Burning Witch: Crippled Lucifer

Geschrieben von messitschbyburns am 23. Dezember 2008 | Hörsturz


Burning Witch
“Crippled Lucifer”
(p) 2008, Southern Lord Recordings (Do-CD, Remaster)

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Damen und Herren, liebe Kinder. Wir möchten Sie warnen.

Spielen Sie Crippled Lucifer morgens, mittags, abends und vor allem nachts, wenn Sie mit Ihrer Katze auf der Schulter über einen flammenden Drudenfuß springen. Aber spielen sie diese CDs um Satans Willen nicht unter dem Weihnachtsbaum.

Er fängt sofort an zu brennen.

Legen Sie Crippled Lucifer in sicherer Entfernung zur geschmückten Nordmanntanne in den Player und drehen Sie den Lautstärkeregler bis zum Anschlag. Ignorieren Sie die verzweifelten Schreie Ihrer Nachbarn und das Klopfen und Rufen der Polizei an Ihrer Tür.

Genießen Sie den Wohlklang höchsfrequenter Rückkopplungen, tiefstmöglicher Bässe und barbarisch krächzender Vokalismen. Denn Crippled Lucifer ist ein Dokument zeitgenössischer Populärmusik.

Die Geschichte von Burning Witch ist kurz, aber eindrucksvoll.

1995 löste sich Thorr’s Hammer auf, die bis heute bei Freunden guter Musik höchst verehrte Band von Greg Anderson, Stephen O’Malley und der bezaubernden, damals 17jährigen Runhild Gammelsæter, deren Stimme tiefer und furchteinflößender klang als das blutrünstige Geschrei einer Horde stinkender Orks.

Ein Jahr später gründeten Greg Anderson (guit), Stephen O’Malley (guit) und Jamie Sykes (dr) Burning Witch. Sie holten G. Stuart Dahlquist (b) und das unzähmbare Tier Edgy 59 (voc) an Bord. Doch bevor es richtig losging, verschwand Greg Anderson zu seiner neuen Band Goatsnake.

Zu viert nahmen Burning Witch mit Soundmaster Steve Albini die EP Towers … auf, die aber nie regulär veröffentlicht wurde (von einer 1998er Mini-Auflage abgesehen). Anschließend empfahl sich auch Jamie Sykes; er wurde durch B.R.A.D. ersetzt.

1997 produzierten sie die EP Rift.Canyon.Dreams, die als 12″-EP erschien. 1998 wurde die Band beerdigt.

In diesen drei Jahren legten Burning Witch die Grundlagen für Bands, die bis heute zum Feinsten gehören, was eines Musikfreundes Ohr zu streicheln vermag.

Dahlquist und B.R.A.D. wechselten zur sehr außergewöhnlichen, sehr speziellen Doomband Asva.

Greg Anderson und Stephen O’Malley fanden nach Burning Witch wieder zusammen. Sie verkrochen sich in verschattete Mönchskutten und sprengten die tiefstfrequente Soundkathedrale Sunn O))) aus nachtschwarzem Gestein. Sunn O))) wurden schlagartig zum Maßstab für alle Musiker, die glauben, sich im langsamsten und schwärzesten Doom bewegen zu wollen.

Manche haben es versucht, aber niemand kam auch nur in die Nähe der Doppelkönige von Sunn O))). Sie thronen unerreichbar auf dem Gipfel, umhüllt von summenden und brummenden Nebelbänken aus dicht gewirkten Bass-Schleiern, die jeden Herzschrittmacher in Millionen winzige Splitter zerfasern.

Doch vor allem wird der Plattenkäufer in der Musik von Burning Witch eine Band erkennen, die ihn entzückt und erfreut: Khanate. Die wurden zwar erst 2001 von Stephen O’Malley gegründet (und 2006 aufgelöst), aber mit Burning Witch unüberhörbar vorbereit.

Wie Khanate ist Burning Witch ein Konzentrat extremer Attribute: extrem zäh, extrem schwer, extrem schmerzhaft. Allerdings noch nicht in aufgelösten Strukturen, sondern als identifizierbare Songs zwischen sieben und 15 Minuten. Wobei das Wort Song nicht mißverstanden werden soll:

Minimalistisch reduzierte, finster grollende Riffs; über Sekunden gehaltene, lärmende, pfeifende Feedbacks, ein zwischen Schreien, Kreischen, Grunzen und Klagen pendelnder Gesang; ein drohendes, teilweise rocklastiges Schlagzeug und natürlich der körperlich spürbare Bass.

Crippled Lucifer ist ein aufwühlendes, elektrifizierendes Gewölk aus Black Metal und Doom, atmosphärisch aufgeladen und bitterböse, mit leichter Hinwendung zum späteren Ambient-Drone-Gewitter von Khanate. Man schwankt zwischen Herzrasen und Todesstarre.

Man fühlt sich einfach wohl.

CD 1 enthält die komplette EP Towers …, CD 2 die ebenfalls komplette EP Rift.Canyon.Dreams. Dazu gibt es zwei Bonus-Tracks: Auf CD 1 The Bleeder von der ausverkauften Split-CD mit Goatsnake, auf CD 2 Rift Canyon Dreams vom Split mit Asva; ebenfalls ausverkauft. Alle Songs wurden exzellent remastert.

Wie fast immer bei Southern Lord, ist die Covergestaltung fabelhaft, das Booklet purer Kunstgenuß und der klappbare Pappschuber zu schade für ordinäre Fingerabdrücke und häßliche Gebrauchsspuren.

Man sollte beide CDs für den täglichen Gebrauch brennen und das Original in einer luftdichten Plastikhülle verpacken. Zum allmählichen Verschleißen sind sie viel zu schön.

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Greg Anderson und Stephen O’Malley
im Bühnenoutfit von Sunn O)))

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