Megapuss: Surfing

Geschrieben von messitschbyburns am 09. Dezember 2008 | Devendra Banhart, Hörsturz


Megapuss
“Surfing”
(p) 2008, Vapor Records

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Drei junge Männer mit Humor. Das hat man selten im Musikgetriebe.

Über Devendra Banhart müssen wir Sie, liebe Leser, nicht mehr aufklären. Sie wissen, daß wir den knallköpfigen Hippie lieben und uns an seinen spinnerten Liedern und der weichen, tremolierenden Stimme nicht satt hören können.

Der Produktionsausstoß von Devendra Banhart ist beeindruckend. Sein Liebesleben auch: Er war mit Natalie Portman liiert, die wir u.a. als zwölfjährige Mathilda in Léon — Der Profi, als lügende Sam in Garden State von Zach “Scrubs” Braff und als Königin Amidala bzw. Senatorin Padmé Naberrie in Star Wars Episode I-III gesehen haben (d.h., in jenen Episoden, die produktionstechnisch nach Episode I-III gedreht wurden, storymäßig aber vor Episode I-III spielen — sozusagen Episode 0.I-0.III).

Die Liebe ist gegangen, und mit ihr die schöne Nathalie. Devendra Banhart macht das Beste daraus: Eine neue Band mit dem klingenden Namen Megapuss und einem wüst gebastelten Bühnenoutfit, das einen Gürtel mit angehängten Plastik-Penissen einschließt. So verarbeitet er sein Trennungstrauma, ohne zum Mörder zu werden. Andere Menschen wären wohl schon durchgedreht, wenn ihnen Natalie Portman nur zugezwinkert hätte.

Sein Megapuss-Partner, der Multiinstrumentalist Greg Rogove, ist Mitglied der nach wie vor existierenden Banhart-Tourband Power Mineral. Möglicherweise heißt die Banhart-Tourband aber seit gestern oder ab morgen ganz anders. Ihr Name wechselt öfter als die Vorhersagen des Deutschen Wetterdienstes: Fried Hummingbird, Vagina Burglars, Hairy Fairy Band, Las Putas Locas, Stoner Boner, Spiritual Boner, Bummer Hummer, Brain Taint, Love Fart, Bathhouse Of The Winds …

Wenn Greg Rogove nicht in der vielnamigen Banhart-Tourband spielt, dann trommelt er in seiner eigenen artifiziellen Post-Rock-Band Priestbird, einem wunderbaren Projekt für ambitionierte Kunststudenten und solche, die gern Kunststudenten geworden wären.

Für den Fall, daß Priestbird lahmt, könnte Greg Rogove Tarantula A.D. reanimieren, seine offiziell aufgelöste Bombast-Metal-Band, deren Besetzung praktischerweise identisch war mit Priestbird.

Die dritte Hauptperson wurde zwar nicht nackt auf dem Frontcover, aber mit Budjonny-Mütze und Penisnase im Booklet abgebildet: Schlagzeuger Fabrizio Moretti von den Strokes.

Zusammen mit elf im Booklet namentlich genannten Musikern und Technikern nahmen die drei Hüpfer ihre CD Surfing auf: Musik für gutgelaunte Winterabende; die folgenden Jahreszeiten inbegriffen.

Die 14 Songs zwischen 0:25 und 7:07 überfordern keinen. Wobei nicht alle Titel wirkliche Songs sind. Devendra Banhart hat ja die Angewohnheit, im Studio auch spontane Blitzideen aufzunehmen, die weder über Struktur noch Refrain verfügen.

Die meisten Stücke sind jedoch — für ihn ungewöhnlich — tatsächlich kleine, herzallerliebste, radiotaugliche Songs. Der erste Titel Crop Circle Jerk ‘94 beginnt zwar mit einer gestopften Jazz-Trompete, aber das ist nur einer von vielen Scherzen auf diesem Album. Der Song kippt nach wenigen Sekunden in einen leichten, Bahnhart-typischen Easy-Listening-Folk. Man ist gutgelaunt und möchte Banhart knuddeln und am Barte zupfen.

In Duck People Duck Man monologisiert als Gast der indisch-stämmige Comedy-Star Aziz Ansari (aus der MTV-Serie Human Giant) radebrechend über Enten, Kichererbsenpasten und Einwanderer-Klischees: “Do you know what duck people look like? You can notice us because we wear dark hooods. Don’t tell me we look like ducks, that’s a stereotype”, während die Band unverdrossen einen entspannten Sommersonnesonnenschein-Reggae jammt und Devendra Banhart “Duck people, duck people, duck man” singt.

Das klingt so fröhlich wie Jonathan Richmans Egyptian Reggae, und es bleibt nicht die einzige Anlehnung von Megapuss an diesen großartigen, sträflich unterschätzten Anti-Star des Lo-Fi-Folk. To The Love Within, Lavender Blimp und Chicken Titz sind ebenfalls Reminiszenzen an die 50er und 60er Jahre; jene Zeit, aus der auch Jonathan Richman seinen Honig saugt. Und zufällig — oder auch nicht — sind Megapuss und Richmann Labelkollegen auf Vapor Records.

Das hitparadenfreundliche Theme From Hollywood mit einer miauten Strophe und der leicht einzuprägenden Backgroundzeile “What it is, What it is, What it is, What it is” verknüpft Jonathan Richmann, Donovan und die Gitarre der Uve-Schikora-Combo (wenn Devendra Banhart deren Gitarre kennen würde). Ein 60er-Jahre-Schrammler, der so dumpf rumpelt, wie ein 60er-Jahre-Schrammler rumpeln muß.

Der Titelsong Surfing mäandert als fünfminütiges dunkles Kopfkino, das man — je nach Vorliebe — mit Lt. Colonel Bill Kilgore oder einem fingerdicken Joint assoziieren kann. Das bleibt aber die düstere Ausnahme auf dem Kindergeburtstag von Banhart & Co.

Das siebenminütige Sayulita ist der längste Song, ein zuckersüßer Feuerzeugschwenker, bei dem sich Personen jeglichen Geschlechts küssen werden. Apropos: Devendra Banhart ist möglicherweise hetero-, bi- oder trans-, auf jeden Fall aber metrosexuell. Seine Liasion mit Nathalie Portman legt eine gewisse Tendenz zu Bienchen und Blümchen nahe; andererseits kokettierte er schon früher — röckchentragend und kajalgeschminkt — mit seinem Geschlecht.

Auf Surfing wendet er sich verstärkt der Liebe unter Gleichen zu. Die Texte sind teilweise drastisch. Am deutlichsten, allerdings auch ironischsten, gehen Megapuss im Song A Gun On His Hip And A Rose On His Chest zur Sache, einem Mix aus dem 1965er Hit I Want Candy von The Strangeloves und Bo Diddleys Mona: “Fuck the president in the asshole, Fuck the government in the asshole, Fuck the taxes in the IRS’s, Fuck the police in the asshole, Fuck Enron, and fuck Exxon, fuck homophobes in their assholes”. Und für den, der den Witz nicht kapiert, singen sie: “Fuck Abe Lincoln, I’m just kidding … He Bo Diddley”.

In Adam & Steve drehen Megapuss noch ein Stück weiter an der Homo-Schraube und zitieren das Saxophonsolo aus George Michaels Careless Whisper auf einer schrillen Gitarre. Im Video zum Song verarschen sie schließlich George Michaels Faith nach Strich und Faden, was der Band den rauchenden Zorn der George-Michael-Fans bescherte. Ach Gottchen.

Wie zur Versöhnung blendet sich das Album mit Another Mother butterzart aus: Ukulele, Akkustik-Gitarre, Klavier und ganz viel “Uuh-uuh”. Da kann auch der Fan von George Michael wieder lächeln.

In den USA wurde Surfing am 4. November 2008 veröffentlicht — dem Tag, an dem Barrack Obama die Wahl gewann. Ist das ein gutes Omen oder ist das ein gutes Omen?

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Devendra Banhart operiert Greg Rogove.

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Nach der Operation bekommt
Fabrizio Moretti eine neue Nase.

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