Juli Zeh!

Geschrieben von messitschbyburns am 01. Februar 2009 | Immer wieder sonntags


Wie lebt sich’s als Psychowrack?

Nicht, daß es uns interessieren würde. Ihr arschbanales Schicksal als höhere Tochter eines Bonner Parlamentsdieners, als Fangirl der Balkanbombardierer Schröder und Fischer und neuerdings als Immigrantin nach Barnewitz in Brandenburg geht uns ganz hinten vorbei, wie schätzungsweise 82.127.000 Deutschen auch.

Man kennt Sie und Ihr gedrucktes Gedruckse. Sie torkeln schriftstellernd durch die Gegend, hoffend, eines Tages den Roman zu schreiben, der andere Rezensionen erntet als diese:

“Annähernd apokalyptische altkluge Angeberin und Schwallmadame”, “früh verspießerte Jungautorin”, “langweilige und unreflektierte Monologe”, “Hanni und Nanni auf der Porno-Penne”, “chronische Verwendung schiefer Metaphern”, “Schrottplatz der sprachlichen Überanstrengung”, “ungelenk bis peinlich”, “matte Pointen”, “krampfhaft selbstironisch”, “mühsam konstruiert”, “Altbacken”, “Ignorant”, “Metaphernergüsse”, “Klischeebausteine”.

Oder diese:

“Ihr Buch brauchen wir so dringend wie einen Knochen aus vertrocknetem Leder, pfeifende Gummibälle und dergleichen Utensilien, die ein Mensch nur käuflich erwirbt, um sie an jemanden zu verschenken, dem er nicht gar zuviel Geist unterstellt.”

Sehnen Sie sich nach der täglichen Tracht Prügel im Feuilleton? Sind Sie nicht nur intellektuell vollgebremst, sondern auch noch masochistisch?

Warum sonst veröffentlichten Sie am 29. Dezember 2008 einen Text in der Süddeutschen Zeitung, der in seiner rappeldummen Anmutung alles in den Schatten stellt, was Sie bisher an sinnentleerter Gedankenstrullerei auf das Papier umsonst gefällter Bäume drucken ließen?

Jemand wünschte, daß Sie für die SZ einen Tag lang das Fernsehprogramm testen. Holla! Welch grandiose Idee! Brandneu und unverbraucht!

Und jetzt kommt’s: Sie besitzen gar kein Fernsehgerät. Ho! Das wird witzig! Mit einem Leihgerät auf Kosten der Redaktion!

Der Monteur quält sich in ihr Krähwinkel. Er installiert, was zum Empfang nötig ist. Und wie geschieht Ihnen angesichts der Fernsehtechnik?

Sie erinnern sich des Fernsehregimes in Ihrem verspießerten Bonner Elternhaus, werden von tiefenpsychologischen Wellen durchbraust und erklären dem Leser, der das gar nicht wissen will, den Ursprung ihres Daseins als psychisch gestörte Dorfnärrin:

“Einmal am Tag wurde er für mich angeschaltet, wenn die Sendung mit der Maus lief. Eines Nachmittags schlich ich ins Wohnzimmer und drückte eigenmächtig den verbotenen Knopf. Auf dem Schirm explodierten Bilder aus einer grauenvollen Welt. Verstümmelte, menschen- und tierähnliche Wesen mit schrundiger Haut und spärlichen Haarfetzen auf den Köpfen umtanzten einander in konvulsivischen Zuckungen. Sie lachten dabei, die Gesichter zu furchterregenden Fratzen verzerrt. Meine Eltern fanden mich heulend unter dem Couchtisch.

Heute weiß ich, dass ich die Muppet Show gesehen hatte. Damals litt ich jahrelang unter Angstzuständen.”

Erkennen Sie den Zusammenhang zwischen “annähernd apokalyptischer altkluger Angeberin und Schwallmadame” und “jahrelangen Angstzuständen wegen einer Muppet Show”?

Vermutlich nicht. Aber für küchenpsychologischen Dummschwatz der ganz besonderen Art reicht es bei Ihnen allemal:

“Fernsehen ist kondensierter Weltschmerz. Ein permanentes, vergebliches Anschreien gegen die Leere unserer Existenz. Mich macht das depressiv. Ich erinnere mich, wie ich vor Jahren einmal stundenlang bei Nacht durch Warschau gerannt bin, nachdem ich im Hotel versehentlich eine Sendung mit Anke Engelke gesehen hatte.”

Nachdem Sie jahrelang unter Angstzuständen leiden mußten — wegen einer Muppet Show –, brachte Sie eine Show mit Anke Engelke über die Grenzen Ihres Verstandes. Der ist zwar nur handtellergroß, aber auch dieser Radius muß sich erst mit Wahnsinn füllen.

Hier ist das Resultat:

“Im überschaubaren und friedlichen Internet lese ich, dass Reich-Ranicki für Thomas Gottschalk bei Günter Jauch als Telefonjoker aufgetreten ist.”

Wo, bitte, gibt es ein überschaubares und friedliches Internet? In der Leere Ihrer Frisierkugel?

Wird man als Reisender am Ortseingang von Barnewitz mit Ihrem Großfoto gewarnt? Laufen vor Ihnen die Dorfkinder weg? Flüchten Hunde und Katzen, wenn Sie die Straße überqueren?

Und sind Sie Kundin von Roger Kusch? Ja?

Dann Gott befohlen
Messitsch by Burns

juli_zeh.jpg

Da hilft auch nichts von Ratiopharm.

Foto (c) by Hans Weingartz

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