Gott sei Dank! Ein Killerspieler!

Geschrieben von messitschbyburns am 13. März 2009 | Amoklauf, Edathy, Killerspiele, Schäuble, Wiefelspütz


Langsam wird es lächerlich.

Als Vormittag des 11. März die ersten Nachrichten über den Amoklauf von Winnenden gesendet wurden, war unsere erste Reaktion: Egal, ob Tim K. nur Hütchen, Halma oder Monopoly gespielt hat — sie werden ihn zum Killerspieler machen.

Und so kam es. Das ZDF schickte ein Interviewschnipsel in die Endlosschleife, in dem ein Schüler mit schiefem Grinsen erklärte, Tim K. hätte “Killerspiele gespielt, Counter-Strike.”

Yo Alta!, und du warst voll krass dabei und weißt konkret, daß Counter-Strike ein voll schwules Killerspiel ist! Sach ma, zahlt das ZDF für diesen Quatsch, oda biste einfach Matsch inne Birne, hä?

Auch Töpfchen-Pfeiffer kam angetrottet, wie Pawlows Hund zur Wurst. Schaumschwätzer Plasberg lud ihn ein, vermutlich als Experten. Der Knall in Plasbergs Gästebuch ließ nicht lange auf sich warten. Plasbergs Reaktion ebenfalls: Sein Gästebuch wurde 17 Stunden nach der Sendung geschlossen.

Es ist die immer gleiche Tour: Man richtet alle Scheinwerfer auf Computerspiele, um von einer wirklichen, lebensbedrohlichen Gefahrenquelle abzulenken: Dem deutschen Waffenrecht.

Jeder deutsche Jäger, Förster oder Sportschütze darf seine potentiellen Mordwaffen im heimischen Schlafzimmer aufbewahren, zur Not unter dem Bett, wenn er sie dort in einen Tresor packt.

Warum?

Ist es für Kamerad Zielwasser unzumutbar, seine Ballermänner in der Waffenkammer des Schützenvereins zu verschließen, wie es in der DDR vorgeschrieben war?

Offenbar, denn Schäuble, Kauder, Bosbach, Beckstein und ihre SPD-Vasallen Wiefelspütz und Edathy lehnen eine Änderung des Waffenrechts ab. Zwei Millionen Waffenbesitzer mit 11 Millionen Waffen sind zwei Millionen Wähler.

Stattdessen schlägt Edathy vor, Metalldetektoren an Schulen zu installieren. Edathy ist und bleibt der König der Bekloppten.

Nicht minder belämmert sind die gehirnakrobatischen Verrenkungen der Schußwaffenfreunde, um eine Gesetzesänderung auf Biegen und Brechen zu verhindern.

Schäuble:

“Die Gesellschaft kann sich nicht vor allem schützen. ‘Nach Adam und Eva kamen gleich Kain und Abel.’

Warum dann Computerspiele verbieten?

Beckstein:

“Problem sei nicht der Gesetzestext, sondern die Tatsache, dass offenbar geltendes Recht, also die Sicherung des Waffenschranks, nicht eingehalten worden sei.”

Warum also keine Aufbewahrung der Waffen in zentralen Waffenkammern?

Joachim Streitberger, Sprecher des Forum Waffenrecht:

“‘Solche Zeughäuser [= Waffenkammern] für Schützenvereine liegen vielleicht draußen im Wald’, da sei es kein Problem einzubrechen und sich eine Waffe zu besorgen.”

Warum legt die Bundeswehr ungleich größere Waffen- und Munitionsdepots mitten im Wald an?

Diese Fragen werden nie gestellt. Der krankhaft übersteigerte Männlichkeitswahn in bestimmten gesellschaftlichen Schichten und landsmannschaftlichen Regionen Deutschlands braucht eine Knarre, um den Kurzpimmel, der am eigenen Gemächte schlackert, zu kompensieren.

Scheiß auf die toten Schüler. Hätten sich ja ducken können.

Und dann erfreuen wir uns der üblichen Killerspiel-Lügen, z.B. im Tagesspiegel:

“Viele Menschen empfanden es nach dem Amoklauf von Erfurt als Skandal, dass die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien den Lieblings-Ego-Shooter ‘Counter-Strike’ des Täters Robert Steinhäuser nicht auf den Index gesetzt hat, sondern nur mit dem Hinweis ‘Freigegeben erst ab 16 Jahren’ versah.”

Steinhäuser hat nicht Counter-Strike gespielt. Das bestätigt der Bericht der Kommission Gutenberg-Gymnasium (Seiten 338 und 365), veröffentlicht auf dem Server der thüringischen Landesregierung (hier als pdf).

Wahrlich, die Blöden sind unter uns.

1 Kommentar ↓

#1 Ich am 13.03.09 um 07:22

Beckstein:
“Problem sei nicht der Gesetzestext, sondern die Tatsache, dass offenbar geltendes Recht, also die Sicherung des Waffenschranks, nicht eingehalten worden sei.”

Ok, dann darf das halt nicht nur ne Ordnungswidrigkeit sein, sondern Tims Vater muss jetzt für 10 Jahre in den Knast wandern - wegen Beihilfe zum 15-fachen Mord.

Mein Kommentar: