Im letzten Jahr blamierten sich die feuilletonistischen Kinogänger der Berliner Zeitung mit ihrer Prognose, welcher Film den Goldenen Bären der Berlinale gewinnen würde.
Wir empfahlen 2008:
“Angenommen, die Expertenrunde schriebe vor der Berlinale 2009 die Namen der Filme auf den Boden, würfe eine Handvoll Hühnerknochen in die Luft und zählte, auf welchem Namen die meisten Knochen landeten — wäre das nicht streßfreier?”
Umsonst blieb jeder gute Rat. Sie wollten es noch einmal wissen.
Wieder muffelten sich drei schlecht gelaunte Redakteure in die Kinos und trugen anschließend ihre Pünktchen und Bömbchen in das Bärometer ein. Vier Gastautoren füllten die Tabelle auf. Drei dürre Spalten wären wohl zu kläglich.
Das tabellarische Instrumentarium blieb unverändert. Die Blamage ebenfalls.
Die drei Sitzfleischvirtuosen der BLZ sahen den Film London River als Gewinner und benoteten ihn geschlossen mit vier Punkten: Herausragend.
Der Goldene Bär ging an den peruanischen Film La Teta Asustada. Verdammte Jury.
Die Bärometer-Profis sortierten La Teta Asustada zwischen Uninteressant und Annehmbar ein. Nur Ekkehard Knörer vom Perlentaucher beurteilte den Film Herausragend — und London River lediglich als Annehmbar.

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Wenn Sie, liebe Leser, wissen möchten, weshalb sich solche eklatanten Fehleinschätzungen jährlich wiederholen, dann lesen sie, wie ein indolentes Jüngelchen der Bärometer-Gang den späteren Gewinnerfilm in der BLZ verriss: Blasiertheit pimpert Dämlichkeit.
Und als wäre das Desaster der Kino-Amateure nicht peinlich genug, verstieg sich ein anderes, ebenso filmfernes Bärometer-Gesicht am Tag der Jury-Entscheidung in der BLZ zu folgendem Resümee:
“Die Favoriten des Wettbewerbs, Hans-Christian Schmids ‘Sturm’, Oren Movermans ‘The Messenger’, Rachid Boucharebs ‘London River’ oder auch Maren Ades ‘Alle Anderen’, leisteten das, was man von relevantem Kino erwarten darf: Diese Filme verwarfen die - ob nun gesellschaftliche oder private - Realität nicht pauschal, sie vermaßen vielmehr deren vielfältige Mikro-Systeme und Zwänge.
Und die ebenso einer metaphorischen wie spiritueller Überforderung geschuldete Fassungslosigkeit, die etwa Peter Stricklands “Katalin Vargas” oder Claudia Llosas ‘La Teta Asustada’ bei vielen Kritikern auslöste, ist ja auch nicht der schlechteste Erkenntnisanschub.”
Nicht mal ein in der Jury umstrittenes Votum taugt als Ausrede, um den Mißgriff zu kaschieren:
“Die Entscheidung, die peruanisch-spanische Produktion als besten Film auszuzeichnen, fiel laut Jury-Präsidentin Tilda Swinton einstimmig.”
Es dürfte den Oraklern schwerfallen, sich zur Berlinale 2010 noch intensiver zum Klops zu machen. Außer, sie hängten sich in einem Berlinale-Kino auf, und dabei würden auch noch die Stricke reißen.
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