Der Mut der Verzweiflung war sicher groß, aber für die angekündigte Trotzreaktion hat es nicht gereicht. Leipzig wird 2009 keine Spielemesse für die Präsentation klassischer PC- und Konsolenspiele veranstalten.
Offiziell heißt es, die GC sei für ein Jahr ausgesetzt. Die Aussetzung dürfte länger dauern.
Aber weil die Leipziger Messegesellschaft nicht blöde ist, wird sie vom 31. Juli bis 2. August eine Messe ausrichten, die sich auf Onlinespiele spezialisiert: Games Convention Online (GCO).
Das ist clever, denn es gibt nur noch zwei Spielemärkte, die wirklich wachsen: Online-, Browser- und Mobile-Games sowie Konsolenspiele. Leipzig hat sich für die Onlinegames entschieden und ist mit Südkorea, dem Mekka aller Onlinespieler, eine strategische Allianz eingegangen.
Außerdem bietet die GCO einen neuen Service. Während der Messe dürfen Onlinespiele kostenlos gestestet werden. Auch von zu Hause aus. Damit könnte die Messe ihr Besucherpotential schlagartig vervielfachen, denn für Onlinespieler ist es nicht wirklich wichtig, auf einen Monitor in Leipzig zu starren. Das können sie auch daheim, ganz entspannt. Auf diese Weise erhalten die Entwickler wertvolle Feedbacks, welche Spiele von der Zielgruppe wirklich angenommen werden.
Wieder mal ist Leipzig innovativ, und wieder mal macht die Messe Köln das einzige, wozu sie in der Lage ist: Klauen. Fast parallel zur Leipziger GCO-Ankündigung wird eine als Pressemitteilung verpackte Drohung verschickt: Köln integriert 2009 eine Onlinemesse.
Dafür gibt es zwar kein Konzept, aber eines dürfte sicher sein: Der Verband BIU, der die GC gekillt hat, wird Gameforge und Bigpoint, die absoluten Branchengrößen im Online-Markt, unter Druck setzen, um ihre Zusage für Leipzig zu canceln und nach Köln umzuziehen. Jeder noch so kleine Erfolg in Leipzig wäre für den BIU eine ungeheuere Blamage.
Vielleicht steigert sich die Blamage auch zur Lachnummer. Es gibt Gerüchte, daß in Zukunft weder Leipzig noch Köln, sondern London oder Paris die europäische Leitmesse für Computerspiele ausrichten sollen. In der großen weiten Welt registriert man nämlich mit Verwunderung das innerdeutsche Gezänk.
Der totale Verlust der Messe für Deutschland wäre dann der krönende Abschluß des Kölner Intrigantenstadels.
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