Wie Sie wissen, liebe Leser, spendiert SPON jeden Montag einen Satz Maulschellen für Anne Will. Wie Sie ebenfalls wissen, öffnet normalerweise das kleine braune Mohr die Sudelkiste und kippt seine neoliberalen Latrinenparolen über der Talkmasterin aus.
Zuweilen ist das kleine braune Mohr unpässlich. Dann muß das Reserve-Mohr ran. In dieser Woche heißt es Christian Teevs und ist ein 28-jähriger Göttinger, der fast sein ganzes Leben in dieser Stadt verbrachte. Etwas anmaßend läßt er sich Parteienforscher nennen, obwohl er offiziell nur als wissenschaftlicher Hilfsknecht an der örtlichen Universität geduldet wird.
Auch Teevs strullerte Anne Will so ins Revers, wie es der Redaktion gefällt. Müßig, auch nur einen lauen Satz des Mohr-Imitators zu referieren. Spannender ist dagegen, die Personen zu zählen, die Teevs im Fernsehen gesehen zu haben glaubt:
Klaus von Dohnanyi (SPD), Ralf Stegner (SPD), Vera Lengsfeld (CDU) und einen gewissen Bruder Paulus.
Wer die Sendung kannte, schaute irritiert auf Teevs Artikel. War da nicht noch was?
Auf dem Podium saß auch Bodo Ramelow (Die Linke). Er diskutierte, stritt und widersprach, er wurde von Dohnanyi unterbrochen und von Lengsfeld angegiftet. Er war weder zu übersehen noch zu überhören.
Kein Wunder, denn das Thema der Sendung hieß: “Ypsilanti gescheitert - SPD in Gewissensnot.” Die Linke spielte im hessischen Drama eine entscheidende Rolle. Nur konsequent, daß deren stellvertretender Vorsitzender der Bundestagsfraktion eingeladen wurde.
Das Reserve-Mohr aber ignorierte ihn. Mit keiner Silbe wird Bodo Ramelow erwähnt.
Sie glauben, das wäre manipulativer Journalismus, liebe Leser? Das könnte sein. Doch machen wir uns nichts vor: Der selektive Reserve-Mohr ist nur ein Beispiel für den ganz normalen Zustand der Fernsehkritik auf Deutschlands meistem Nachrichtenportal.
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