Sie sind der Deutschen liebste Biathletin. Sie stricken gern, spielen Harfe, fahren Motorrad und sind mehrfache Weltmeisterin. Sie wurden gerade 22 Jahre alt und gewannen schon die Umfragen zur Juniorsportlerin des Jahres 2007 und 2008 sowie zur Sportlerin des Jahres 2007. Und Sie sehen auch noch gut aus:

Das ist zu viel des Positiven. Logisch, daß ein intellektuell gedämpfter Irrigator um die Ecke kommt und sie der mittelbaren Anstachelung zum Amoklauf bezichtigt. Denn Ihr Werbespot für Telegate (11880) ist Auslöser absonderlichster Mutmaßungen:
“Ein bisschen makaber wirkt es […] schon, wenn man, von Horrormeldungen geplagt, vor dem Fernseher sitzt, und da fuchtelt plötzlich die Biathletin Magdalena Neuner mit ihrem Gewehr herum, um danach ein virtuelles Loch in den Bildschirm zu schießen.”

Der Autor dieser denkwürdigen Zeilen heißt Alexander Viktorin. Zur gleichen Zeit, in der Viktorin versucht, Sie, liebe Frau Neuner, wie ein verbales Darmröhrchen zu penetrieren, läßt die ARD eine Sendung nach der anderen ausfallen, um Ihren Sport in voller Länge zu übertragen. Er sollte sich beschweren.
“Schon in normalen Zeiten wirkt der Spot befremdlich. Doch jetzt, nachdem ein junger Mann in Winnenden 15 Menschen tötete, weckt der Schuss auf den Zuschauer Erinnerungen an ganz reale Bilder. Magdalena Neuner in voller Biathlonausrüstung - mit nur wenig Fantasie lassen sich auch rasch Bezüge zum Ego-Shooter Counterstrike feststellen.”

Counter-Strike ist ein Taktik-Shooter. Das weiß Viktorin nicht, liebe Frau Neuner, denn wenn er es wüßte, würde er es schreiben.
Welche Erinnerungen Ihr Werbespot bei dem Zuschauer1 wecken soll, läßt Kleinklistierer Viktorin offen. Die Schüsse des Amokläufers Tim K. wurden nicht gefilmt, können also keine noch so abseitige Erinnerung an Ihren Sport hervorrufen. Und Leichen liegen auch nicht unter Ihrer Zielscheibe.
“Etwas zu lässig steht sie mit ihrem Gewehr gegen Ende des Clips da. Eine Pose, die sonst gerne Terroristen in ihren Videobotschaften einnehmen.”

Die Haltung, die Sie, liebe Frau Neuner, nach dem Schuß einnehmen, ist eine Standardposition: Waffe vor der Brust, diagonal nach oben:

Sollte sich eine Patrone in der entsicherten Waffe auf den Weg machen, knallt sie nicht dem davor- oder danebenstehenden Kollegen die Birne weg, sondern bestenfalls einem Sperling die Schwanzfedern.
Auch das ist Viktorin unbekannt. Womöglich sieht er nur Bin-Laden-TV.
Oder er leidet unter psychischen Problemen. Denn wessen Phantasie so morbide ist, daß er eine Biathletin, die in ihrer Sportausrüstung in die Kamera lächelt, zur Terrorpussy halluziniert, der sollte seine tägliche Betablockerdosis verdreifachen.
Telegate hat den Werbespot inzwischen abgesetzt. Aber keine Sorge, liebe Frau Neuner, Ihr nächster Werbeauftrag kommt bestimmt. Und auch die düsteren Phantasmen des Verbalklistierers Viktorin.
Schenken Sie ihm eine Patrone. Die kann er dann zerbeißen. Vielleicht ist es das, wonach er sich sehnt.
Herzlichst
Messitsch by Burns
- Viktorin kennt “den Zuschauer” — vielleicht heißt Viktorin im wirklichen Leben Uri Geller, fühlt sich parapsychologisch in jedes Wohnzimmer ein und verbiegt dort Bildröhren [↩]
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