Flashmob vor dem Kühlregal

Geschrieben von messitschbyburns am 24. Oktober 2008 | Berlin, Politik


Die Großgewerkschaft Ver.di bestreikte den Berliner Einzelhandel mehr als 18 Monate lang (!) — mit kläglicher Resonanz. In der Lokalpresse debattierte man die Öffnungszeiten der Freibäder intensiver als die Sorgen der unterbezahlten Verkäuferinnen.

Auch die Discounter und Einzelhändler zeigten sich vom Streik nur mäßig beeindruckt. Deshalb feilte Ver.di an der eigenen Strategie und inszenierte den Streik als Performance: Flashmob in der Kaufhalle.

Ver.di-Aktivisten spazierten in eine Rewe-Filiale am Ostbahnhof, packten die Einkaufswagen voll, stellten sie in die Gänge und vor die Kassen und verschwanden wieder. Der Laden war blockiert: Streik.

Der Handelsverband Berlin-Brandenburg (HBB), der schon die Flashmob-Website von Ver.di gerichtlich schließen ließ, verklagte die Gewerkschaft. Flasmob sollte als Mittel im Arbeitskampf verboten werden. Das Landesarbeitsgericht entschied, Flashmob sei erlaubt.

Der Hauptgeschäftsführer des HBB, Nils Busch-Petersen, war schockiert. Mit diesem Urteil hatte er nicht gerechnet. Der Handelsverband will in Berufung gehen, durch alle Instanzen bis zum Bundesarbeitsgericht.

Busch-Petersen begründete das geforderte Flashmob-Verbot auf besonders originelle Art:

“Tiefkühlware wurde in die Einkaufswagen gelegt, die angetaut ist, und nicht mehr verkauft werden durfte.”

FLASHmob heißt FLASHmob, weil er BLITZartig stattfindet. TIEFKÜHLware heißt TIEFKÜHLware, weil sie auf minus 18 Grad Celsius gefroren werden muß. Abweichungen von 3 Grad Celsius sind erlaubt.

Ein organisierter Kaufhallenbetrieb soll also nicht in der Lage sein, Tiefkühlware nach einer Blitzaktion aus den Einkaufswagen zurück in die Regale zu packen, bevor sie sich auf minus 14 Grad erwärmt hat. Das ist selbst für Busch-Petersen, dem niemand intellektuelle Strahlkraft nachsagt, sehr bescheiden argumentiert.

Wenn den HBB-Anwälten nichts Gescheiteres einfällt, könnte Ver.di vor Gericht letztinstanzlich gewinnen. Der Flashmob würde den gewohnten Streik nicht ersetzen, aber wunderbar ergänzen. Auch Nadelstiche pieken.

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