Der WDR haut sich mächtig auf die Schultern. Sein Angestellter Thomas Roth wurde mit dem sogenannten Liberty Award bedacht. In der Pressemitteilung spreizt sich der WDR selbstzufrieden:
“[Der Liberty Award] richtet sich an herausragende Reporter und Journalisten, die sich durch ihre Arbeit für deutschsprachige Medien um die Pressefreiheit bemüht machen. Die Jury setzt sich aus renommierten Journalisten und Medienwissenschaftlern zusammen.”
Den letzte Satz scheint der Pressepraktikant vorbeugend geschrieben zu haben, um jede Diskussion über den Preisträger abzuwürgen. Denn beim Namen Thomas Roth zuckt der Fernsehzuschauer zusammen: Roth? Der Roth?
Ja, der Roth.
“Die Jury1 lobte die ‘kontrastreiche Reportagearbeit, die sowohl die Propagandalügen der russischen und georgischen Kriegsparteien entlarvt als auch das Schicksal von Soldaten und Zivilisten von beiden Seiten unter großem persönlichen Einsatz beleuchtet’.”
Gemeint ist immer noch der Roth.
Roth, der Lügner. Der Fälscher. Der schamlose Wortverdreher. Der Propagandist an der antirussischen Medienfront.
Sein sinnentstellend geschnittenes Interview mit Wladimir Putin, das den damaligen russischen Präsidenten als unkalkulierbaren Warlord vorführen sollte, der das kleine, unschuldige Georgien sengen, brennen und schänden ließ, sendete die ARD am 30. August 2008 in der Tagesschau, den Tagesthemen und in einer ARD-Sondersendung.
Die Fälschung flog auf, und im ARD-Blog entlud sich eine Empörung, wie sie die ARD noch nicht erlebte. Nach einer Woche zog Redaktionsleiter Jörg Sadrozinski den Stecker und knipste die Kommentarfunktion aus:
“Wir haben die Kommentarfunktion für diesen Beitrag abgeschaltet, weil nach mehr als 1200 Kommentaren und einer noch viel größeren Zahl abgelehnter Beiträge keine neuen Aspekte zum Interview von Thomas Roth mit Wladimir Putin angeführt werden. Statt einer sachlichen Auseinandersetzung erhalten wir in der Mehrzahl diffamierende Mails mit dubiosen Verschwörungstheorien, denen wir hier keine Plattform bieten wollen. Danke für Ihr Verständnis!”
Thomas Roth also wird mit dem Liberty Award ausgezeichnet, plus 15.000 Euro Handgeld. Beides gestiftet von der Reemtsma Cigarettenfabriken GmbH. Einem Unternehmen, in dessen Profit der Krebstod seiner Kunden eingepreist ist.2
Reemtsma über ihren Preis:
“Der Liberty Award ist ein Ausdruck der Werte, für die Reemtsma steht. Nur wenn gewährleistet ist, dass wir täglich objektiv informiert werden über das, was in der Welt vor sich geht, nur dann können wir uns auch ein realistisches Bild machen und glaubwürdig und selbstbestimmt Position beziehen. Das ist uns wichtig und dafür treten wir ein.”
“Objektiv informiert werden”, “ein realistisches Bild machen”, “selbstbestimmt Position beziehen” — die Zunge soll ihnen im Maul verfaulen, den Laudatoren auf Lügner und Fälscher, den Preisverleihern für post-stalinistische Propagandisten im real existierenden Kapitalismus.

Da zwirbelt der Thomas vergnügt seinen Bart:
Interview zerhackt, Preis gewonnen,
Geld eingesackt. Das Leben ist schön!
Foto (c) by obs/Reemtsma GmbH
- Die Jury besteht aus Prof. Dr. Günter Bentele, Universität Leipzig; Prof. Dr. Wolfgang Donsbach, TU Dresden; Dr. Wilm Herlyn, dpa-Chefredakteur; Uwe-Karsten Heye, Freier Autor und Publizist; Helmut Markwort, Focus-Chefredakteur und -Herausgeber; Dagmar Reim, RBB-Intendantin; Hajo Schumacher, Journalist und Autor; Hartmann von der Tann, Journalist.
Heye ist der Erfinder der These vom heutigen Neofaschismus als primär ostdeutschen, weil post-sozialistischen Phänomen; Markwort, Schumacher und von der Tann sind selbstverliebte Salonschwätzer, und Reim bewies erst kürzlich ihre Werte-Kompetenz mit der Einstellung von Radio Multikulti, dem einzigen völkerverbindenden und integrativen Sender im RBB. [↩]
- Zu Reemtsmas Erben gehört Jan Philip Reemtsma. Ein esoterisch verknödelter Gedankenbläser, der mit dem Award nichts zu tun hat, dessen dilettantische und schlampige Wehrmachtsausstellung aber einen unsagbaren Schaden anrichtete, zur Begeisterung aller deutschen Nazis. [↩]
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Unabhängige Journalisten lassen sich nicht kaufen
Die Reemtsma Cigarettenfabriken GmbH nutzte den “Liberty Award” in diesem Jahr zum dritten Male, um Journalisten mittels Preisverleihung zu ködern. Der Tabakdrogenhersteller bedient sich dieses Marketing-Instruments, um sich als kulturell und sozial engagiert zu präsentieren, und damit das negative Image der Tabakindustrie in der Gesellschaft aufzupolieren. Mehr denn je ist die Tabakindustrie auf eine gute oder wenigstens zurückhaltende Presse angewiesen. Wer könnte diese Aufgabe besser im Sinne der Tabakindustrie erfüllen, als scheinbar freie und unabhängige Journalisten?
Reemtsma schreibt in einer Pressemitteilung über die für den Liberty Award nominierten Journalisten: “Sie lassen sich in ihrer Arbeit nicht behindern”. Diese Hartnäckigkeit passt gut zur Strategie der Tabakindustrie. Denn die Tabakdrogenproduzenten lassen sich von Studien über Tabaktote, Herz-/Kreislauferkrankungen und Krebs durch Rauchen, radioaktive Substanzen im Tabak usw. nicht beirren, und verkaufen unverdrossen ihre tödlichen Drogen weiter. Wer könnte bei der Vertuschung dieser abscheulichen Nebenwirkungen der Nikotindroge nützlicher sein, als eifrige Journalisten?
Die Preisträger dieses Jahres sind die ARD-Korrespondenten Thomas Roth und Stephan Stuchlik. Ausgewählt wurden sie für ihre Berichterstattung über den Krieg in Georgien. “Im Mittelpunkt der Berichterstattung von Roth und Stuchlik stand das Leid der Menschen”, so die Berliner Morgenpost. Das Leid der Menschen ist der Tabakindustrie nicht fremd, ist doch gerade sie für einen langsamen und qualvollen Tod von Millionen verführten Rauchern auf der ganzen Welt verantwortlich. Wer könnte die Tabakdrogenmaschinerie besser bei der Verharmlosung dieses Leids unterstützen als Journalisten, die menschliche Tragödien in allen Facetten kennengelernt haben?
Wer Geld annimmt begibt sich damit in eine Abhängigkeit. Gerade in unserer heutigen materialistisch geprägten Welt gibt es kein Geld ohne entsprechende Gegenleistung. Diese Abhängigkeit entsteht ganz subtil, und auch ohne dass der Geber vom Empfänger eine Gegenleistung vertraglich zugesichert bekommt. Deshalb dürfen Beamte und selbst einfache Müllmänner kein Geld und keine Geschenke von freundlich gesinnten Bürgern annehmen, wollen sie nicht ihren Job und obendrein noch ein Strafverfahren riskieren.
Warum bilden sich also einige Journalisten ein, dass ausgerechnet sie von der Tabakindustrie 15.000 Euro (das Preisgeld des “Liberty Award”) kassieren können, ohne sich auch nur im Geringsten die Finger damit zu beschmutzen?
Mein Kommentar: