in der Verteufelung dessen, was nicht gelb, schwarz oder mischfarbig ist. Man sollte ihn dafür tätscheln und streicheln.

Um den Senat als schlimmes Furunkel bloßzustellen, das es auszumerzen gilt, geht Lehming aber einen Schritt weiter. Er verschweigt listig, daß Reusch seine Versetzung kraftvoll provozierte. Ein Staatsanwalt, der sich in der Öffentlichkeit mit der Verfassungswidrigkeit seiner Vorschläge spreizt und Verfassungsrichter solange austauschen lassen will, bis sie mit seinem konservativen Rechtsempfinden übereinstimmen, ist blitzartig weg vom Fenster.

Darüber wundert sich niemand. Außer Malte Lehming. Das wiederum ist normal. Lehming wütet gegen alles, was nicht stramm rechts marschiert:

“Ist sie (die Linke) erstmal selber an der Macht, wie derzeit in Berlin, werden Dissidenten einfach strafversetzt.”

Der Provokateur als Dissident. Fürwahr, Lehming ist nicht der schlaueste Kopf unter dieser Sonne. Doch wenn man seine Artikel als tägliches Humorfutter begreift, kann man herzhaft über Lehming lachen. Ernstzunehmen ist dieser wortschatzreduzierte Meinungsclown jedenfalls nicht.

Wohl deshalb zieht es ihn zu seinen Trostfreunden auf der Achse des Guten, auf der Lehming im Kreise ähnlich Belichteter die eigenen Tagesspiegel-Kolumnen als Gastautor recycelt: Postpubertäre Pupsbacken, die den Irak-Krieg bejubeln, tote Palästinenser beklatschen und den Mastdarm ihres abgöttisch geliebten George W. Bush von innen lecken. Unter ihnen — wer hätte daran gezweifelt — der größte Chauvinist und Anti-Antideutsche aller Zeiten: Henlyk M. Blödel.

In dieser Gesellschaft fühlt sich Malte Lehming wohl. Es sei ihm gegönnt. Solange die Schmocks mit sich selbst beschäftigt sind, machen sie keine Dummheiten.

lehming_s.jpg

Der beißt nicht.
Der will nur spielen.

3 Kommentare ↓

#1 Ein Leser am 08.11.08 um 09:42

Es stimmt, wenn auch ein wenig derb. Dennoch was der Herr, der so gerne Mill zitiert, so von sich gibt ist schon aller feinste Satire, sofern man Herrn M. L. nicht erst nimmt, was man auch nicht machen darf. Das mit dem Ernstnehmen gilt auch für H. M. Broder, wirr, pseudopathetisch, albern und pseudopopulistisch. Peinlich sind beide allemal.

Meinung sollte sich bilden aus Bildung, dem Verständnis der Umstände und der Kenntnis der Umgebung in der man lebt, zuweilen denkt und handelt. Dies ist bei Herrn L. ist da vieles fraglich.

Ein wunderbarer Beweis für die iliterale Weltfremdheit des Herrn L. ist sein Artikel “Die größe des Verlierers”
http://www.tagesspiegel.de/meinung/kommentare/auf-den-punkt/USA;art15890,2655755

#2 admin am 08.11.08 um 13:34

Danke für den Link. Langsam dreht der Mann wohl durch. Der verlinkte Kommentar könnte glatt Teil 12 von Lehmings Lachern werden.

Die meisten Leserkommentare im Tsp sind heftig, contra Lehming. Vielleicht steht er ja drauf.

#3 stilstand» Blogarchiv » Wo lebt der denn? am 15.02.11 um 18:17

[…] Ja, wo das denn bitte? Vom ‘Spiegel’ über die ‘Süddeutsche’ bis hin zum ‘Stern’ ist die Publizistik in Deutschland seit den 90er Jahren stramm nach rechts gerückt, tief in die denkbefreite neoliberale Zone hinein, man könnte fast sagen, dass die Krise der Altmedien geradezu aus diesem Richtungswechsel resultiert, weil sich die werte Leserschaft in der Welt, die ihnen dort emsig vorkonstruiert wird, immer weniger wiedererkennt. Unsere ebenso dienstfertigen wie jungforschen Mainstreamler aber schmaddern unbewiesenes Zeugs und altrechte Verschwörungstheorien daher, als lebten wir noch zu Zeiten von Noelle-Neumanns ‘Schweigespirale’. Tröstlich immerhin, dass dieser Malte Lehming auch so aussieht, wie er schreibt, man ist als Leser dann optisch gleich gewarnt, wenn er als verschwörungstheoretisch-publizistisches Schmierfett für die ‘Achse des Guten’ dient oder mal wieder zu Opas verbeulter Alarmismus-Trompete greift. Aus den Tiefen der Blogwelt heraus erhält der Malte Lehming übrigens schon seit längerem das verdiente ‘Kontra’, während innerhalb der etablierten Medien eher das Sprichwort vom Sozialverhalten der Krähen gilt: “Fürwahr, Lehming ist nicht der schlaueste Kopf unter dieser Sonne. Doch wenn man seine Artik… […]

Mein Kommentar: