Diese verdammten Sachsen, diese verdammten!

Geschrieben von messitschbyburns am 26. November 2008 | Berliner Zeitung, DDR, Knabe


Das ungläubige Staunen in den bundesdeutschen Medien nach der Veröffentlichung der letzten Pisa-Studie war recht amüsant. Sachsen verdrängt Bayern, die ostdeutschen Bundesländer berappeln sich, und selbst Berlin rutscht drei Millimeter nach vorn.

Unerhört. Das konnte nicht mit rechten Dingen zugehen. Dagegen muß man etwas unternehmen. Aber was?

Die Stasi-Nummer fällt aus. Auch die dicke Marianne vermag nicht so viele Akten zu basteln, daß jedem Ost-Lehrer eine Stasi-Verpflichtung in den Nikolausstiefel geschoben werden kann.

Was dann?

Heute präsentiert die Berliner Zeitung eine ultimative Erklärung:

“Ostdeutschland, du hast es besser? Leider nicht ganz. Auch im ostdeutschen System gibt es einen Ort für Schüler mit Problemen: die Förderschulen […] Die Quote von Schülern in Förderschulen ist fast doppelt so hoch wie im Rest Deutschlands, wie das Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) festgestellt hat. In Bayern besuchten vier Prozent der Schüler 2004/05 eine Sonderschule, in Sachsen acht Prozent eine Förderschule. Und die Quote steigt.

Damit niemand diesen erschütternden Befund überliest, wird er schon in der Überschrift angedeutet:

“Sachsen verdankt seinen Erfolg bei der Pisa-Studie einigen Traditionen des DDR-Bildungssystems - guten wie auch nicht mehr zeitgemäßen.”

Die Dummen werden also abgeschoben. Vermutlich in Kinder-KZs mit menschlichem Anstrich. So sind sie eben, die Ostler: Verschlagen und heimtückisch. Ganz besonders die Sachsen.

Sie werden sich fragen, wem wir für die unerschrockene Recherche zu danken haben. Unserem Held Knabe, oder Marianne I., der Ministerin für Wahrheit und nichts als die Wahrheit? Ganz falsch.

Die Autorin heißt Greta Taubert, studierte in Leipzig Journalistik und Politikwissenschaft, jobbte u.a. für die Lokalredaktion der Thüringer Allgemeinen und volontierte bei der Berliner Zeitung. Dort machte sie sich am 7. August 2006 mit einem — pardon — selten blöden Beitrag über (genauer: gegen) die deutschen Blogger zum Gespött. Der Schockwellenreiter kommentierte Greta Tauberts Gewürge trocken: “Entgleisung”, “grottenschlecht”, “von keiner Ahnung getrübt”.

Kann ja mal passieren, denken Sie? Eine junge Frau verirrt sich im Dickicht der neuen Medien?

Möglich, aber unwahrscheinlich. Greta Taubert sucht seit langem die Nähe zur Konrad-Adenauer-Stiftung, einer der reaktionärsten Denkfabriken Deutschlands, die das in Ansätzen demokratische, weil weitgehend unzensierte Web 2.0 rabiat bekämpft.

Taubert begleitet die ideologische Schulung journalistischer Pimpfe, moderiert Unternehmer-Foren und steigt ganz tief in die konservative Jauche — zur Bundeszentrale für politische Bildung, deren Präsident Thomas Krüger als ultrarechter Hardliner innerhalb der SPD verrufen ist.

Krüger sorgt persönlich dafür, daß der kalte Krieg in den gedruckten Publikationen und auf der Website der bpb unverdrossen fortgeführt wird. Ein rechtsnationaler, antikommunistischer Homunkulus, wie aus dem Samen von Hubertus Knabe im Bauch der dicken Marianne gezeugt.

Das ist das Umfeld, dem sich Greta Taubert andient. Ihr unterschwelliger Vorwurf, die Sachsen hätten u.a. deshalb gewonnen, weil sie ihre Schwächsten entsorgten, ist kein Zufall.

Allerdings ist ihre Sachsen-Schlußfolgerung ein wenig spekulativ:

“Wie die vergleichbaren Sonderschulen in anderen Bundesländern wurden [die Förderschulen] in der Pisa-Ergänzungsstudie nicht untersucht.”

Was passiert wohl, wenn eines Tages auch Sonder- und Förderschulen verglichen werden — und Sachsen wieder den ersten Platz blockiert?

Muß dann die dicke Marianne doch noch Überstunden machen?

greta_taubert_s.jpg

Dieses freundliche Gesicht erinnert uns an
Angela Merkel. Auch sie sah harmlos aus
in jungen Jahren. Heute wickelt sie über
Schäuble die demokratischen Grundrechte ab.

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