Ihr möchtet ein Märchenpalais verkaufen. Wir haben es mit eigenen Augen gelesen, sonst würden wir es nicht glauben:

Nicht, daß wir euch und euren Kunden das Märchenpalais neiden würden, Gott bewahre. Jeder, wie er mag — der eine zur Miete, der andere im Palais. Wenn gewünscht, dann auch im räudigen Teil der Greifswalder Straße, wo sich Knaack und Friedhof treffen.
Treten wir einen Schritt zurück und schauen uns das Märchenpalais genauer an:

Tatsächlich. Das Palais ist phantasievoll und märchenhaft gestaltet. Die üppig wuchernde Dschungelpflanze korrespondiert malerisch mit dem salpeterähnlich blühenden Putz.
Treten wir noch weiter zurück:

Parkplätze direkt vor der Haustür. Das bringt 50 Euro extra. Doch was für ein Gitter deutet sich im Vordergrund an?

Schau her: Es grenzt einen üppigen Grünbereich vom Straßenzug ab. Der Wohneigentümer blickt vom Fenster auf einen Gürtel des Central Parks von Berlin, direkt zwischen den Gleisen der Straßenbahnlinie 4 gelegen. Und das Nachbarhaus wurde auch in die liebevolle Fassadenmalerei einbezogen. Macht noch mal 50 Euro Aufschlag.
Ob sich das Palais in seine Umgebung einfügt?

Ein architektonischer Traum, pure Harmonie. Vor dem Traumhaus steht eine Laterne. Dort kann sich der Doorman unterstellen, wenn er nachts den Schlaf der Wohnungseigentümer bewacht. Dafür 100 Euro extra. Besser 150.
Wie sieht wohl der Eingang aus?

Die Mieter hinterlassen am Tor Mitteilungen für Freunde und Verwandte. Ein schönes, persönliches Miteinander in Zeiten anonymer SMS und Mail. Für diesen soziokulturellen Service zahlt der Wohnungseigentümer gern ein kleines Handgeld, bar und ohne Quittung.

Auch innen wurde das Tor verschönert. Mit starkem roten Strich schrieb jemand ein dickes E. Doch müßte es nicht ein dickes B sein? Gedankennotiz: SOCOP Projektmanagement GmbH fragen.
Lassen wir zum Schluß den Blick über die Fassade schweifen:

Ein toller Service für die Mieter unterm Dach. Bei ihnen kommt das Wasser wirklich aus der Wand. Das spart Gebühren!
Tatsächlich, das ist ein Palais wie aus dem Märchen. Doch aus welchem? Der Froschkönig, den ihr auf dem Banner zitiert, ist zu riskant. Der wurde an die Wand geklatscht. Bei euren Wänden wären wir mit Froschwürfen vorsichtig. Es könnte ein kalter Abriß daraus werden.
Wie wäre es mit: Von einem, der auszog das Fürchten zu lernen?
Nichts zu danken, wir helfen gern
Messitsch by Burns
Fotos (c) by Ch. Brinkmann
2 Kommentare ↓
Bevor man sich und andere mit seinem Unwissen belastet sollte man vorher genauer lesen, nachdenken und eventuell recherchieren.
Es steht nicht ohne Grund ein Bauträger auf dem Plakat.
Wer sagt Ihnen denn das das Wohnhaus,so wie es ist, an die Kundschaft übergeben wird?
In wie weit haben Sie sich denn erkundigt in welchen Umfang das Haus vor dem Verkauf saniert wird?
Wie verblüfft würden sie denn sein,wenn an dieser Stelle nach gewisser Bauzeit wirklich etwas entsteht, was einem Märchenpalais ähnelt (von der Ihrer Meinung misslichen Lage mal abgesehen)?
Sie sollten Ihren Beitrag nochmal überdenken, denn das was Sie hier zur Schau stellen ist erbärmliche Komik.
mfg
ein Außenstehender
Guten Tag Außenstehender,
wir würden Ihnen gern wünsche, daß aus der schwammverseuchten Abrißbude ein Traumhaus entstehen möge, mit dem üblichen Nepp, auf den die Neuberliner hereinfallen: Marmorbad (mit Marmorimitat), Laminat (Parkett kostet Geld), Gästeklo (weil man täglich Gäste empfängt) und die beliebte amerikanische Küche (spart Wände zwischen Küche und Wohnbereich).
Aber Sie müssen auf unseren Zuspruch verzichten. Versänke diese zugepißte Rattenbude in einem Erdloch, wäre Prenzlauer Berg enorm geholfen. Denn die großmäulig plakatierte Luxussanierung heißt nichts anderes als: Eingeborene zur Deportation nach Marzahn. Wenn Sie Unterstützung für die Gentrifizierung Prenzlauer Bergs suchen, dann kontaktieren Sie den Wirtschaftssenator und dessen Kollegin aus dem Ressort Stadtentwicklung. Bei uns sind Sie an der falschen Adresse.
Ansonsten sind wir uns sicher einig, daß die Spekulation mit Wohnraum gegen das universelle Menschenrecht auf Wohnen verstößt und sich Immobilienhändler eines Tages vor einem UN-Tribunal zu verantworten haben. Sollte zu diesem Zweck die Todesstrafe wieder eingeführt werden, wäre uns das nur ein Achselzucken wert.
Mein Kommentar: