Die Leipziger Volkszeitung kann sich nach 18 Jahren aus den Tentakeln der Gosse befreien. Springer verkauft seine Beteiligung, die er 1991 vom Treuhand-Monstrum Breuel unter den bekannten Umständen günstig erwarb, an die Verlagsgruppe Madsack.
Endlich!
Die LVZ wurde schon 1894 gegründet, mehr als 50 Jahre vor gesichts- und traditionslosen, sich selbst aufpupsenden Nachkriegskrücken wie Berliner Zeitung und Tagesspiegel. Jetzt steht sie als eine der wichtigsten deutschen Tageszeitungen vor ihrer Wiedergeburt.
Die LVZ war die Stimme der linken Sozialdemokratie — in einer Zeit, als das Kürzel SPD noch nicht mit Abscheu und Ingrimm ausgespuckt werden mußte — und durfte sich von 1902 bis 1907 eines Chefredakteurs erfreuen, dessen Name bis heute für Glanz in den Augen jener sorgt, die ihn aussprechen: Franz Mehring.
Die einzig wahren Vertreter der Sozialdemokratie, die USPD, und deren große Denkerin Rosa Luxemburg bestimmten die Leitlinien der Redaktion bis 1922. Eine goldene Zeit.
Wer sich in den letzten Jahren über den redaktionellen und inhaltlichen Absturz der Berliner Zeitung gewundert hat, dem wird auch das Elend der LVZ nicht entgangen sein. Allerdings war die eitle Berliner Selbstbespiegelung eine klitzekleine Luxussorge gegen das Drama von Leipzig.
Springer deformierte die ehrwürdige LVZ bis zur Unkenntlichkeit und zwang sie zur Prostitution als Boulevard-Bastard der übelsten Art. Bunte Bilder, wenig Text, und dieser möglichst flach. Die Belohnung war ein steter Leserschwund, in seiner Dimension mit dem vollständigen Bedeutungsverlust der Berliner Zeitung vergleichbar.
Jeder neue Besitzer ist deshalb besser als Springer, diese schwefelstinkende Heimat von Sudel, Dreck und Lüge. Feiern wir die Verlagsgruppe Madsack. Es kann nur besser werden.
Keine Kommentare ↓
Es gibt noch keine Kommentare. Sie können das ändern. Schreiben Sie einen Kommentar in das Formular.
Mein Kommentar: