Depenbrock, das Arbeitstier

Geschrieben von messitschbyburns am 07. Januar 2009 | Berliner Zeitung


Josef Depenbrock, der von Finanzinvestor David Montgomery eingesetzte Abwickler der Berliner Zeitung, muß immer wilder sparen, um Montgomerys tödlich angeschlagene Finanzgruppe Mecom mit Schecks aus Berlin zu stützen. Aus der abgewrackten Berliner Zeitung ist inzwischen nicht mehr viel zu pressen — aber aus der Netzeitung.

Die gehört zur BV Deutsche Zeitungsholding, unter deren Dach Montgomery das deutsche Sammelsurium seiner Mecom-Gruppe konzentriert: Hamburger Morgenpost, Berliner Zeitung, Berliner Kurier, Stadtmagazin tip, das Stadtportal berlinonline.de, die Internetpräsenz berlin.de und die Netzeitung.

Im Dezember 2008 kündigte Depenbrock an, vier der acht festen Redakteure der Netzeitung und alle 15 freien Mitarbeiter rauszuwerfen. Die ebenfalls unter enormen Sparzwängen ächzende Print-Redaktion der Berliner Zeitung müßte dann die Netzeitung mit Inhalt versorgen, quasi nebenbei.

Das läuft auf eine Zweitversion der Berliner Zeitung im Internet hinaus, neben der eigenen Onlineausgabe. Denn wer hofft, daß die auf ein Minimum geschrumpfte Rumpftruppe der Netzeitung und die jetzt schon überlastete Print-Redaktion genügend Zeit finden, um die Netzeitung sorgfältig und vor allem eigenständig zu betreuen — mit eigenem Profil und nicht als Resterampe der gedruckten Zeitung –, der sollte auch an Weihnachtsmann und Klapperstorch glauben.

Weil aber bei der Netzeitung immer noch was zu holen ist, wurde nun deren Geschäftsführer Robert Daubner auf den freien Arbeitsmarkt verabschiedet. Wieder ein Gehalt gespart; es geht voran.

Daubners Name ist im Impressum schon gelöscht. Dort thront jetzt Josef Depenbrock.

Der sammelt Funktionen wie früher Erich Honecker: Chefredakteur der Berliner Zeitung, Vorsitzender der Geschäftsführung der BV Deutsche Zeitungsholding, Herausgeber der Hamburger Morgenpost, Geschäftsführer der TIP Verlag GmbH & Co. KG und des Kreuzfahrtmagazins Azur.

Nun auch Geschäftsführer der Netzeitung.

Beim tip gibt’s übrigens noch einen Chefredakteur mit Anspruch auf Gehalt. Hallo, Herr Depenbrock!

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