Dieter Hildebrandt über den Anschlag von Passau

Geschrieben von messitschbyburns am 18. Dezember 2008 | Neues aus der Anstalt/Kabarett, Wiefelspütz


Am 16. Dezember trug Dieter Hildebrandt in Neues aus der Anstalt eine fulminante Abrechnung mit den scheinheiligen Reaktionen deutscher Politiker auf den rechtsradikalen Angriff in Passau vor. Wir dokumentieren seinen grandiosen Auftritt als Mitschrift:

“Nach dem Studium der deutschen Presse heute vormittag hatte ich heute mittag die Vorstellung, was wohl Herbert Wehner zu dem erstaunlicherweise ganz neuen Problem des Rechtsradikalismus sagen würde. Sagen wir, gesagt haben könnte. Ich stelle es mir vor:

Meine Damen und Herren, meine Meinung zu dem Vorfall in Passau, wo ein mutiger Polizeipräsident von einem rechtsradikalen Einzelfall fast zu Tode gestochen worden wäre, läßt sich in wenigen Worten ausdrücken.

Wenn heute in den Gazetten zu lesen ist, daß sich der Rechtsradikalismus in Deutschland zu einer neuen Qualität entwickelt hätte, weil ein Polizeipräsident gestochen wurde, dann hat die Tatsache, daß jahrelang Menschen verschiedener Hautfarbe gejagt, geprügelt und zu Tode gebracht worden sind, vermutlich eine andere Qualität gehabt, eine geringere.

Und wenn dann, nach diesem Vorfall, die amtierende Bundeskanzlerin Merkel zutiefst bedauern läßt, daß Menschen jetzt schon Polizeipräsidenten stechen, und Herr Steinmeier das gar nicht mehr auf seine Reihe bringen kann, weil er ganz eigene Probleme hat, nämlich ins Stottern gerät, wenn der Name Kurnaz fällt, und wenn dann als Speerspitze der antifaschistischen SPD das Wiefel-Pütz auftritt, dessen Verdienste um die klare Linie der Partei in einer Tabakpfeife bequem zu rauchen wären, und wenn der dann straffrei herumfaselt, er könne keine Verbindung von diesem Mordversuch in Passau zu einem Verbot der NDP und der DVU und der anderen Nazis erkennen, und ich immer noch nicht begreifen kann, warum man Menschen mit der Zustimmung von törichten Verwaltungsrichtern auf den Straßen in Deutschland herumlaufen läßt, Menschen, die öffentlich mitteilen, daß sie unsere Verfassung abschaffen wollen und behauptet wird, man könne dieses Gesindel nicht verbieten, weil das die Verfassung nicht zuläßt, dann weiß ich nicht, wo ich mir da hinfassen soll. Der Kopf ist mir zu schade dafür.

Ich danke Ihnen.”

dieter_hildebrandt_s.jpg

Dieter Hildebrandt in “Neues aus der Anstalt”.
Die komplette Sendung (Folge 20) ist auf
der Website des ZDF abrufbar.

9 Kommentare ↓

#1 Stefan am 18.12.08 um 13:24

Wundervoll! Auch wenn ich mich danach erstmal über Wehner schlau machen mußte, der vor meiner Geburt aktiv war ;) . Aber der Auftritt von Hildebrandt - ganz stark!

#2 messitschbyburns am 19.12.08 um 01:00

Ja, Hildebrandt hat radikal Klartext gesprochen. Mal sehen, wie lange er noch in die Anstalt eingeladen werden darf.

Erstaunlich, daß auch Georg Schramm noch auftreten darf. Sein wohlwollender Kommentar zum brennenden Athener Weihnachtsbaum dürfte im ZDF Nervenflattern verursacht haben.

#3 Roger Beathacker am 23.12.08 um 20:49

Mich erstaunt, dass es diese Sendung ueberhaupt gibt - und dann auch noch ausgerechnet im Zweiten.

Haette man mir das vor ein paar Jahren erzaehlen wollen - “Unmoeglich!” waere meine Antwort gewesen.

#4 NachDenkSeiten - Die kritische Website » Hinweise des Tages am 02.01.09 um 09:46

[…] Dieter Hildebrandt über den Anschlag von Passau Wenn heute in den Gazetten zu lesen ist, dass sich der Rechtsradikalismus in Deutschland zu einer neuen Qualität entwickelt hätte, weil ein Polizeipräsident gestochen wurde, dann hat die Tatsache, dass jahrelang Menschen verschiedener Hautfarbe gejagt, geprügelt und zu Tode gebracht worden sind, vermutlich eine andere Qualität gehabt, eine geringere. Quelle: Blog Messitsch by Burns […]

#5 Georg am 02.01.09 um 12:23

Mich erstaunt das auch, aber die Quote ist für die Zeit ziemlich gut. Das nährt Hoffnung in doppelter Hinsicht…

#6 Alfred Steinsdörfer am 02.01.09 um 13:16

Am schönsten ist, dass Hildebrandt immer wieder in der Anstalt auftaucht und nicht im ausgelutschten, heruntergewirtschafteten Scheibenwischer.

#7 H. Friedland am 02.01.09 um 22:28

Danke Dieter Hildebrandt!
Ich hoffe nur, diesen Beitrag haben all jene Heuchler gesehen, die bei solchen Gelegenheiten von Zivilcourage faseln, aber sich selbst nicht ohne Personenschutz aufs Klo trauen.

#8 Werner am 04.01.09 um 12:45

Hildebrandt beschreibt nichts anderes als die Wiederkehr “Weimarer Verhältnisse”. Die NPD kann nicht verboten werden, weil die konservativen, rechten Kreise unserer “Polit-Eliten” - und dazu gehört seit längerem mehrheitlich die von CDU/CSU ununterscheidbare SPD - dies nicht wollen. Sie brauchen die Rechten nämlich noch - gegen LINKS. Die braunen Marschierer - hierzulande eh’ schon langjährig von BND- und Vfs -V-Männern durchsetzt - lassen sich nämlich hervorragend als prügelnde “Ordnungskräfte” in das System integrieren, wie bereits jüngst in Griechenland. Und sie lassen sich zu diesem Zweck sogar (mehr oder weniger heimlich) bewaffnen - wie weiland zu Weimar.

#9 andreas am 15.02.09 um 22:28

Eigentlich habe ich Hildebrandt klüger in Erinnerung - es gäbe ja genug anderes wenn er sich an Rechts , der CSU oder SPD abreagieren will als gerade der Fall Mannichl, der immer mysteriöser erscheint.
Nicht das es ja immer noch wirklich ein Anschlag von Rechts gewesen sein könnte, aber können die Medien, und auch die ach wie schlauen Herrn “Aus der Anstalt” nicht die Klappe halten bis es bewiesen ist?
Fakt ist das es jetzt viele Widersprüche gibt, die “Zeugen” auf deren Aussage seinerzeit diverse Verdächtige der Rechten Szene verhaftet wurden , von der Soko als Unhaltbar gelten etc.
Mir erscheinen da Parallelen zu dem Mädel das sich selbst Hakenkreuze in die Haut geritzt hatte um sich wichtig zu machen - ach wie groß war auch da das Geschrei, und wenn die “Ente” entlarvt ist , machen sich die marktschreierischen Medien und Komiker still und leise aus den Staub - und was das schlimmste ist : die Rechten erhalten so noch Munition…
Gibt es keine bewiesenen Übergriffe von Rechts , das man vor einer heissen Spur den Fall Mannichl ausschlachten muss?

Wenn ich dann noch sehe wie hier in Berlin die extreme Linke Autos in Serie anzündet , die Scheiben meiner Sparkasse (als Ausbund des Kapitalismus ;-) ) einwirft und letztens sogar Brandsätze gegen ein Wohnhaus schleudert, nur weil dort Menschen des Mittelstand samt ihren Kindern wohnen - dann kann man wirklich langsam von Weimarer Verhältnissen reden!
Das Problem ist ja nicht der prügelnde Mob von Rechts/links , das Problem ist das der Bürger von den derzeitigen Parteien zurückgelassen wird, das so irgendwelche Demagogen - egal welcher Richtung - wieder Erfolg haben könnten.

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