Wenn sich Chris Martin den Kopf zermartert, um einmal im Leben einen guten Song zu komponieren, dann nimmt er Kontakt zu Fremdhirnen auf.
Er packt Apple Blythe Alison und Moses Bruce Anthony in den High Fashioned Double Buggy, drückt Gwyneth Paltrow einen 10-Pfund-Schein in die Hand, tauscht ihn mit den Worten “Macht euch einen schönen Tag” schnell gegen einen 5-Pfund-Schein aus, komplimentiert das Trio vor die Haustür und schließt von innen ab.
Vorsichtshalber läßt er den Schlüssel stecken. Dann schlurft er ins Wohnzimmer und löscht das Licht.
Er setzt sich an einen runden Tisch aus Eiche massiv, starrt ins Dunkle und konzentriert sich. Sein Hirn plustert sich auf wie sein Ego auf der Bühne; es pulsiert und pumpt und sendet Myriaden von Strahlen aus, die um den Erdball wandern, auf der Suche nach innovativen Zapfsäulen für die Kompensation der eigenen Leere.
Bei Joe Satriani hat’s geklappt. Hören Sie selbst, vergleichen Sie selbst:
If I Could Fly von Joe Satriani vs. Viva La Vida von Coldplay.
Der verblüffende Gleichklang ist für Chris Martin unerklärlich:
“With the greatest possible respect to Joe Satriani, we have now unfortunately found it necessary to respond publicly to his allegations. If there are any similarities between our two pieces of music, they are entirely coincidental, and just as surprising to us as to him. Joe Satriani is a great musician, but he did not write or have any influence on the song Viva La Vida. We respectfully ask him to accept our assurances of this and wish him well with all future endeavours.”
Diese Entschuldigung kennen Sie aus Filmabspännen, liebe Leser. Dort steht vorbeugend: “Ähnlichkeiten mit lebenden Personen sind rein zufällig.”
Demnach muß es sich bei Coldplays Transformation von If I Could Fly zu Viva La Vida um ein rein parapsychologisches Phänomen handeln. Dafür kann wirklich niemand verantwortlich gemacht werden, denn die Gedanken sind frei, und ihre Wege sind unergründlich. Oder so ähnlich.
Ein anderer Parapsychologist muß nach jahrelangem Prozeß den Geldsack öffnen und eine Krautrockband aus dem tiefsten deutschen Hinterwäldle entschädigen. Gary Moore wurde vom Landgericht München I verurteilt, dem Musiker Jürgen Winter Schadenersatz zu zahlen. Moores Welthit Still Got The Blues soll ein Plagiat des Stücks Nordrach der Band Jud’s Gallery sein.
Hören Sie selbst, vergleichen Sie selbst:
Nordrach von Jud’s Gallery vs. Still Got The Blues von Gary Moore.
Überspringen Sie die ersten Nordrach-Minuten. Die Band ist so gräßlich wie ihr Name. Interessant ist nur das Gitarrensolo ab Minute 5:24.
Der Song Nordrach wurde 1974 geschrieben. Aus dieser Zeit gibt es keine Plattenaufnahmen, denn Jud’s Gallery waren damals so unbekannt wie heute. Gary Moore lebte aber im Sommer 1974 in Deutschland und hätte das Solo auf Konzerten oder im Radio (Südwestfunk) hören können, behauptet Winter. Moore sagt, er wäre 1974 nicht in Deutschland gewesen. Das Gericht glaubte Winter.
Die Ähnlichkeiten sind noch frappierender als bei Coldplay und Satriani. Allerdings muß man bedenken, daß der Live-Mitschnitt erst am 13. Januar 2007 aufgenommen und am 15. Dezember 2007 von Jud’s Gallery bei Youtube eingestellt wurde. Die Band wäre mit dem Klammerbeutel gepudert, wenn sie das Solo in der Zeit, in der sie prozessierte, auch nur einen Deut anders spielen würde als Gary Moore.
Sollte Gary Moore das Solo tatsächlich von Jud’s Gallery übernommen haben, wie der Zeitzeuge und Musikwissenschaftler Volkmar Kramarz vor Gericht aussagte, dann kann sich der Weltstar die musikalische Seelenwanderung zu seinem Still Got The Blues beim besten Willen nicht erklären.
Oh, du geheimnisvolle Parapsychologie.
3 Kommentare ↓
Oooch, da läßt sich noch viel finden - man vergleiche doch einfach mal:
Puhdys - Wenn ein Mensch lebt
Hollies - Spicks and Specks
SET - Kipperkeule
Paul McCartney &Wings - Jet
Mit der Inspiration ist das so eine Sache. Ich halte es
durchaus für möglich, daß man, wenn man sich im mehr
oder weniger stillen Kämmerlein ein Gitarrensolo
zusammenstückelt, auf die gleichen Stellen kommt, wo
es erstens gut klingt und zweitens die Finger halbwegs
bequem hinkommen. Wenn man dann noch auf dem
gleichen Grundton angefangen hat (deren Zahl nunmal,
im Gegensatz zur Zahl frickelnder Musiker, arg
begrenzt ist), kommen sehr ähnliche Ergebnisse raus.
Gann vorgomm.
Muß aber ni!
Gann abor.
Kreativität sieht anders aus, ist aber nicht jedem gegeben.
Die Puhdys haben sich bei allem möglichen bedient:
Puhdys: Geh zu ihr
http://de.youtube.com/watch?v=lqxYLOuKwaw
Slade: Look Wot You Dun
http://de.youtube.com/watch?v=-QlsqyxUkro
————-
Puhdys: Wenn ein Mensch lebt
http://de.youtube.com/watch?v=T6O7Y0xMp8w
Bee Gees: Spicks And Specks
http://www.youtube.com/watch?v=ja-7tn6YpU0
————-
Puhdys: Alt wie ein Baum
http://www.youtube.com/watch?v=xe0b0ou0y10
Queen: 39
http://de.youtube.com/watch?v=y6Vcav-LETw
————-
Wobei man fairerweise sagen muß, daß “Wenn ein Mensch lebt” und “Geh zu ihr” Filmmusiken sind, die nicht von den Puhdys, sondern von Peter Gotthardt geschrieben wurden. Er soll die Inspirationen inzwischen zugegeben haben.
Fairerweise muss man sagen, dass bei den Dreharbeiten zu PAUL UND PAULA Slade und die Bee Gees mit den oben erwähnten Songs permanent auf einem Band lief. Regisseur Heiner Carow verlangte “GENAU SOLCHE MUSIK” als Filmmusik.
Mein Kommentar: