Haben Sie den Weihnachtsmarkt gut überstanden? Konnten Sie den Nebbich am Schlüpferbunker Alexa meiden? Sie Glückliche. Wir nicht.
Treten Sie ein, der Rondo dampft schon, und es gibt echten Stollen, eingeflogen aus der Stollenresidenz albertinischer Linie. Denn heute wollen wir besonders heiter und optimistisch sein, dem Christkind zuliebe.
Ist Ihnen der Name Edathy geläufig? Vorsicht, Madame, nicht verschlucken! Hier, nehmen Sie die Serviette. Wenn wir die Kaffeeflecken auf dem Tischtuch richtig deuten, kennen Sie das Bürschel.
Wir haben die fatale Wirkung seines Namens geahnt und deshalb vermieden, den anderen Bösbold zu nennen. Sie wissen schon. Den, dessen Name mit W beginnt, W wie Wicht, und der sich auf Mütz und Pfütz reimt. Und auf unnütz. Das gäbe Lachkrämpfe, bis der Arzt kommt.
Geht’s wieder?
Genosse Edathy — nehmen Sie ruhig die Tasse in beide Hände, dann lacht sich’s leichter, ohne Kaffee zu verschütten –, Genosse Edathy also ist Mitglied des ZK der SPD im deutschen Bundestag, Mitglied der SPD-Kreisleitung Nienburg-Schaumburg und Mitglied des parlamentarischen Beirates des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge. Außerdem ist er Großer Vorsitzender des Innenausschusses des Deutschen Bundestages.
Wie jeder deutsche Politiker, ist Multiboy Edathy seit dem 15. Dezember empört, entsetzt und auch erschüttert. Sie wissen schon, Madame: Passau. Das kam so plötzlich.
Und dann auch noch in Passau, wo man gar nicht mehr wußte, wie das Wort N-a-z-i buchstabiert wird. Wo man ab 2004 die böse Nibelungenhalle schreddern ließ. Aus den Augen, aus dem Sinn. Das mit dem Sinn hat aber nicht geklappt, vermutlich.
Genosse Eee … jetzt müssen wir selber lachen, Madame; das ist aber auch ein komischer Vogel, dieser Edathy … Genosse Edathy bündelte seine spontane Empörung und machte sie produktiv. Er dachte nach. Was kann man gegen Nazis tun?
NPD-Verbot? Da schimpft der Schäuble. Der beschwert sich wieder bei Frau Merkel, die ruft den Struck an, und der Struck macht Edathy zur Sau, von wegen Koalitionsklima und so.
Was kann man also tun? Unsinn reden! Sie meinen, das macht der Edathy sowieso? Stimmt. Aber damit kommt er nicht immer in die Zeitung. Nur, wenn Edathys Unsinn größer ist als der seiner Kollegen.
Schmeckt der Stollen? Wußten Sie, daß es Leute gibt, die zu dieser Köstlichkeit “die Stolle” sagen? Furchtbar, nicht wahr? Man sollte ihnen die Rosinen entziehen. Und die Mandeln und das Zitronat. Die Butter auch. Sollen sie Rindertalk mit Hefe essen.
Wo waren wir … ach ja, Genosse Edathy. Der dachte sich: Nazis verbieten will Schäuble nicht, aber Nazis einsperren, das wäre prima. Dann trübte sich seine Stimmung. Ihm fiel ein, daß selbst ein Nazi irgend etwas verbrochen haben muß, bevor er zur Haftstrafe verurteilt werden kann.
Verdammt, grübelte Genosse Edathy. Verdammt …
Lassen wir ihn ein wenig grübeln, Madame, und genießen unser Tässchen Rondo. Wußten Sie, daß es Menschen gibt, die den schmackhaften Stollen in ihren Kaffee tunken? Schrecklich, nicht wahr? Das ist, als würde man eine Wurst aus dem Darm zuzeln. Unkultiviert wäre das, wie bei Waldbewohnern, die Kauderwelsch reden.
Genosse Edathy grübelt immer noch. Oh, jetzt wacht er auf. Hören wir, was ihm durchs Hirn fuhr:
“Bei Körperverletzungen mit rechtsextremer Motivation darf es grundsätzlich keine Bewährungsstrafen mehr geben. Die Täter gehören sofort hinter Gitter, weil ihre Beweggründe besonders verwerflich sind.”
Das ist interessant. Der Große Vorsitzende des Innenausschusses des Deutschen Bundestages liebäugelt mit der Abschaffung der Rechtsweggarantie und der gleichen staatsbürgerlichen Rechte und Pflichten für alle Deutschen.
Denn, Madame, auch wenn es Ihnen und uns wehtut: Vor Gericht sind alle gleich, der Nazi und der Taschendieb und selbst der Dr. Schäuble. Zumindest in der Theorie, und die soll unsere Richtschnur sein.
Das steht sogar im Grundgesetz, Artikel 3:
“Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden.”
Auch, wenn Genosse Edathy den gegenteiligen Eindruck erweckt: Der Passus ” … oder politischen Anschauungen” bedeutet nicht, daß Kahlschädel in hirnbefreiten Zonen Dönerbuden anzünden, andere Menschen verprügeln oder den Holocaust leugnen dürfen, wie ihnen beliebt. Um Brandstiftung, Körperverletzung und braune Propaganda zu ahnden, gibt es Gesetze.
Artikel 19 garantiert die Gleichheit aller vorm Gesetz und den Rechtsweg für jedermann :
(1) “Soweit nach diesem Grundgesetz ein Grundrecht durch Gesetz oder auf Grund eines Gesetzes eingeschränkt werden kann, muß das Gesetz allgemein und nicht nur für den Einzelfall gelten. Außerdem muß das Gesetz das Grundrecht unter Angabe des Artikels nennen.”
(4) “Wird jemand durch die öffentliche Gewalt in seinen Rechten verletzt, so steht ihm der Rechtsweg offen. Soweit eine andere Zuständigkeit nicht begründet ist, ist der ordentliche Rechtsweg gegeben.”
Genosse Edathy müßte entweder das Grundgesetz ändern oder ein Gesetz formulieren, in dem haarklein begründet wird, warum rechtsextreme Körperverletzer prinzipiell in den Knast fahren, rotzbesoffene Todesfahrer aber nicht. Er müßte es haarklein begründen, weil sonst das Bundesverfassungsgericht nach einer Prüfung des Gesetzes zur Ansicht gelangen könnte, Edathy mache den Schäuble.
Genosse Edathy ändert aber kein Grundgesetz, und er formuliert keine Gesetzestexte. Beides ist Unsinn, das eine wie das andere. Der schöne Plan ist ausgeträumt.
Verdammt, grübelte Genosse Edathy. Verdammt …
Sein Kopf sinkt auf die Brust. Das macht er immer, wenn er ratlos ist. Also ziemlich oft.
Tupfen Sie auch so gern die Krümel des Stollens mit den Fingerspitzen auf? Man genießt dann jedes Bröckchen doppelt. Mehr Sahne in den Kaffee?
Hoppla, das Kinn hebt sich! Schnell noch einen Schluck Kaffee, jetzt scheint es spannend zu werden:
“Ein NPD-Verbot sei absolut notwendig, weil es den Aktionsradius der rechten Szene auf Jahre hinaus erheblich einschränken würde.”
Also doch? Gegen den Willen von Schäuble? Da muß die Verzweiflung aber riesengroß sein. Denn Genosse Edathy weiß natürlich, warum die NPD vor fünf Jahren nicht verboten werden konnte.
Am 18. März 2003 wurde das NPD-Verbotsverfahren vom Bundesverfassungsgericht eingestellt, weil sich Genosse Schily weigerte, seine V-Leute vor Beginn der Verhandlung aus den Führungszirkeln der NDP abzuziehen und dem Gericht zu offenbaren, ob die NPD durch V-Leute gesteuert wurde — ob die NPD also unter Schilys Obhut und Fürsorge gedieh.
Können Sie sich erinnern, daß Genosse Edathy mit lauter Stimme gegen den Starrsinn seines Genossen Schily intervenierte, um das Verbotsverfahren doch noch erfolgreich zu beenden? Wir auch nicht.
Aber sehen Sie seinen energischen Blick? Genosse Edathy hat noch einen Pfeil im Köcher!
“Gefordert ist nach Ansicht Edathys aber auch ‘eine bessere Jugendarbeit vor Ort, um den Zulauf zur rechten Szene zu stoppen’. Vielerorts seien die Strukturen auch in Westdeutschland mangelhaft, weil es an Geld und Personal fehle.”
Sehr gut! Obwohl — wie war das mit Exit?
Anfang Dezember stellte das Bundesministerium für Arbeit und Soziales die finanzielle Förderung der Aussteigerinitiative “Exit” ein. “Exit” betreute in den vergangenen acht Jahren ca. 300 Menschen, die die rechtsextreme Szene verlassen wollten.
Der Minister Arbeit und Soziales, Olaf Scholz, ist Mitglied des Politbüros des ZK der SPD, also eine Nummer größer als Genosse Edathy. Haben Sie jemals gehört, daß Genosse Edathy gegen die finanzielle Austrockung von “Exit” durch seinen Genossen Scholz protestierte? Wir auch nicht.
Sie hatten Recht, Madame. Unsinn redet Edathy sowieso. Und der Kaffee ist auch alle.
Kommen Sie, wir begleiten Sie zur Tür. Grüßen Sie Ihre Familie, hören Sie besinnliche Musik und feiern Sie ein Frohes Fest.
Und schicken Sie Genossen Edathy bitte eine aufmunternde Weihnachtskarte. Die Selbstmordrate ist hoch genug, da muß er nicht sein Schärflein beitragen.
Wir wollen auch 2009 über Genossen Edathy lachen.

Der Multiboy ist zweistufig einstellbar:
Stufe 1: Entsetzt
Stufe 2: Erschüttert
Stufe 0 (Empört) ist der Normalzustand.
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