Der Facharbeiter für Datenverarbeitung Stephan Hilsberg gilt bei Leuten, die es nicht besser wissen (oder wissen wollen), als DDR-Experte und Bürgerrechtler.
Vermutlich, weil Hilsberg während seines pflichtgemäß geleisteten Ehrendienstes im Waffenrock der NVA und seines anschließenden Jobs in der Charité, dem DDR-Krankenhaus Nr. 1, täglich geknurrt hat: “Wäre ich doch ein Bürgerrechtler!”
Als die DDR im Koma lag, gründete er mit anderen Widerständlern die SDP der DDR — und verlor mit ihr die Wahl. Das schmerzt bis heute, denn 19 Jahre später sitzt der politische Gegner schon wieder an den Fleischtöpfen, statt im Steinbruch zu schindern:
SPON:
“19 Jahre nach dem Fall der Mauer wählen immer mehr Menschen die Linke, die letztlich zum Teil aus der SED hervorgegangen ist. Schmerzt Sie das?”Hilsberg:
“Da dreht sich mir der Magen um. Zwei Drittel der Linken-Mitglieder waren früher in der SED. Ich kann dieser Partei das Unrecht nicht verzeihen, das auf ihr Konto geht. Sie verklärt ihre Geschichte nach wie vor und weigert sich, diese aufzuarbeiten. Deshalb kann ich es nicht akzeptieren, wenn die Linke heute an der Macht beteiligt wird.”
Das wollten wir genau wissen. Wir riefen bei der Pressestelle der Partei Die Linke an und fragten, wieviel Mitglieder aus der SED übernommen wurden. Antwort: Man weiß es nicht. Darüber wird keine Statistik geführt.
Vielleicht kennt Widerständler Hilsberg geheime Namenslisten, auf denen er penibel nachgezählt hat. Im Moment behält er sein Insiderwissen, auf welchem Weg er die zwei Drittel recherchierte, für sich.
Und nun dreht sich Hilsberg auch noch der Magen um. Er ist wohl etwas empfindlich.
Das macht sich schlecht, denn jetzt wird Hilsbergs Magen wirklich beansprucht. Am 15. Dezember 2008 entschieden sich die Delegierten bei der Nominierung des Direktkandidaten der SPD für Südbrandenburg gegen “einen der kompetentesten SPD-Politiker Ostdeutschlands” (Markus Meckel über Parteifreund Hilsberg) und für den Bürgermeister von Großräschen, Thomas Zenker.
Damit endet Hilsbergs 19jährige Gemütlichkeit als Abgeordneter des Deutschen Bundestags. Er muß sich nach der Wahl einen Job suchen. Einen richtigen, keinen Parteijob.
Und das mit diesem Magen.

Hilsberg ist Mitglied im Vorstand des Fördervereins
des Hubertus-Knabe-Museums Berlin-Hohenschönhausen.
Wenn er Knabe noch mehr schmeichelt, könnte für ihn
ein 1-Euro-Job als Kartenabreißer abfallen. Denn die
verschärften Zumutbarkeitsregeln für Arbeitslose sind
Hilsberg bekannt. Er hat ihnen im Bundestag zugestimmt.
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