Ende Mai schüttelt ihr eure Bärte in Deutschland. Wir wünschen euch eine gute Tour, bleiben aber doch zu Hause.
Zwar verlangt der Tickethändler in Berlin nur moderate 56,40 Euro für eine Karte, was ein Euro weniger ist als für euren Auftritt in der Arena Leipzig und sogar zehn Euro weniger als für den teuersten Platz in Schwäbisch Gmünd, aber 56,40 Euro für ZZ Top sind mindestens 40 Euro zu viel.
Denn ihr seid dafür bekannt, exakt eine Stunde und zehn Minuten zu spielen. An guten Tagen eine Stunde und zwanzig Minuten, aber gute Tage gibt’s bei euch selten. Eher passiert es, daß ihr nach der 60. Minute wortlos von der Bühne verschwindet. Zugaben kennt ihr nur aus dem Fernsehen, als komische Marotten anderer Bands.
Mal ehrlich: Würdet ihr für ein Konzert 56 Euro blechen, bei dem von vornherein klar wäre, daß ihr nach einer reichlichen Stunde wieder in der U-Bahn sitzt? Und bei dem ihr wüßtet, daß die gleiche Band für das gleiche Konzert mit der gleichen Spieldauer im Jahr 2003 nur 46 Euro haben wollte — und noch früher, im Jahr 1986, nur schlappe 40 DM, also 20,45 Euro?
Eure Ticketpreise sind allen Inflationsraten mehrere Schritte voraus. Aber was uns wirklich stutzig macht, ist die merkwürdige Nummer, die ihr im letzten Jahr abgezogen habt. Am 12. Juli 2008 konnte man euch im Potsdamer Lustgarten sehen, mit Thin Lizzy als Opener und den Killerpilzen als deutschem Zugeständnis.
Ihr wurdet als Höhepunkt eines Festivals der Potsdamer Stadtwerke angekündigt. Und jetzt kommt’s: Euer Auftritt war kostenlos. Also ohne Eintritt. Oder “free”, wie man bis heute in eurer offiziellen Tourliste lesen kann.
Warum soll man also 2009 56,40 Euro ausgeben, wenn ihr vielleicht im nächsten Jahr wieder umsonst und draußen spielt?
Wir hätten nämlich einen Vorschlag. In einem romantisch verschlafenen Ort in Brandenburg findet jedes Jahr ein kleines Straßenfest statt, auf der Kreuzung vor dem örtlichen Café, wo sich der Sandweg und die Asphaltstraße treffen. Ein Bratwurststand wird aufgebaut, der lokale Autohändler läßt probesitzen, die Kreissparkasse hängt ein Werbebanner auf, Bier gibt es reichlich und auch eine Modenschau für die reife Dame. Mit ein paar Stühlen würde man die Straße absperren, damit ihr eure Bühne aufbauen könnt. Wo sonst die Blaskapelle sitzt, ist für euch drei Männeken dicke Platz.
Wenn Autohändler und Kreissparkasse als lokale Sponsoren zusammenlegen, könnt ihr euch von der Gage eine echte Bratwurst kaufen und ein großes märkisches Bier. Außerdem gibt’s ein Foto mit dem Bürgermeister.
Ist das nicht ein hammergeiles Angebot?
Messitsch by Burns
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