Nach reichlich gebratenem Fleisch und bekömmlichem Wein sind wir wieder zurück, um das Jahr der Jubiläen zu überstehen.
In der Weihnachtspause erlebten wir eine Premiere: Fünf Tage ohne Spam — obwohl der meiste Spam, der unser Blog flutet, aus unlesbaren chinesischen Schriftzeichen besteht, also nicht mit einem christlich-abendländischen Weihnachtsfrieden verbunden werden kann.
Das wäre unser erster Neujahrswunsch: Möge sich die spamfreie Zeit auf 365 Tage im Jahr ausdehnen.
Zwischen Frühstück und Gänsebraten erreichte uns die Mail einer Leserin, die uns darauf aufmerksam machte, daß der Berliner Verlag mitsamt der Berliner Zeitung und seinem Boulevard-Anhang verkauft werden soll. Der Verlag M. DuMont Schauberg mit der Frankfurter Rundschau scheint gut im Rennen zu liegen und will gerüchteweise beide Redaktionen unter FR-Chefredakteur Uwe Vorkötter konzentrieren, der bis 2006 Chefredakteur der Berliner Zeitung war. Die Frage, ob dann die BLZ von Frankfurt oder die FR von Berlin aus geleitet wird, ist noch sehr hypothetisch, könnte aber spannend werden.
2009 wird ein ganz besonderes Jahr: Ein Jubiläum jagt das andere. Man kommt aus dem Feiern und Gedenken kaum heraus, und zwischendurch bittet die Partei- und Staatsführung ihre Bürger mehrfach an die Wahlurne.
Es wurden geboren: Heinz Erhardt (20. Februar) und Bernhard Grzimek (24. April) vor 100 Jahren, Leo Trotzki (7. November) vor 130 Jahren, Sir Arthur Conan Doyle (22. Mai) vor 150 Jahren, Charles Darwin (12. Februar), Edgar Allan Poe (19. Januar) und Felix Mendelssohn Bartholdy (3. Februar) vor 200 Jahren, Friedrich Schiller (10. November) und Danton (26. Oktober) vor 250 Jahren, Johannes Calvin (12. Juli) vor 500 Jahren.
Es starben: Erich Honecker (29. Mai) vor 15 Jahren, Konrad Lorenz (27. Februar) vor 20 Jahren, Ernst Thälmann (18. August) vor 65 Jahren, Lenin (21. Januar) vor 85 Jahren, Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg (15. Januar) vor 90 Jahren, Alexander von Humboldt (6. Mai) vor 150 Jahren, Maximilien Robespierre (28. Juli) vor 215 Jahren und Georg Friedrich Händel (14. April) vor 250 Jahren.
Vor 114 Jahren starb außerdem der depressive Terrier Nipper, der unentwegt vor einem Grammophontrichter hockte, in diesem bedauernswerten Gemütszustand gemalt und von der Plattenfirma Gramophone Company mit den Worten “His Master’s Voice” vermarktet wurde:

Eigentlich hätte Nippers düstere Psyche für Gramophone ein Menetekel sein müssen: Das Label wurde später von der EMI geschluckt, die ihrerseits zwischen Pest und Cholera schwankt, seit sie Umsatzbringer wie Paul McCartney, Radiohead und die Rolling Stones verlor und von der marktradikalen Heuschrecke Terra Firma ausgeschlachtet wird.
Am 20. Juli 1969 betrat Neil Armstrong als erster Mensch den Mond. Oder den Boden eines Filmstudios in der Area 51; so genau weiß man es nicht. Wie auch immer: In diesem Jahr freuen wir uns über den 40. Jahrestag der bemannten Mondlandung.
Die Weimarer Nationalversammlung beschloß am 11. August vor 90 Jahren die Weimarer Reichsverfassung und erklärte (am 15. April) den 1. Mai zum einmaligen gesetzlichen Feiertag.
Nach dem Ende der Weimarer Republik begannen am 28. Juli vor 95 Jahren der Erste und am 01. September vor 70 Jahren der Zweite Weltkrieg.
Die DDR beginge am 7. Oktober ihren 60. Republikgeburtstag und der Palast der Republik am 23. April den 33. Jahrestag seiner Eröffnung. Beides kann nur noch virtuell gefeiert werden.
Die BRD feiert ihr 60jähriges Jubiläum mehrfach: Am 23. Mai die Staatsgründung mit der Verkündung des Grundgesetzes, am 7. September die Konstituierung des 1. Deutschen Bundestages und des Bundesrates, am 12. September die Wahl des ersten Bundespräsidenten und am 15. September die Wahl des ersten Bundeskanzlers.
Dr. Schäuble stößt am 3. Mai mit den Herren Wiefelspütz und Edathy auf das erfolgreiche 15jährige Ignorieren des Internationalen Tages der Pressefreiheit an.
Zwischendurch ist noch Platz für den 60. Jahrestag der Gründung der NATO (4. April), den 20. Jahrestag des Mauerfalls (9. Oktober) und den 600. Jahrestag der Gründung der Universität Leipzig (2. Dezember), der nach Heidelberg zweitältesten deutschen Universität.
Im September feiern wir 2000 Jahre Varusschlacht. Man weiß, daß die Schlacht stattfand, aber nicht, an welcher Stelle. Jede deutsche Gemeinde, in deren Acker eine römische Pfeilspitze steckte, darf sich berufen fühlen, einen Festumzug auszurichten.
Vor 2.335 Jahren starb das Streitroß Alexanders des Großen. Es hörte auf den klingenden Namen Bukephalos (Ochsenkopf), wurde 30 Jahre alt und ertrank im Fluß Hydaspes (Jhelam) während der Schlacht gegen den indischen König Poros.
Nach Bukephalos’ Tod gründete der betrübte Alexander auf dem Schlachtfeld die Stadt Alexandreia Bukephalos, das heutige Jhelam in der pakistanischen Provinz Punjab. Nordöstlich von Jhelam liegt die seit 62 Jahren blutig umkämpfte Provinz Kaschmir, und nordwestlich befindet sich der Hindukusch, an dem Ihre und unsere Freiheit verteidigt wird, mit diversen Kollateralschäden für die Zivilbevölkerung.
Sie sehen, liebe Leser: Die menschliche Intelligenz hat sich in 2.335 Jahren nur unwesentlich entwickelt.
Wir wünschen Ihnen ein frohes neues Jahr. Kommen Sie gesund durch die Krise.
4 Kommentare ↓
hehe, wäre ja cool mit der BLZ und der FR. hätten die auch eher haben können bzw. warum musste vorkötter erst weg? ;)
egal, die FR soll ja neuerdings nicht mehr so links sein, plant man zumindest beim verlachlachlach.
Es wird geflüstert, daß die FR eine Filiale der BLZ werden soll, falls es wirklich zum Kauf kommt. Mal sehen, ob das wirklich passiert.
Auf jeden Fall könnte die BLZ auf die guten Autoren zurückgreifen, die zur FR gegangen sind. Vorausgesetzt, die wandern nicht weiter, zur SZ oder FAZ :)
ganz ehrlich, ich stehe der sache mehr als aufgeschlossen gegenüber. mag die FR, ihr tabloid-format, den moderneren anspruch, die redakteure und autoren. ist im falle des endgültigen BLZ-todes mein top-ausweichkandidat, halt nur ohne berlin-teil.
Ich würde die FR auch bevorzugen. Mitte Januar soll eine Vorentscheidung fallen, ob FR oder WAZ-Gruppe oder ganz was anderes.
Montgomery hat sich jedenfalls restlos verspekuliert, und sein Renditeknecht Depenbrock ist blamiert bis auf die Knochen. Das neue Jahr beginnt gut.
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