Unsere Heldin Lengsfeld

Geschrieben von messitschbyburns am 02. März 2009 | Lengsfeld, Unsere Besten


Noch mehr Zuwachs für unsere kleine Liste des revolutionären Personals der 1989er Zeit- und Weltgeschichte. Diesmal besonders spektakulär, weil die Revolutionärin in Abwesenheit revolutionierte.

Das magische Medium heißt Vera Lengsfeld, studierte marxistisch-leninistische Philosophie an der Humboldt-Universität zu Berlin und liebedienerte sich nacheinander durch SED, Grüne und CDU.

Die NPD fiel aus, weil dort keine Karriere zu ergattern wäre; deshalb beließ es Frau Lengsfeld 2003 mit einer flammenden Verteidigung des antisemitisch verbrannten Martin Hohmann in der Jungen Freiheit und engagierte sich 2006 in einem rassistisch determinierten Verein gegen eine Moschee in Berlin-Pankow — zielgleich mit der NPD und den Republikanern.

Viel früher, im Januar 1988, schwenkte sie ihr Fähnchen am Rand der jährlichen Liebknecht-Luxemburg-Demonstration, wurde verhaftet und vier Wochen später nach Großbritannien exportiert. Am 9. November 1989 reiste sie in die DDR zurück.

Sie werden einwenden, liebe Leser, daß Frau Lengsfeld recht wenig mit den Ereignissen des Jahres 1989 in der DDR am Hut haben kann, wenn sie bis zum Tag, an dem die Mauer geöffnet wurde, weit weg bei Fish & Chips den lieben Gott einen guten Mann sein ließ.

Das sehen Sie so, und wir ebenfalls. Frau Lengsfeld sieht es ganz anders.

Die Berliner CDU nominierte sie als Direktkandidatin für die Bundestagswahl 2009 — in Friedrichshain-Kreuzberg, gegen Hans-Christian Ströbele (Grüne), der diesen Wahlbezirk 2002 und 2005 souverän gewann.

Frau Lengsfeld muß sich also gegen Ströbele in Stellung bringen:

“Ströbele, sagt Lengsfeld, sei natürlich Kult, ‘aber Kult von gestern’. Sie wolle den Wählern einen ‘kulturellen Grund’ liefern, CDU zu wählen, nämlich ‘den Geist von 1989 statt dem von 1968′.”

Es zeugt von scheppernder Beschränktheit, ausgerechnet Wählern in Kreuzberg, dem Bezirk der Yuppisierung, Gentrifizierung und der Einheitsverlierer, mit dem Geist von 1989 imponieren zu wollen. In Kreuzberg würde die Mauer sofort wieder aufgebaut, wenn man könnte, wie man wollte — und zwar von westlicher Seite.

Aber intellektuelle Beschränktheit ist ein Markenzeichen von Vera Lengsfeld. Und deshalb zwitschert sie unbekümmert weiter:

“Ströbele, sagt die 56-Jährige, habe ja immer nur von der Revolution geträumt. ‘Ich habe eine gemacht.‘”

In Großbritannien?

Frau Lengsfeld beehrte die DDR erst wieder, als die Suppe gelöffelt war; als jedermann vom Alex bis zum Ku’damm und zurück spazieren durfte und die NVA, die Grenztruppen und selbst die gefürchteten Kampfgruppen bestenfalls Blumen in den Läufen ihrer Kalaschnikows trugen, aber keine scharfe Munition mehr luden, um doch noch auszurücken.

Kein Scherz, liebe Leser: Frau Lengsfeld glaubt tatsächlich, sie hätte eine Revolution gemacht, und sie meint damit den Umbruch in der DDR, in der Zeit zwischen August und Oktober 1989 — als sie auf der Insel ihren Five o’Clock Tea schlürfte, außer Sicht- und Hörweite aller Montagsdemos und Betriebsversammlungen.

Uri Geller wäre stolz auf Vera, das Medium.

Als fügsame Chronisten wollen wir aber nicht werten, sondern still notieren. Setzen wir also ihren Namen als Neuzugang auf die Liste des Clubs der Maueröffner:

  • Günter Schabowski
  • David Hasselhoff
  • Wolf Biermann
  • City
  • Scorpions
  • Ronald Reagan
  • Michail Gorbatschow
  • Papst Johannes Paul II.
  • Dr. Helmut Kohl
  • Unser Held Eppelmann
  • Pfarrer Christian Führer
  • Gott
  • Papst Benedikt XVI.
  • George Bush
  • Hanns Joachim Friedrichs
  • Vera Lengsfeld

Selbstverständlich ist Vera Lengsfeld stolzes Mitglied der Achse der Blöden. Dort watschte sie unlängst The International ab, den Eröffnungsfilm der Berlinale 2009:

“Clive Owen jagt als Agent Salinger mit hinreißend erschöpftem Gesichtsausdruck die ganz Bösen, die nicht im Iran, in Nordkorea, in Indonesien, oder einer der anderen scheußlichen Diktaturen zu finden sind, sondern in den Banketagen von Luxemburg, Mailand und Istanbul. Sie halten in ihren Glaspalästen alle Fäden der Welt in der Hand und lassen ihre Puppen in den Regierungen aller westlichen Staaten tanzen. Ein ähnlich einfältiges Weltbild habe ich zuletzt in der DDR vermittelt bekommen. Da waren es die Imperialisten und Revanchisten, die den Weltfrieden gefährdeten.”

Vera Lengsfeld ist vermutlich die letzte Person auf der ganzen Welt, der noch niemand gesagt hat, wer die Finanzkrise verursachte, welche zügellose Macht die Finanzinstitute weltweit besitzen und was für verheerende Folgen diese Macht für jede Regierung bedeutet, die sich ihr widersetzt.

Dafür darf sie bei den Achblöden mitspielen. Wir gratulieren.

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“Mit hinreißend erschöpftem Gesichtsausdruck …”

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