Angesichts der ernsten Lage …

Geschrieben von messitschbyburns am 07. Februar 2008 | Bundeswehr, Geschichte


Die deutschen Volksvertreter forcieren die mentale Aufrüstung ihres Wahlvolkes. Der letzte große Krieg mit deutscher Beteiligung verblaßt langsam in der Erinnerung, und mit ihm schwinden die trüben Gedanken an die Gräuel und Massaker der Deutschen. Auch dank der scheinbar endlosen TV-Weichspüler von Guido Knopp, der noch den widerwärtigsten SS-Mann vor einem dezent ausgeleuchteten Paravant plaziert, um ihn unwidersprochen vom heldenhaften Kampf gegen die Bolschewisten schwärmen zu lassen — während der Russe in Knopps Wochenschau prinzipiell im hartem Licht vor einer rustikalen Schrankwand und mit allem Lametta auf der Brust gefilmt wird, was in Deutschland lächerlich wirkt. Wie von Knopp beabsichtigt.

Nach Strucks launischer Kurzfassung deutschen Wollens und Strebens (“Unsere Sicherheit wird nicht nur, aber auch am Hindukusch verteidigt”) ist die Stoßrichtung klar: Germans to the front. Der Abmarsch deutscher Kampftruppen nach Afghanistan ist beschlossen. Wer sichere Aktien kaufen will, investiere jetzt in Särge. Das weiß auch der Bundesminister für Verteidigung und läßt in aller Stille ein Ehrenmal für tote Bundeswehrsoldaten vorbereiten.

Vor dem Kopfschuß aber steht der Kampf im Felde. Und was heizt den deutschen Mucker ganz besonders an? Die Aussicht auf ‘nen Orden. Ganz besonders, wenn der Orden eine durch und durch militaristische Tradition besitzt. Da wird der Mucker blutgeil; da rattert er noch eine Extrasalve in das paschtunische Schlafzimmer.

Und so fiel einem gewissen Timmy Schwarz aus 28211 Bremen auf, daß der deutsche Soldat dringend einer würdigen Tapferkeitsauszeichnung bedarf. Also schickte er folgende Petition an den Bundestag:

Der Petent bittet den Deutschen Bundestag zu beschließen, das Eiserne Kreuz als Verdienstorden für herausragende Leistungen von Bundeswehrsoldaten wieder einzuführen.

Der Petitionsausschuß heftete das Schreiben nicht etwa im Ordner “Unbewältigte Vergangenheit” ab, sondern verkündete:

Der Deutsche Bundestag hat die Petition beraten und am 13.12.2007 beschlossen: Die Petition der Bundesregierung - dem Bundesministerium der Verteidigung (BMVg) - zu überweisen.

Somit wird die Schnapsidee ihre Kreise durch sämtliche Büros ziehen, die sich von Amts wegen mit Petitionen zu befassen haben. Und das sind nicht wenige.

Allerdings kann man dem Petenten ein gewisses Gespür für die deutsche Politik nicht absprechen. Das Eiserne Kreuz wurde nur verliehen, wenn sich Preussen oder Deutschland offiziell im Kriegszustand befand:

Stiftung durch König Friedrich Wilhelm III. von Preußen am 10. März 1813:

Wir Friedrich Wilhelm, von Gottes Gnaden König von Preußen etc. etc.

In der jetzigen großen Katastrophe, von welcher für das Vaterland Alles abhängt (…)

Wir haben daher beschlossen, das Verdienst welches in dem jetzt ausbrechenden Kriege, entweder im wirklichen Kampf mit dem Feinde oder außerdem im Felde oder daheim jedoch in Beziehung auf diesen großen Kampf um Freiheit und Selbständigkeit, erworben wird, besonders auszuzeichnen und diese eigenthümliche Auszeichnung nach diesem Kriege nicht weiter zu verleihen.

Dem gemäß verordnen Wir wie folgt:
1. Die nur für diesen Krieg bestehende Auszeichnung des Verdienstes Unserer Unterthanen um das Vaterland ist

das eiserne Kreuz

von zwei Klassen und einem Groß-Kreuz (…)

Urkundlich unter Unserer allerhöchsteigenhändigen Unterschrift und beigedrucktem Königlichen Insiegel.
Gegeben Breslau, den 10ten März 1813.
Friedrich Wilhelm

1. Erneuerung durch König Wilhelm I. von Preußen am 19. Juli 1870:

Wir Wilhelm, von Gottes Gnaden König von Preußen etc.

Angesichts der ernsten Lage des Vaterlandes und in dankbarer Erinnerung an die Heldentaten unserer Vorfahren in den großen Jahren der Befreiungskriege (…)

Demgemäß verordnen Wir, was folgt:
1. Die für diesen Krieg wieder ins Leben gerufene Auszeichnung des Eisernen Kreuzes soll, wie früher, aus zwei Klassen und einem Großkreuz bestehen (…)

Urkundlich unter Unserer Höchsteigenhändigen Unterschrift und beigedrucktem Königlichen Insiegel.
Gegeben Berlin, den 19. Juli 1870.
Wilhelm

2. Erneuerung durch König Wilhelm II. von Preußen am 5. August 1914:

Wir Wilhelm, von Gottes Gnaden König von Preußen usw.

Angesichts der ernsten Lage, in die das teure Vaterland durch einen ihm aufgezwungenen Krieg versetzt ist, und in dankbarer Erinnerung an die Heldentaten unserer Vorfahren in den großen Jahren der Befreiungskriege und des Kampfes für die Einigung Deutschlands (…)

Urkundlich unter Unserer Höchsteigenhändigen Unterschrift und beigedrucktem Königlichen Insiegel.
Gegeben Berlin, den 5. August 1914.
Wilhelm R.

3. Erneuerung durch Adolf Hitler am 1. September 1939:

Nachdem ich mich entschlossen habe, das Deutsche Volk zur Abwehr gegen die ihm drohenden Angriffe zu den Waffen zu rufen, erneuere ich eingedenk der heldenmütigen Kämpfe, die Deutschlands Söhne in den früheren großen Kriegen zum Schutze der Heimat bestanden haben, den Orden des Eisernen Kreuzes (…)

Berlin, den 1. September 1939.
Der Führer
Adolf Hitler

An diese deutsche Tradition anzuknüpfen und die Kämpfe in Afghanistan zum Krieg — natürlich gegen den Terror — zu erklären, wird der deutschen Regierung nicht schwerfallen. Wer 62 Jahre nach der bedingungslosen Kapitulation der faschistischen Wehrmacht immer noch Bundeswehrkasernen nach Nazigenerälen benennt, kann seinem potentiellen Kanonenfutter auch das Eiserne Kreuz an die Brust nadeln. Es bleiben ja noch ein paar Monate, bis deutsche Kampftruppen am Hindukusch kapitulieren.

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Von der Ems bis an den Kabul,
Von Kap Horn bis Bitterfeld (*)
Deutschland, Deutschland über alles,
Über alles in der Welt!

(*) Norddeutschland ruft eine demilitarisierte Räterepublik aus und eskortiert Militaristen und Uniformträger unter dem Jubel der Bewohner über die Grenze.

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