In Berlin soll es Probleme mit der Zustellung geben, hört man. Manche Briefe seien sehr lange unterwegs, Pakete würden nur sporadisch ausgetragen, und in einigen Häusern könnten angeblich Spinnen ihr Netz über den Briefschlitzen weben; es würde sie kaum ein Postbote stören.
Wir können das nicht bestätigen, weil unsere Post — soweit von uns einschätzbar — pünktlich im Kasten liegt und der nette Paketbote, der uns sogar auf der Straße grüßt, jedes Päckchen bis zur Pforte unseres kleinen Weltkonzerns trägt.1
Doch unzufriedene Postkunden muß es geben, denn in der Presse wüten die Leser und schildern detaillierte Schreckensnachrichten aus ihrem Leben mit der Post.
Für solche Fälle gibt es einen Chef. Der trifft sich mit der Presse, stellt klar, sieht ein und verspricht.
Der örtliche Zuständige heißt Uwe Völker und ist “Regionaler Geschäftsbereichsleiter Betrieb Brief Ost”. Dieser Titel klingt nicht nur wie von einem Türschild im ZK der SED geklaut, der Chef antwortet im Pressegespräch tatsächlich wie die Reinkarnation des sowjetischen Außenministers Andrej “Genosse Njet” Gromyko:
“Das sagen wir nicht öffentlich.”
“Das machen wir aus Wettbewerbsgründen nicht öffentlich.”
“Dazu machen wir keine Angaben.”
“Berliner Zahlen sagen wir nicht.”
“Das weiß ich jetzt nicht.”
“Das habe ich jetzt nicht parat.”
“Die genaue Zahl der Beschwerden in Berlin kann ich Ihnen nicht nennen.”
“Die werden wir nicht veröffentlichen.”
Bravo, junger Mann! Das nennt man souveränes Handeln. Kämpfen mit offenem Visier, die Attacke suchen, dem Gegner keine Zeit zum Luftholen lassen.
Uns erinnert der Völker’sche Aufklärungswille an einen anderen Kommunikationskünstler. Als Vattenfall Europe im Jahr 2007 von einer Panne in die nächste schlidderte, reagierte Vorstandschefs Klaus Rauscher ähnlich: Abblocken, abwiegeln, verneinen.
Mitte 2007 wurde Rauscher gefeuert.
Nur mal so
Messitsch by Burns
- Einzige Ausnahme ist Post von der Ostsee. Die ist länger unterwegs als Hape Kerkeling auf seiner Pilgerreise. Vielleicht muß der Postbote mit einem Nachen auf Oder und Spree nach Berlin staken. Der arme Mann. Wir haben deshalb beschlossen, die Briefe in Zukunft an einen chinesischen Lampion zu binden, die Kerze zu entzünden, den Lampion am Ostseestrand fliegen zu lassen und zu hoffen, daß er in Dänemark oder Polen landet und von dort schneller nach Berlin befördert wird. [↩]
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