Haben Sie sich, liebe Leser, nach der Lektüre einer Rezension schon mal seufzend gewünscht: Wie schön wäre es, wenn ich mit der Fingerspitze auf das abgedruckte Buchcover klicken könnte und sich mir in der Zeitung eine Leseprobe öffnete, mit Direktlink zum Kauf, sofern die Leseprobe erquicklich war?
Die Berliner Zeitung macht es möglich. Seit dem 09. Oktober bietet Ihnen das Feuilleton einen bundesweit einmaligen Service: Mit der leichten Berührung des Buttons “Hier klicken — Blick ins Buch!” öffnen sich ausgewählte Seiten, und Sie können in aller Ruhe schmökern, stöbern oder einfach nur lesen:

Fragen Sie nicht, wie es funktioniert. Das Internet ist eine geheimnisvolle Welt, und Schäuble hat Sie sowieso verdrahtet. Da fällt die Leserprobe gratis ab, wie die Teflonpfanne bei der Raumfahrt.
Sie glauben uns nicht? Da haben Sie recht.
Das Coverfoto hat die Redaktion aus einem Onlineshop kopiert und vergessen, das Bild des Buttons zu löschen. Dieter Gorny würde es “Raubkopie” nennen. Wir sagen dazu Blödheit.
Denn ungewollt legt die Redaktion ihre Quellen offen: Wilde Downloads zur Bebilderung uralter Rezensionen. Die Autorin Catherine Newmark brachte ihren Text über das Buch Väter von Dieter Thomä schon am 28. August bei Deutschlandradio Kultur unter. Sie formulierte ihn für die Berliner Zeitung lediglich um.
Der Gedanke des Eigentümers Montgomery und seines Exekutors Depenbrock, das Feuilleton der Berliner Zeitung einzustampfen, erscheint allmählich plausibel. Der überforderte Feuilletonchef Jähner kann sich dann wieder im Haus der Kulturen der Welt bewerben, wo er früher als Wandzeitungsredakteur jobbte. Oder beim Senat. Dort verballerte das Purzelchen Staatsknete en gros: Im üppig budgetierten Komitee zur 750-Jahr-Gegenfeier der Frontstadt Westberlin zur offiziellen Feier des historischen Berlins.
Neulich kündigte Exekutor Depenbrock die redaktionellen Abonnements für die Leipziger Volkszeitung, Thüringer Allgemeine, Frankfurter Rundschau, Welt, taz und den Stern. Jeder Cent wird für die Rendite gebraucht.
Das wirkt auf den ersten Blick merkwürdig: Ein Feuilleton, abgeschnitten von der gedruckten Konkurrenz?
Es geht, wie man sieht. Sofern man sich nicht ganz so dumm anstellt und beim kostengünstigen Kopieren erwischen läßt.
Keine Kommentare ↓
Es gibt noch keine Kommentare. Sie können das ändern. Schreiben Sie einen Kommentar in das Formular.
Mein Kommentar: