Damit der HERR mit Wohlgefallen auf die Schäfchen im Berliner Jammertal blicken darf, kann der Christ ein virtuelles Licht entzünden. Denn der HERR sieht alles, auch gelbe Pünktchen auf Monitoren.
Auf einer Website mit dem objektiven, wertfreien und überhaupt nicht irreführenden Namen www.freie-wahl-berlin.de ist jeder mit einem Klick dabei, sofern er den Christenmenschen seine Daten schenkt:

Die Daten werden selbstverständlich nicht weitergegeben. Ganz dickes Ehrenwort.
Wie die Christen lokalisieren wollen, ob ein Spaßvogel hinter hundert Proxys mehrmals täglich klickt, ob die eingegeben Adressen stimmen, ob die Klixxer wirklich in Berlin (Deutschland) und nicht in Berlin (USA) wohnen, ob sich Atheisten einen Spaß erlauben und als Anschrift ganz oft Marzahn eintragen — die gottfreieste Zone Berlins –, wissen sie vermutlich selbst nicht.
Eine große Zahl und viele Lichter schmeicheln dem christlichen Ego, sagen aber nichts über die wirkliche Zustimmungsrate aus. Zumal sich die Administratoren nicht mal gegen simpelste Hacks schützen können.
Am 18. März, um 17:30 Uhr, sah Gott 96 Pünktchen — und ein großes “NO” über dem Berliner Süden (hier vergrößern):

Sinnigerweise in Neukölln (”N”) und Treptow (”O”). Zwei Gegenden mit mäßigem Interesse an einer nachholenden Christianisierung. Denn wer gegen die Einführung des Religionsunterrichts als Pflichtfach ist, muß am 26. April mit “Nein” stimmen.
Kurz vor Mitternacht wischte Gottes Finger über die Karte und löschte das despektierliche NO. Einmal im Schwung, blies er noch sieben Lichter aus. 89 Pünktchen schienen ihm genug (hier vergrößern):

Vielleicht war es auch der Admin.
Der kleine Vorfall zeigt, wie leicht sich das gottesfromme Lichtermeer manipulieren läßt; von außen (NO) wie von innen (96 zu 89). Die Lichter sind damit verbrannt, was die Initiative nicht daran hindern wird, am 26. April eine imposante Zahl zu präsentieren.
Inzwischen wurde auch ein Schreibfehler beseitigt:

Wem das Wort Ethik so fremd ist, daß er es nicht fehlerfrei tippen kann, der ist bei Pro Reli allerbestens aufgehoben.
Apropos “Leuchtender Stern“:
Im Jahr 2004 veröffentlichte Reinhold Andert eine CD mit Erich Honeckers letztem Interview. Darin gab sich der gewesene Generalsekretär des Zentralkomitees der SED, Staatsratsvorsitzende der DDR und Vorsitzende des Nationalen Verteidigungsrates weltfremd bis zur Penetranz — wie die Fußtruppen Gottes in Berlins:
“‘Wir sind überall, auf der Erde, auf der Erde, leuchtet ein Stern, leuchtet mein Stern’, singt der Generalsekretär mit brüchiger Stimme sein Lieblingslied. ‘Er leuchte gerade ziemlich blass’, sagt Andert. ‘Aber er leuchtet’, beharrt der Generalsekretär.”
Atheistischer Altersstarrsinn und religiöser Fanatismus sind offenbar wesensverwandt.
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