Leistung muß sich wieder lohnen

Geschrieben von messitschbyburns am 20. November 2008 | Deutscher Irrsinn, Grüne, SPD


Der Volkswirtschaftler Bert Rürup soll im Februar 2009 seinen Chefposten im Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung (Rat der Wirtschaftsweisen) aufgeben und im April 2009 zum Finanzmakler AWD wechseln.

Rürup drückte mit Vehemenz die private Altersvorsorge zu Lasten der staatlichen Rente durch. Davon profitierte kaum ein anderes Unternehmen so stark wie AWD.

AWD-Chef Maschmeyer im Jahr 2005:

“Nach der Verlagerung von der staatlichen zur privaten Altersvorsorge stehe die Finanzdienstleistungsbranche ‘vor dem größten Boom, den sie je erlebt hat. Sie ist ein Wachstumsmarkt über Jahrzehnte.’”

“‘Es ist […], als wenn wir auf einer Ölquelle sitzen’ […] Sie ist angebohrt, sie ist riesig groß und sie wird sprudeln.”

Wenn die Spiegel-Nachricht stimmt, dann holt sich Rürup jetzt seinen Lohn ab. Er hat ihn sich verdient, denn die staatliche Rente ist irreparabel beschädigt. Wer ein geringes Einkommen besitzt und sich keine private Zusatzrente leisten kann, vegetiert als Armutsrentner.

Alle anderen müssen sich bei Finanzierern wie AWD versichern.

Und weil wir gerade über Belohnungen sprechen:

Ditmar Staffelt (SPD) ist seit November 2002 Koordinator für die deutsche Luft- und Raumfahrt. Am 1. Januar 2009 wird er sein Bundestagsmandat niederlegen, um als “Vorstandsbeauftragter für Politik und Regierungsarbeiten in Deutschland” für den Luftfahrtkonzern EADS zu arbeiten.

Margareta Wolf (Grüne) war von 2002 bis 2005 Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit. Am 1. Dezember 2007 legte sie ihr Mandat nieder und wechselte zur Kommunikationsberatung Deekeling Arndt Advisors. Dort ist sie u.a. mit einem PR-Mandat für längere Laufzeiten deutscher Atomkraftwerke befaßt.

Matthias Berninger (Grüne) war von 2001 bis 2005 Parlamentarischer Staatssekretär bei der Bundesministerin für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft. Am 20. Februar 2007 legte er sein Bundestagsmandat nieder, weil er in Brüssel beim Schokoriegelproduzent Mars Inc. Europa als Director Corporate Health and Nutrition eingestellt wurde.

Otto Schily (SPD) setzte als Innenminister (1998 bis 2005) die Einführung biometrischer Pässe durch. Nach seiner Amtszeit wurde er Aufsichtsratsmitglied bei Byometric Systems AG (bis Mai 2007) sowie Aufsichtsratsmitglied und Anteilseigner bei Safe ID Solutions AG. Beide Firmen sind Hersteller biometrischer Anwendungen.

Wolfgang Clement (SPD) kämpfte als Wirtschaftsminister (2002 bis 2005) für die Zulassung mindestlohnfreier Zeitarbeit und für den Erhalt der Kohlegruben und -kraftwerke in NRW. Nach seiner Demission wurde er Aufsichtsratsmitglied bei der Zeitarbeitsfirma DIS AG, beim Dienstleister Dussmann und beim Energiekonzern RWE Power.

Caio Koch-Weser (parteilos) war von 1999 bis 2005 Staatssekretär im Finanzministerium und dort unter anderem für die Kontrolle der Banken zuständig. In seiner Funktion als Staatssekretär hatte er die umstrittene Führungsstruktur der Deutschen Bank genehmigt, obwohl das Justizministerium erhebliche Bedenken geäußert hatte. Seit 2006 ist er als Vice Chairman im erweiterten Vorstand der Deutschen Bank tätig.

Rezzo Schlauch (Grüne) war von 2002 bis 2005 Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Wirtschaft und Arbeit und wurde nach seinem Rücktritt Beiratsmitglied im Energiekonzern EnBW.

Volker Halsch (SPD) war von 2002 bis 2006 Staatssekretär im Finanzministerium und saß für das Finanzministerium im Aufsichtsrat der Telekom. Nach seinem Ausscheiden wurde er Mitglied der Geschäftsleitung bei der Telekom-Tochter Vivento.

Simone Probst (Grüne) war von 1998 bis 2005 Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit und ist heute Aufsichtsratsmitglied beim Energiedienstleister Techem.

Norbert Hansen (SPD) war bis 8. Mai 2008 Vorsitzender der größten deutschen Bahn-Gewerkschaft Transnet. Er warb 2007 auf einem SPD-Parteitag erfolgreich für die Teilprivatisierung der Deutschen Bahn. Am 15. Mai berief ihn der Aufsichtsrat der Deutschen Bahn AG zum Arbeitsdirektor.

Alles nach Recht und Gesetz.

1 Kommentar ↓

#1 g. haase am 20.11.08 um 13:39

Irgendwann hab ich mal gelernt, daß der Staat das Machtinstrument der jeweils herrschenden Klasse ist und also zu deren (und nur zu deren) Nutzen eingerichtet ist. Da Gesetze die Machtverhältnisse widerspiegeln, ist das alles völlig normal.

Viele Menschen sind auf der Suche nach ewigen Wahrheiten - der obige Satz scheint eine zu sein.

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