Früher, als Ebay noch neu und 3D-Grafikkarten sauteuer waren, versteigerten schlaue Kerlchen ihre leeren 3D-Grafikkarten-Pappkartons. In der Ebay-Verkäuferprosa schrieben sie “3D-Grafikkarte” ganz groß und “Verpackung” ganz klein. Manche Händler ließen das letzte Wort einfach weg.
Die erzielten Auktionspreise waren so phantastisch wie das Gespött über die übertölpelten Bieter. Einen leeren Karton für 250 DM hat schließlich nicht jeder.
Metallica, die bekennenden Freunde und Wegbegleiter des Internets, erinnerten sich wohl an diese Geschäftsidee, modifizierten sie, und siehe: Der Trick funktioniert noch immer.
Im Juli 2008 beglückte die Band ihre Fans mit einer Pappschachtel namens Death Magnetic Vorbestellbox zum Preis von 14,99 Euro:

Auf dem schwarzen Sticker steht:
- Nur in dieser Box:
- Platinum Membership-Card für exklusiven Content auf www.MissionMetallica.com
- Garantieschein für den Erhalt des neuen Albums “Death Magnetic” zur Veröffentlichung im September 2008
Die Website Metallica-Music erklärt den komplizierten Text:
“Bereits zwei Monate vor der Veröffentlichung des Albums könnt Ihr Euch den garantierten Erhalt des neuen Albums ‘Death Magnetic’ als Standard CD oder als Limited Deluxe Coffin Boxset am Tag der Veröffentlichung im September sichern. Die Garantie erhaltet ihr durch den Kauf der ‘Death Magnetic’ Vorbestellbox, die ab dem 15. Juli 2008 in zwei Ausführungen überall in Deutschland erhältlich sein wird.”
Die Death Magnetic Vorbestellbox war demnach ein Glückskeks mit zwei Zetteln: Einem Zugangscode für die Metallica-Website und einem Versprechen, die CD Death Magnetic garantiert am Tag der Veröffentlichung kaufen zu können.
Death Magnetic wurde am 12. September 2008 veröffentlicht. Hunderte CDs stapelten sich bei Saturn, Media Markt und im Musikhaus Kasuppke. Der Metallica-Fan erwarb also für 14,99 Euro einen Anspruch auf eine Ware, die in Massen vorrätig war.
An der Kasse lauerte die nächste Überraschung: Der Preis für die Vorbestellbox wurde nicht mit dem Preis für die CD verrechnet. Der Fan zahlte zweimal.
Mit der gleichen Logik hätte man dem Fan auch einen Coupon andrehen können, auf dem steht: Dieser Coupon berechtigt Sie, am 12. September 2008 einen Kasten Bier zu kaufen.
Ebenfalls am 12. September 2008 spielten Metallica in der Berliner O2 World. Das Konzert kostete nur 10 Euro. Oh, wie generös!, staunte die lokale Presse und lobte Metallica ob der übergroßen Fan-Freundlichkeit.
Die Tickets konnte man nur auf MissionMetallica.com erwerben. Um sich dort einzuloggen, brauchte man den Zugangscode. Addiert man die 14,99 Euro für den Zugangscode in der Pappschachtel zum Ticketpreis, ist man bei 24,99 Euro. Und schon relativieren sich die 10 Euro.
Und dann gibt es noch den Goldkarton:

Dieses Ding ist noch grandioser. Man muß es für 17,99 Euro kaufen, um anschließend für 99,97 Euro ein CD-Boxset in Sargform kaufen zu dürfen. Ohne Vorbestellbox kein Sarg.
Darin liegt die CD Death Magnetic inmitten einer Handvoll Merchandisingmüll: Gitarren-Plektren, T-Shirt, Fahne, Poster, Making Of und Demoversionen. Dank des vorgeschalteten Kaufzwangs der goldenen Vorbestellbox kostet der ohnehin überteuerte Plastik-Sarg 117,96 Euro.
Kulante Händler können den Preis des Sarges um die Kosten für die Box reduzieren, wenn sie die Differenz aus eigener Tasche bezahlen. Metallica lehnen eine Verrechnung ab. Sie brauchen jeden Cent. Vielleicht für neue Prozesse gegen ihre Fans.
Es scheint, als wollten die Schmockrocker testen, wie finanziell belastbar ihre Fans sein können. Da ist bestimmt noch Luft drin. Metallica sind schließlich für zwei Dinge legendär: Grauenvolle Musik und hemmungslose Geldgeilheit.
Keine Kommentare ↓
Es gibt noch keine Kommentare. Sie können das ändern. Schreiben Sie einen Kommentar in das Formular.
Mein Kommentar: