Gelebte deutsche Leitkultur (3)

Geschrieben von messitschbyburns am 20. September 2008 | Gelebte deutsche Leitkultur, Merkel


Die Bundesregierung testet zur Zeit im Feldversuch den Entwurf des Bildhauers Peter Lenk für das Freiheits- und Einheitsdenkmal, das im November 2009, zum 20. Jahrestag der Befreiung von Hunger, Not und Honecker, dem Volke übergeben wird:

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Von links: Peer Steinbrück, Gerhard Schröder,
Angela Merkel, Edmund Stoiber, Guido Westerwelle

Die Bundesregierung konnte sich noch keinen gemeinsamen Standpunkt zum Kunstobjekt bilden. Sie verwies den Entwurf zur Feinjustierung in den Unterausschuß 16/6925.

Um parallel dazu Volkes Meinung zu erfahren, wurde für den Feldversuch die Gemeinde Bodman-Ludwigshafen am Bodensee ausgewählt. Bürgermeister Matthias Weckbach erklärte sich nach einem zackig kurzen Anruf aus dem Kanzleramt einverstanden, den Entwurf als zehn mal vier Meter großes Wandrelief am Rathaus montieren zu lassen.

Auf dem Relief sind Politiker modelliert, die mit der deutschen Einheit garantiert nichts am Hut hatten, bei denen man also keine vereinigungsbedingten Mauscheleien oder vergessene Quittungen für zweifelhafte Parteispenden im Keller finden wird. Sie halten das Gesicht zum Volke und tragen zur Erinnerung an die Leipziger Straßenbegehung ein originales DDR-Transparent, auf dem der launige Spruch Visafrei bis Shanghai durch die ernsten Worte Global Players ersetzt wurde. Und als Beitrag zur Volksbildung schuf Peter Lenk eine Allegorie auf ein deutsches Sprichwort: Wie die Nase des Mannes, so sein Johannes.

Nach bisherigen Befragungen sagen 90 Prozent der Betrachter: Das gefällt uns!

Diesem spontanen Beifall schließen wir uns an. Dem Künstler gelang ein ästhetisch bestechendes, zum Nachdenken anregendes, aber auch kurzweiliges und schmunzeln machendes Freiheits- und Einheitsdenkmal: Frei, wie Gott die Politiker schuf, und einig, wie sich nur deutsche Politiker sein können, um die uns die ganze Welt beneidet …

Spätestens an dieser Stelle haben Sie, liebe Leser, vermutlich gemerkt, daß wir uns einen Scherz erlaubten. Das Relief gibt es wirklich, aber nicht als Entwurf für das national-pathetische Berliner Denkmal. Dabei wäre es für diesen Zweck ideal: Deutsche Politiker in realistischer Pose: Wir haben nichts und wir können nichts, nicht mal uns gegenseitig in die Tasche fassen. Wir sind frei von Pflichtbewußtsein und einig in der Volksverarschung. Wir sind Deutschland.

Sollten irgendwann eine Stasiakte oder ein vergessener Geldkoffer auftauchen, müssen nur die Köpfe ausgetauscht werden. Bauch und Puller sind immer gleich.

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