Als Westberliner SFB-Gewächs hast du in diesem Jahr deinen 50. Geburtstag gefeiert. Damit bist du älter, als die Aktuelle Kamera, dein Ostberliner Pendant, je werden kann.
Herzlichen Glückwunsch!
Man wirft dir vor, du wärest eine Rentnersendung, so verstaubt wie die Mumie von Friedrich Moll, den niemand mehr vom Stuhl zu sägen vermochte und der im Fundus vor sich hin trocknet. Manche sagen, die Hannelore-Kohl-Frisur von Cathrin Böhme passe wunderbar zur Laubenpieperspießigkeit eurer Moderatoren, die die gute alte Zeit, in der Willy Brandt Westberlin regierte und eure Einschaltquote über 40 Prozent betrug, perfekt konservieren.
Das ist natürlich großer Quatsch.
Du bist ein junges, hippes News-Format mit einem tollen Sascha Hingst, dem Liebling aller Gays und Girls. Und wenn die scharfe Ellen Arnhold spricht, wölben sich beim Hetero nicht nur die Augäpfel.
Vor allem aber verstehst du es, deine Zuschauer mit geschliffenem Wortwitz und bildgewaltigen Metaphern zu fesseln. Jeden Abend sitzen wir Punkt 19:30 Uhr vor dem Fernseher und hängen an euren Lippen. Nichts möchten wir verpassen, kein Wort und keinen Scherz.
Wie diesen Beitrag von Larissa Klatt, gesendet am 21. September:
Der Heizpilz — verehrt und gehaßt zugleich. Wer draußen nicht frieren will, sitzt gern an seiner Seite. Umweltschützer bringt der CO2 produzierende Gaspilz dagegen zur Weißglut. Für sie ist in Berlins Straßen eine regelrechte Pilzplage ausgebrochen.
Der Bezirk Pankow kämpft bereits seit einem dreiviertel Jahr gegen den Pilzbefall. Der Anbau ist verboten. Einheiten des Ordnungsamtes rücken regelmäßig zur Kontrolle aus.
Wir überzeugen uns selbst und fahren zur Pilzsuche in die Verbotszone. Und siehe da: Trotz Bußgelddrohungen sprießen sie an allen Ecken. Für Pilzliebhaber das Paradies. Hier herrschen ideale Bedingungen für den gemeinen Heizpilz. Der Plage ist nicht beizukommen. Womöglich ist die Sorte fungizidresistent. Vielleicht liegt’s aber auch an der Kommunikation zwischen Pilzbekämpfungsbehörde und Wirten.
Wer sich an das Pflanzungsverbot hält, hat es dagegen schwer: Weiße Weste, jedoch keine Gäste.
Ab Januar soll das Verbot in allen Innenstadtbezirken gelten. Mancherorts gibt’s schon Alternativen: Den Elektroheizpilz oder Infrarotstrahler. Aber auch sie sind Energiefresser und damit nicht frei von Emissionen. Um sie zu verbieten, müssen die Ordnungsämter dann neue Argumente finden. Bis dahin fahren die Berliner aber bestimmt noch oft in die Pilze.
Abspann, Musik: “Freunde, laßt die Pilze stehn, laßt uns in die Kneipe gehen …”
Das sind Moderationen, die begeistern. Funkelnde Wortspiele und freche Assoziationen. Respektlos, aber nicht vorlaut. Da schmunzelt auch der Klaus Landowsky.
Eigentlich gibt es nichts mehr zu verbessern. Wenn wir uns trotzdem etwas wünschen dürften, dann dies: Beginnt jede Sendung mit einem Leierkastenmann. Laßt euch die kleinen gelben Moderatorenkärtchen von Eckensteher Nante bringen. Verkleidet euch als Fritze Bollmann und Mutter Lustig. Schreibt das Wort Abendschau in Sütterlin.
Das wird dufte. Schickt uns eine Mail, wenn es so weit ist. Bis dahin gucken wir Brandenburg aktuell.
Macht’s gut, Nachbarn!
Messitsch by Burns
1 Kommentar ↓
Frage; wann werden eigentlich Feuerwerke und Dieselkraftstoff in den Feinstaubzonen verboten???
Wie begründen die Behörden ihre Ausnahmeregelungsanträge zum Befahren der eingerichteten Feinstaubzonen??
Fahren eigentlich die 40.000 PKWs mit den gefakten Kats noch herum?? Theoretisch, fahren diese Fahrzeuge ohne Versicherungsschutz…..
MfG. Ingo Alisch. Ps: .. sehr verläßliche Sendung.
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