Dear Mickey Rourke!

Geschrieben von messitschbyburns am 08. März 2009 | Immer wieder sonntags


Ihre furios gespielte Rolle als Randy “The Ram” Robinson im Film “The Wrestler” ist einer der Glanzpunkte dieses Spätwinters. Dank Ihrer Person.

Denn die Vorstellung, Nicolas Cage krachte — wie eigentlich geplant — an Ihrer statt als Randy “The Ram” auf Splitterglas und Stacheldraht, ist so irritierend wie der Anblick Ihres aufgerissenen und blutgetränkten Körpers, aus dem der Ringarzt die Klammern eines Tackers (!) ziehen muß, die Ihr hyperaktiver Gegner erst in seine Stirn und dann in Ihre Muskeln jagte. Von der Kamera bis auf Blutspritzernähe dokumentiert (hier vergrößern):

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Ausnahmsweise ist auch Ihr Filmverleih für das Plakat zu loben. Es illustriert die lakonische Antwort eines Wrestlers auf Ihre Frage nach den üblichen Ringabsprachen vor dem Kampf: “Hey Man, I’m the heel and you’re the face. That’s it.” (hier vergrößern)

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Die deutsche Filmkritik fiel mal wieder aus allen Wolken und erklärte “The Wrestler” zu Ihrem Comeback. Das ist natürlich grober Unfug. Ihre triumphale Rückkehr feierten Sie 2005 in zwei grandiosen Filmen: als Kopfgeldjäger Ed Moseby in Tony Scotts Killergroteske “Domino” (hier vergrößern)

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… und vor allem in der Rolle des Marv, als Mitglied des Starensembles in Frank Millers und Robert Rodriguez’ phänomenaler Comicverfilmung “Sin City” (hier vergrößern):

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Das ist alles wunderbar, und der Kinohimmel wäre so nah — wenn Sie nicht den Mund öffnen würden. Das heißt, nicht Sie persönlich, sondern Ihre deutschen Synchronsprecher.

Viel Glück hatten Sie noch nie mit Ihren deutschen Stimmen. Ihr früherer Stammsprecher Joachim Tennstedt synchronisiert Hollywood im Dutzend und mit marginalen Nuancen: Billy Crystal, Michael Keaton, John Malkovich, Billy Bob Thornton, James Belushi, Jeff Bridges, Pierce Brosnan, Chevy Chase, William H. Macy, Eric Bogosian, Mel Gibson … und auch Mickey Rourke, irgendwie.

Für “Sin City” wurde gewechselt. Reiner Schöne übernahm die deutsche Stimme. Sie klang wie Tommi Piper als Alf.

Auf Alf folgte die Reeperbahn. Aus Gründen, die wohl niemand erfahren wird, entschied sich irgendwer, Randy “The Ram” von Multidilettant Claude-Oliver Rudolph synchronisieren zu lassen. Vielleicht, weil der unbekannte Entscheidungsträger eine entfernte optische Nähe zu Ihnen vermutet:

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Das Untalent Rudolph für Synchronarbeiten zu engagieren, ist eine bodenlose Frechheit — eine dahingeschluderte Zumutung wie die gesamte Synchronisierung Ihres Films. Man hatte wohl nicht mit dem Erfolg gerechnet und nur die fünfte Garnitur der Sprecher eingekauft. Oder die sechste.

Denn Ihre Stimme, dear Mickey Rourke, ist im Original ein sinnliches Hörererlebnis.1 Sie füllt den Kinosaal mit einem warmen, kehligen, rauchigen, erotischen, brustkorbfüllenden Klang, wie man ihn im kantigen Deutschland vergeblich suchen wird.

Wir haben nur den angestrengten Flachatmer aus der Muckibude. Dafür entschuldigen wir uns bei Ihnen im Namen von 82.116.999 peinlich berührten Deutschen.

Sollte uns Ihr Land wegen der verhunzten Synchronisierung Ihrer Stimme durch den rumpelhirnigen Kirmesboxer Claude-Oliver Rudolph den Krieg erklären, würden wir uns demütig in unser Schicksal fügen. Wir haben es nicht anders gewollt.

Sorry for that!
Messitsch by Burns

  1. Die Lacher im Sin-City-Filmschnipsel muß man sich wegdenken. Woher die Lacher stammen, kann man sich vermutlich denken :) []

4 Kommentare ↓

#1 Hans am 09.03.09 um 01:19

Endlich jemand, der es auf den Punkt bringt. Die deutsche Synchronisation ist etwas von derart peinlich und billig. Sie fuegt sich weder in die Person noch in die koerperliche Ausstrahlung der Person ein.

#2 Kommissario am 09.03.09 um 01:29

So ziemlich alles zum Wrestler, Rourke und Rudolph mag sehr richtig sein, aber:
“Domino” ist, war und bleibt ein Schrottfilm. Das mag nicht an Rourke liegen (sondern vor allem auch an Fräulein Knightley), aber Schrott ist Schrott.
Und “phänomenal/grandios” ist im Zusammenenhang mit “Sin City” auch etwas sehr euphemistisch, oder nicht? :)

#3 admin am 09.03.09 um 09:24

@ Kommissario: “Sin City” ist sicher ein Grenzfall, weil dort die Brutalität auf die Spitze getrieben wurde. Mehr Blut verspritzt auch Tarantino nicht. Aber als Comicverfilmung, die tatsächlich den Comic als Schwarz-Weiß-Bild ins Kino transformiert, ist er schon überzeugend.

Und Elijah Wood, den liebreizenden Frodo Beutlin, als frauenmordenden Psycho mit abgehackten Beinstümpfen und später als lebendes Tierfutter zu sehen, war doch grandios, oder? ;)

#4 admin am 09.03.09 um 09:28

@ Hans: Der ganze Film ist schockierend synchronisiert. Weder der Supermarktleiter noch die Frauenstimmen passen. Man muß ihn wirklich im Original sehen, sonst verliert er viel von seiner Wirkung.

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