Mourning Beloveth: A Disease For The Ages

Geschrieben von messitschbyburns am 23. Dezember 2008 | Hörsturz


Mourning Beloveth
“A Disease For The Ages”
(p) 2008, Grau

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Keine Hoffnung, nirgends. Der Soundtrack zum irischen Staatsbankrott.

Die Iren Mourning Beloveth gehören zur Weltklasse der Sparte Traditional Doom, Abteilung Weltschmerz, Unterabteilung Friedhof. Schon die fünf Songtitel ihrer CD klingen mehr nach Schimmel, Tod und feuchter Erde als nach Lebkuchen und Zuckerwatte: The Sickness, Trace Decay, Primeval Rush, The Burning Man, Poison Beyond All.

Tatsächlich besingen Mourning Beloveth auf A Disease For The Ages die Tragödie des Werdens und Vergehens: Das Menschlein wird als optimistischer Wonneproppen geboren und fährt als gewindelter Alzheimerpatient in die Grube. Da kann man nur zur Gitarre greifen und Doom spielen.

Mourning Beloveth veröffentlichten in den 17 Jahren ihrer Existenz erst vier CDs: Dust (2000), The Sullen Sulcus (2002), A Murderous Circus (2005) und A Disease For The Ages. Sehr bedächtig entwickelten sie einen Sound, der sie von anderen Bands ihres Genres unterscheidet.

Auch von den beiden, die gern als Beispiele für die Musik von Mourning Beloveth genannt werden: My Dying Bride und Anathema.

Sie können uns glauben, liebe Leser, daß Mourning Beloveth nicht viel mehr mit My Dying Bride und Anathema verbindet als die Tatsache, daß alle drei durch die sonnenferne Galaxie des Doom kreisen.

Mourning Beloveth sind voller Kraft und Wut; muskulöse Berserker mit zerstörerischen Riffs und mörderisch gebrülltem Gesang. My Dying Bride und Anathema trocknen sich die Tränen der Schwermut. Gegenseitig.

Die Musik von Mourning Beloveth ist hart und rauh. Die Gitarristen Brian Delaney und Frank Brennan schlagen sofort zu, im ersten Song und ohne Ansage. Kein sanftes Intro, kein Meeresrauschen und Donnergrollen, sondern zwei sich doppelnde Gitarren. Nach 35 Sekunden brüllt zum ersten Mal Darren Moore. Der Tag wird gut.

Ähnlich überfallartig begann auch A Murderous Circus. Wer die Toleranz seiner Verwandschaft testen will, lege eine der beiden CDs ein und warte die ersten 60 Sekunden ab. Wird der Stecker nicht gezogen, ist der Test bestanden.

Die Gitarren von Mourning Beloveth sind kompromisslos — und gleichzeitig elegisch. Delaney und Brennan spielen sehr lange, sehr getragene Melodiebögen, die aber nicht ins Jämmerliche driften. Im Zweifel siegt immer das Böse, nicht das Schnuffeltuch.

Noch markanter ist der Gesang. Darren Moore, der Growler, teilt sich die Parts mit Frank Brennan und dessen glockenheller Stimme.

Glockenhell? Ja, glockenhell, aber nicht peinlich. Brennan ist weder Knödler noch Schluchzer. Seine Stimme ist im Vergleich zu A Murderous Circus seltener zu hören, aber die relativ sparsamen Einsätze fügen sich optimal ein. Man muß nicht unangenehm berührt das Zimmer verlassen, wenn Frank Brennan singt.

Auf den ersten Blick erscheint A Disease For The Ages als A Murderous Circus, Part II. Die Songs ähneln sich, die Riffs sind teilweise identisch (oder klingen verdammt gleich), und man fragt sich, ob hier eine geschickte Resteverwertung stattfand.

Aber — und das ist durchaus ernst gemeint — A Disease For The Ages muß man öfter hören. Die Unterschiede zum Vorgänger werden nicht beim ersten Durchlauf deutlich, doch sie sind vorhanden. Sofern man das bei Mourning Beloveth überhaupt sagen kann, war A Murderous Circus eine Spur humaner, menschlicher, vielleicht sogar optimistischer.

A Disease For The Ages ist nur noch schwarz. Wo auf A Murderous Circus ein kleines bleiches Blümelein gedieh, herrscht jetzt Eiseskälte. Die Sonne ist versunken. Das lolitahafte Covergirl des Vorgängers mußte toten Gestalten mit leeren Augen und grotesk verdrehten Gliedmaßen weichen. Die Booklet-Texte sollte man nicht lesen, wenn der Magen angeschlagen ist. Die Fotos sich spritzender Junkies dürften auch nicht jedermanns Geschmack sein.

Trotzdem empfehlen wir Mourning Beloveth uneingeschränkt, und zwar für jeden Freund guter Musik. Wer in seinem Leben noch nie Doom gehört hat, kann hier (oder mit A Murderous Circus) seine Leidenschaft für die Musik der Dunkelmänner entfachen, ohne sich zu überfordern. Wessen Herz aber für Doom schlägt, der hat die CD sowieso im Regal und hört sie unterm Weihnachtsbaum.

Sofern er Junggeselle ist.

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Mourning Beloveth (von links):
Darren Moore (voc), Brian Delaney (guit),
Frank Brennan (voc, guit), Adrian Butler (b),
Tim Johnson (dr). Adrian Butler wurde
2006 durch Brendan Roche ersetzt.

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