Der Mauergärtner

Geschrieben von messitschbyburns am 10. Dezember 2008 | Berlin, Birthler/Gauck, Rogalla


Die Gedenkstätte Berliner Mauer hat einen neuen Chef. Axel Klausmeier wurde auserwählt, die komplizierten, konkurrierenden und örtlich zersplitterten Gedenkstätten in Berlin zu lenken und zu leiten.

Der Senat formulierte die Stellenanzeige für den zu vergebenden Posten entsprechend anspruchsvoll:

“Bewerber sollten ‘einschlägige Leitungs- und Koordinierungserfahrungen’ mitbringen sowie möglichst ‘umfangreiche Kenntnisse in der Aufarbeitung und Vermittlung zeitgeschichtlicher Themen’. Auch ‘Erfahrungen in der Ausstellungs- und Gedenkstättenarbeit’ sind erwünscht, sowie ein ‘vertieftes Verständnis für die besonderen Umstände der deutschen Teilungsgeschichte’.”

Als sich die Findungskommission auf Klausmeier einigte, warf sich der Erste Offizielle Stellvertreter Marianne Birthlers auf Gottes Erde, Thomas Rogalla, in der Berliner Zeitung so kriecherisch wie hemmungslos vor Klausmeier in den Staub:

7. November 2008:
“Klausmeier ist ein exzellenter Kenner der DDR-Grenzanlagen.”

8. November 2008:
“Einer der besten Kenner des größten und grässlichsten SED-Bauwerks.”

Und am 19. November 2008 krafthuberte Klausmeier über sich selbst:

“Neben inhaltlicher Kompetenz bringe ich für diese Tätigkeit durchaus auch umfängliche Erfahrungen in Personalverantwortung und Organisation mit. Ich traue mir diesen Job zu.”

Womöglich glauben Sie, liebe Leser, nach all dem Speichel, Schleim und Sülz, Klausmeier sei tatsächlich der gesuchte Mann mit Erfahrung. Ein Historiker mit dem Fachgebiet DDR oder ein renommierter Politikwissenschaftler; auf jeden Fall einer, der mit der Mauer aufwuchs und diesen Forschungsgegenstand seit Jahren akribisch beackert.

Wir glaubten das auch, und wir wollen Sie wirklich nicht erschrecken — aber das ist der offizielle Lebenslauf von Axel Klausmeier:

  • Jahrgang 1965
  • Abitur in Essen
  • Nach Zivildienst, Berufslehre und Berufstätigkeit im Gartenbau Studium der Kunstgeschichte, Neueren und Mittelalterlichen Geschichte.
  • 1995 Magister Artium mit einer Arbeit zur Architektur im Landschaftsgarten von Wörlitz.
  • 1999 Abschluss einer Dissertation über den englischen Architekten Thomas Ripley (1682-1758).
  • 1999-2001 Volontariat in der Gartendirektion der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg.
  • 2001 bis 2006 wissenschaftlicher Assistent am Lehrstuhl Denkmalpflege der BTU Cottbus.
  • Mai 2006 bis April 2007 Oberassistent am Institut für Denkmalpflege und Bauforschung der ETH Zürich.
  • Seit April 2007 wissenschaftlicher Mitarbeiter im von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) finanzierten Forschungsprojekt “Die Berliner Mauer als Symbol des Kalten Krieges: vom Instrument der SED-Innenpolitik zum Baudenkmal von internationalem Rang”.

Klausmeier ist Kunsthistoriker und Landschaftsgärtner.

Salopp formuliert, könnte man sagen, die Berliner Mauer stand als zeitgenössische Kunst in der Landschaft herum, irgendwie. Aber das trifft es wohl nicht ganz.

Die konservative Welt schrieb zur Mauschelei um den Chefposten:

“Die Berliner Senatskanzlei unter dem nebenbei auch noch als sein Kultursenator amtierenden Bürgermeister Wowereit muss sich fragen lassen, warum sie sich um ihre eigene Ausschreibung so wenig schert. Denn einige der darin formulierten Kriterien erfüllt der designierte Direktor augenscheinlich nicht.”

Die entscheidende Qualifikation Klausmeiers bestand wohl darin, eine parteipolitisch gewünschte Figur zu sein. Und als Kompensation durfte sich Quoten-Ossi Maria Nooke für den Stellvertreterstuhl bedanken. Sie hatte sich auch um den Chefsessel beworben, aber leider, leider …

Thomas Rogalla jedenfalls ist beglückt. Wir werden noch viele Hofberichte über den Mauergärtner lesen.

Was für eine Vorfreude.

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