Der 1. FC Lokomotive Leipzig, dessen spektakuläre Auferstehung wir Ihnen, liebe Leser, vor einem Jahr als frohe Botschaft ans Herz legten, schraubt sich weiter nach oben. Nach vier Aufstiegen in Folge steht der Verein in der aktuellen Tabelle der Oberliga (seit 2008/09 in 5. Liga umbenannt) auf Platz 2.
Experten hätten zur Winterpause einen Platz zwischen 14 und 16 vermutet, wo sich Erfurt II, Magdeburg II und Grün-Weiß Wolfen um die Nichtabstiegsplätze balgen. Doch der Ball ist rund, und Experten sind Experten.
Schafft der Verein das Undenkbare und steigt auch in dieser Saison auf, würde er 2009/10 in der Regionalliga Nord spielen. Dort träfe der 1. FC Lokomotive Leipzig auf den geliebten Lokalrivalen FC Sachsen Leipzig.
Doch dazu wird es wohl nicht mehr kommen. Freuen Sie sich mit uns, liebe Leser, über diese aktuelle Meldung:
Der FC Sachsen Leipzig ist insolvent. Schampus für alle!
Bitte fragen Sie nicht, warum erwachsene Menschen vor Freude jubeln, wenn der eine Fußballverein wie Phönix aus der Asche steigt und der andere dabei ist, zu Staub zu zerfallen. Rational ist im Fußball nichts zu erklären. Ganz spontan können wir Ihnen sagen, daß schon der gekünstelte Name FC Sachsen Leipzig ein Schmarrn ist — er soll an FC Bayern München erinnern, die größten Pflaumen des deutschen Sports.
Der Vorläufer hieß auch nicht besser: BSG Chemie Leipzig. Ein Name, mit dem man eher den Gestank schwefelgelber Säurewolken assoziierte als den Schweiß rasenpflügender Männer.
Zwar liefen die Fußballer sowohl bei Chemie als auch beim FC Sachsen in den grün-weißen sächsischen Landesfarben über das Gras, doch das machte den Verein nicht sympathischer. Grün und Weiß ist und bleibt eine optische Ekelkombination, ob hinter dem Schreibtisch von Stanislaw Tillich oder über dem Brustkorb von Thomas Hönemann.
Wie schmeichelnd dagegen liebkosen die blau-gelben Trikots des 1. FC Lokomotive Leipzig das Auge des Fans. Die Leipziger Stadtfarben (und auch die schwarz-gelben Dresdner) sind der königlich-sächsischen Geschmacksverirrung haushoch überlegen.
Aus sportlicher Sicht sind die Fußballschlachten des 1. FC Lokomotive Leipzig im UEFA-Pokal 1974 unvergessen, als das Zentralstadion bebte und 80.000 Fußballfreunde “Heja Heja Eff-Zeh-Ell!” brüllten. In jenen Jahren war Chemie damit beschäftigt, aus der Oberliga ab- und wieder in die Oberliga aufzusteigen. Eine synthetische Fahrstuhlmannschaft.
Sie merken, liebe Leser, wo unsere Sympathien liegen:
Wer ist stärker als die Brasilianer?
Nur die Leipziger Eisenbahner!
Auf Wiedersehen, FC Sachsen Leipzig, in der 11. Liga. Falls euch nach der Vereinsauflösung die Neugründung gelingt.
11 Kommentare ↓
Hallo,
ähnlich der Neugründung des 1. FCL gab es vor einer Weile, als absehbar war, daß der FC Sachsen am Ende ist, eine Wiederauferstehung der BSG Chemie. Auch die haben in der 13. Liga angefangen und sind mehr oder weniger eine Fan-Initiative. Obs was bringt, weiß keiner.
http://www.chemie-leipzig.de/presse.html
Und eine Fusion geht in Leipzig sowieso nicht. Weiß jeder, der hier wohnt, Versuche von außen scheitern regelmäßig. Lokalrivalen muß es einfach geben, man erinnere sich an den Ruf aus Franken: “Lieber Fünfter wie Fürther!”
Die LOK muß den Aufstieg auch erstmal schaffen, aber die Hoffnungen sind groß. Meine Daumen bleiben gedrückt.
Grüße aus Leipzig
Am vergangenen Wochenende beim LOKruf, dem Netradio der LOKsche beim 0:3 (JAWOLLJA!) gegen Meuselwitz aus dem Munde des Moderators aufgeschnappt:
“…”Ein ********** Chemikerschwein, Oswald bleibt halt eine dumme Schabe!”
“Ich geh gleich runter und hau dem eine rein!” (Oswald)
…in diesem Sinne hoffe ich, dass das da oben bittere Satire ist…
“Schaben sterben nicht, die überleben sogar nen Atomkrieg”
“Oswald du Wich.ser!”
“Halata sieht aus wie ein türkischer Teppichverkäufer.”
(an Meuselwitzer Spieler) “Er sollte nicht provozieren, er weiß doch wie die Lokfans so drauf sind…”
“unsere kleine Schabe humpelt” (Oswald)
“Auf Wiedersehen du *böses wort*, du kleiner Wich.ser!” (Oswald)
(als ein ZFC-Fan sich das nicht mehr anhören wollte) “Halt dein Maul, nein sag ja nicht Assi [zu mir]!”
“Ach halt die Fresse da!”
“Halata wien Gummibärchen da an seiner Außenlinie”
(Nach dem 3:0) “Und die Meuselwitzer feiern zu Recht, auch wenns **** sind.”…”
das mit der bitteren Satire gahört ans Ende des Textes, sorry…
Idioten hast du überall. Wenn der Moderator das 0:3 nur mit Beleidigungen verkraften kann, muß er gefeuert werden.
An der Sympathie für oder Antipathie gegen einen Fußballclub ändert aber dieser Moderator nichts. Der ist nur eine austauschbare Figur. Problematisch wäre es, wenn die Clubführung sagen würde, der Mann spräche mit jedem Wort im Namen des Vereins und hätte dessen volle Unterstützung, juristisch und moralisch.
Das ist aber unwahrscheinlich, gerade nach der jüngsten Vergangenheit von Lok. Deren Führung wäre ja behämmert, wenn sie diesen Mann autorisieren würde. Dann ginge der ganze Zirkus von vorne los.
Dein offenbar verklärter Enthusiasmus gegenüber “der Lokschen” sei dir gegönnt. Spätestens ein Besuch dieses Tempels der Gestrandeten wird dich eines Besseren belehren. :-))
Für Außenstehende ist der Leipziger Fußball nicht leicht zu überblicken (deshalb kommen von da immer so unbrauchbare Vorschläge …), aber hier ist mal ein vergleichsweise sinnvoller Artikel:
http://www.taz.de/1/sport/artikel/1/krasses-herzblut/?type=98
Solche Luschen wie der von Thowi erwähnte Netz-Radio-Reporter machen die Sache auch nicht leichter. Ich glaube auch nicht, daß Kubald so doof ist, und diesen Menschen in irgendeiner Form autorisiert. Der Typ ist ja völlig unter der Gürtellinie.
@ thowi: Dafür bin ich zu selten in Leipzig. Aber wenn Lok demnächst gegen Union spielt, sehe ich mir das in der Alten Försterei an :)
@ haase: Danke, guter Artikel.
Der Fanbeauftragte von Chemie ist auch etwas eigenwillig: “Grundsätzlich sei es ihm egal, ‘ob jemand das ,Kapital’ von Marx oder den Stürmer liest’.”
War der Mann früher Fanbeauftragter des BFC? :)
Hier wieder was zum von mir geschätzten Thema “Außenstehende” und außerdem fällt das schöne Wort “Hoffenheimisierung” …
http://www.l-iz.de/Sport/Fußball/2009/06/Red-Bull-Leipzig-Lok-Kampfansage-Interview.html
Wir bleiben da alle sehr gespannt.
Grüße aus Leipzig
Ja, das wird spannend. Und wenn RB sofort aufsteigt, dann sind sie eben weg, und Lok macht seinen Aufstieg ein Jahr später.
der fc sachsen lebt!
KLO interessiert uns nicht, wir schaffen ordnung in unseren strukturen! chemie lebt, und in zukunft muss es ein zusammen mit allen fangruppierungen geben.
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