Die Rückkehr der Demagogin

Geschrieben von messitschbyburns am 30. März 2009 | Fehrle


Heute begrüßte, wer wollte — nicht alle wollten –, Brigitte Fehrle als Heimkehrerin zur Berliner Zeitung. Schon im Februar stand fest, daß sie nach ihren Ausflügen in die große Welt der Edelfedern zum Berliner Lokalblatt zurückkehren würde. Die Frage war nur, ob als Chefredakteurin oder Stellvertreterin.

Dank personeller Engpässe darf sie nun beides spielen: Stellvertretende und kommissarische Chefredakteurin, bis sich Uwe Vorkötter oder ein anderer Joker aus DuMonts Kiste für den Chefposten entschieden haben.

Fehrle saß bis 2006 auf dem Stellvertreterstuhl der BLZ. Damals flüchtete ihr Chef Uwe Vorkötter im Streit mit dem neuen Besitzer des Berliner Verlags, David Montgomery, zur Frankfurter Rundschau. Fehrle durfte für einen Moment hoffen, Vorkötters Sessel zu erben.

Montgomery plante anders. Er installierte seinen Depenbrock. Fehrle nahm es zur Kenntnis und folgte Uwe Vorkötter im August 2006 zur Frankfurter Rundschau, als stellvertretende Chefredakteurin.

Ein Jahr später heuerte sie bei Holtzbrinck an, um ab August 2007 das Hauptstadtbüro der Wochenzeitung Die Zeit zu leiten. Eigentlich ein Traumjob.

Nach nur 18 Monaten warf Fehrle auch hier die Brocken hin und kündigte. Holtzbrinck stellte sich nicht quer. Schon Ende Februar 2009 durfte sie das Hauptstadtbüro der Zeit verlassen. Um Spitzenkräfte wird anders geworben.

Wie unerquicklich die Arbeit unter Fehrle sein kann, zeigt ein Beispiel aus vergangenen Tagen. Am 5. Juli 2000 eröffnete die BLZ ihr neues Parlamentsbüro im Haus der Bundespressekonferenz. Unter der Leitung von Werner Kolhoff lieferte eine sechsköpfige Parlamentsredaktion journalistische Inhalte — in Konkurrenz zur BLZ-eigenen Politikredaktion.

Im Oktober 2002 wurde das Parlamentsbüro plötzlich geschlossen. Werner Kolhoff mußte die BLZ verlassen. Vorausgegangen war ein redaktionsinterner Machtkampf zwischen Kolhoff auf der einen und den stellvertretenden Chefredakteuren Fehrle und Munsberg auf der anderen Seite. Vorkötter dementierte schwach die Intrige seiner beiden Vize. Die Reibereien und Kolhoffs Abgang waren aber nicht zu vertuschen.

Eitelkeiten zweier Stellvertreter, könnte man sagen — wenn deren Arbeit den ganzen Zinnober aufwiegen würde. Bei Fehrle wäre das ein frommer Wunsch, fernab der Realität. Denn nicht mal als Autorin ist sie zu gebrauchen.

Fehrles abwesendes Sprachgefühl grenzt an eine stilistische Katastrophe. Ihre Unfähigkeit, Artikel zu schreiben, die keine redundanten Worte beinhalten und die sich nicht wie eine peinliche Kopie bundesdeutscher Werbeprosa aus den 70er Jahren lesen, läßt einen schaudern.

Wirklich unangenehm mutet Fehrles plumpes Dummdeutsch an. Sie beschränkt sich konstant auf die immer gleichen Hilfsverben: “ist”, “hat”, “wird”. Furchtbares Pennälergeschwätz, ohne Aussicht auf bestandene Prüfung. Und niemand, der es wagen würde, die gotterbärmlichen Schulaufsätze der stellvertretenden Chefredakteurin zu redigieren.

Vielleicht folgt die grausige Form nur dem grausigen Inhalt. Denn Fehrle pflegt ein persönliches Hobby: Lafontaine, Gysi und die Linke. Seit Jahren verbeißt sie sich wütend in die ost- und westdeutsche Linke, geifernd und mit reichlich Schaum vorm Mund.1

Dabei formuliert Fehrle nie konsequent, sondern sehr geschmeidig, je nach Erfolg oder Mißerfolg der Linken: Gewinnt die Linke eine Wahl, ist sie eine respektable Partei. Verliert sie die Wahl, ist sie weg vom Fenster.

Folgerichtig produziert Fehrles Unvermögen, analytisch zu denken, eine Fehlprognose nach der anderen. Das Resultat sind demagogische Worthülsen-Friedhöfe für Dummies:

Bundestagswahl 2002:

18. März 2002, gute Umfragewerte für die PDS:

“Die Geschichte der PDS ist eine Erfolgsgeschichte.”

4. Juli 2002, die PDS-Umfragewerte sinken:

“Eine PDS […], die nicht im Bundestag sitzt, wird auch im Osten langfristig verlieren.”

11. Oktober 2002, die PDS stellt keine Fraktion im Bundestag:

“Die PDS ist erledigt […] Sie [ist] ein Kunstprodukt, eine Erfindung, ein semantischer Sack, der nie gefüllt worden ist.”

Nach der Bundestagswahl 2002:

07. Mai 2003:

“Bisky kann die PDS nicht retten. Gregor Gysi schon gar nicht.”

15. Mai 2003:

“Was kann Bisky bewirken? Nichts. Er kann die PDS nicht retten.”

31. Juli 2003:

“Die PDS - jedenfalls das, was an den drei Buchstaben im Wortsinne reizvoll war - ist weg. Mit ihrer Wahlniederlage im Jahr 2002, ihrem Verschwinden aus dem Bundestag, ist die Partei binnen Wochen in die Fadheit gerutscht.”

Bundestagswahl 2005:

Am 11. Juni 2005 — also vor der Wahl — deklariert Fehrle die neue Linkspartei zum privaten Vergnügen zweier Egomanen:

“Fragt man also, was PDS und WASG zusammentreibt, so sind es nicht die Mitglieder […] Der wahre Antrieb sind zwei Männer [Gysi und Lafontaine], die eine Partei brauchen, um ihre persönliche politische Karriere abzurunden. Nicht sie dienen ihrer Partei. Die Parteien haben ihnen zu Diensten zu sein.”

Am 27. August 2005 orakelt Fehrle über das Verhältnis von SPD und Linkspartei:

“Ein Exodus in Richtung Linkspartei ist kaum zu erwarten.”

Fehrle läßt im Unklaren, ob sie einen Exodus der Wähler oder der Parteimitglieder meint. In beiden Punkten hätte sie sich geirrt, besonders drastisch jedoch bei der Wählerwanderung, wie drei Wahlanalysen zeigen:

“[Bei der Bundestagswahl 2005] verbuchte die SPD mit einem Minus von rund 2,3 Millionen Zweitstimmen die stärksten Verluste. Am größten war ihr Nettoaustausch mit der Linkspartei, die 1,2 Millionen ehemalige SPD-Wähler band und nur 220.000 Wähler an die Sozialdemokraten verlor. In Ostdeutschland, wo knapp 20 Prozent aller Wahlberechtigten leben, gaben die Sozialdemokraten – bedingt durch das Erstarken der Linkspartei – überdurchschnittlich stark ab, insgesamt 35 Prozent der zwei Millionen Stimmen.”

“In Ostdeutschland ist die SPD nur noch dritte Kraft hinter CDU und Linker. Im Saarland, wo die Genossen früher absolute Mehrheiten holten, wollen nur noch 16 Prozent die SPD wählen, weniger als in Bayern, wo die SPD auf 18 Prozent kommt. Die Linke käme dagegen an der Saar auf 29 Prozent.”

“Die [Brandenburger] Sozialdemokraten haben stolze 107.300 Wähler dieses Mal an die Linkspartei.PDS verloren - ein immenser Aderlass, der das vergleichsweise schlechte Abschneiden der märkischen SPD erklärt.”

Am 11. November 2005, nach dem Einzug der Linken in den Bundestag, ruft Fehrle zur Abwahl der Linken 2009 auf:

“Heute wissen [die Wähler der Linken zur Bundestagswahl 2005], dass sie die PDS gewählt haben und eine versprengte, zusammengewürfelte, zersplitterte und zerstrittene WASG. Vier Jahre müssen sie jetzt damit leben. Dann haben sie die Chance, nochmal genauer hinzusehen.”

Bereits am 27. August 2005 schrieb Fehrle über die Perspektiven der Linken:

“Bis zu den Landtagswahlen in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg im kommenden Frühjahr [2006] wird sich der Gysi-Lanfontaine-Effekt schon abgenutzt haben […] [Die Linke] wird, um es kurz zu fassen, [nach der Bundestagswahl 2005] wieder so mit sich selbst und ihren inneren Zerrüttungen beschäftigt sein, wie man es aus der Zeit nach der Wende kennt.”

Nach der Bundestagswahl 2005 zog die Linke in die Landtage von Hessen und Niedersachsen und die Bürgerschaften der Hansestädte Bremen und Hamburg ein.

Kein Problem für Fehrle. Am 22. Januar 2009 schreibt sie prompt das Gegenteil. Nicht mehr Zerrüttung, sondern Erfolg prägt jetzt die Linke:

“Lothar Bisky, Gregor Gysi und Oskar Lafontaine können entspannt in das Jahr 2009 gehen. Die schwierigste Hürde Hessen ist genommen. Von jetzt an wird es mutmaßlich noch besser werden […] Im Saarland kann die Linke nur gewinnen oder fulminant siegen, sollte Oskar Lafontaines Partei dort die SPD überflügeln. Für Thüringen gilt das Gleiche. Dort ist wahrscheinlich, dass die Linke stärker wird als die Sozialdemokraten und versuchen könnte, die SPD als Juniorpartner in die Regierung zu zwingen. Und man kann sicher annehmen, dass nach der Wahl am 27. September der nächste deutsche Bundestag eine Linksfraktion haben wird, mit einem Wahlergebnis irgendwo zwischen 7 und 13 Prozent.”

Oskar Lafontaine bleibt trotzdem Fehrles bevorzugtes Haßobjekt. Am 1. Mai 2008 drischt sie wieder auf ihn ein:

“Lafontaine bezieht auch dämonische Kraft aus der Destruktion. Seine Angriffe auf die Sozialdemokratie sind irrational, eindimensional, perspektivlos […] Lafontaine [gewinnt] Wahlen mit dämonisierender, antidemokratischer Rhetorik. Er redet von ‘Bekloppten’, ‘Rindviechern’, ‘Quatschköpfen’ und ‘Terroristen’, wenn er Minister, Bundeskanzler und amerikanische Präsidenten meint […] Lafontaines Welt ist digital. Gut-böse, schwarz-weiß […] Er wird alles einsammeln, was Stimmen bringt. Vom orthodoxen Kommunisten in Leipzig bis zum rechtstrendigen Nichtwähler in Lüneburg.”

Der Betriebsrat der Berliner Zeitung sollte Fehrle eine Vorratspackung Baldriantee spendieren. Damit sie nicht durchdreht, wenn Lafontaine eines Tages wieder in einer Landesregierung sitzen sollte.

Noch ein paar Bonmots der Vizechefin:

16. November 2005:

“Es ist richtig, Wohnungen zu privatisieren.”

Ja, das sehen wir auch so.

10. Dezember 2004:

“Marianne Birthler [hat] ohne zu eifern, aber mit hohem Engagement gewirkt. Sie [hat] mit dazu beigetragen, dass Opfer der Stasi zur Versöhnung bereit waren und dass das Wissen der Täter zum Verständnis über das Spitzelsystem beigetragen hat.”

Auch da gehen wir d’accord, d’accord, d’accord und d’accord.

11. Oktober 2002:

“Wer in sein Parteiprogramm schreiben will, Banken müssten verstaatlicht werden […], hat keinen Diskussionspartner in der deutschen Parteienlandschaft.”

Der Deutsche Bundestag beschloß am 20. März 2009 ein Gesetz, auf dessen Grundlage Banken im Notfall enteignet werden können.

30. Juni 2004:

“Nach dem schönen sozialistischen Grundsatz: Jeder nach seinen Fähigkeiten.”

Die stellvertretende Chefredakteurin der Berliner Zeitung kennt nicht die Kritik des Gothaer Programms, geschrieben von Karl Marx:

“In einer höheren Phase der kommunistischen Gesellschaft […] kann der enge bürgerliche Rechtshorizont ganz überschritten werden und die Gesellschaft auf ihre Fahne schreiben: Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen!”

Kommunistisch, nicht sozialistisch.

Keinen blassen Dunst von Marx, aber über die Linke wichsen. So strohdoof darf man in Deutschland sein, um zur stellvertretenden Chefredakteurin befördert zu werden.

Wir richten schon mal eine eigene Unterkategorie für Frau Fehrle ein. Sie füllt in der BLZ einen Platz, der bisher unbesetzt blieb: Das Pendant zu Malte Lehming.

Aber selbst der wortschatzreduzierte, extreme rechte Lehming schreibt tausendmal besser als Fehrle. Fast wünscht man sich Fehrle zum Tagesspiegel und Lehming zur …

Nein, lieber nicht. Noch nicht.

  1. Eine ihrer ersten beruflichen Stationen war übrigens die taz, Ressort Innenpolitik, wie bei vielen rechten Schreibknechten dieses Landes. []

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