Nazis oder DDR — alles eine Soße [FDJ-Update]

Geschrieben von messitschbyburns am 08. April 2009 | Berliner Zeitung, Braune Soße, DDR


Die Heimattreue Deutsche Jugend wurde verboten. Abgekürzt hieß der Verein HDJ.

Das klingt wie? Na? FDJ!

Denn die HDJ füllte eine Sehnsuchtsstelle in den ostdeutschen Herzen, die ihren Phantomschmerz nach dem Bedeutungsverlust der FDJ mit neofaschistischem Gerülpse zu lindern suchten. Die 1946 gegründete FDJ war ohnehin nur eine Ersatz-HJ. So paßt alles nahtlos ineinander.

Meint jedenfalls Maritta Tkalec:

“Und noch eines, liebe ehemalige Mit-FDJ-lerinnen und FDJ-ler: Auch wir haben innerlich bewegt Fackelzüge veranstaltet, wie zuvor die HJ, wir haben Lieder von der unsterblichen Fahne gesungen, wie jetzt die kleinen HDJ-ler, wir haben Geländespiele gemacht und Klampfenabende. Das FDJ-Lehrjahr langweilte uns; das war lästige Indoktrination.

Aber war es nicht manchmal auch schön? Und war es nicht manchmal auch sinnvoll? Fraglos hat der ersatzlose Wegfall der FDJ im Osten ein Vakuum hinterlassen. Es wird wohl Gründe haben, dass das HDJ-Unkraut vor allem in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Sachsen und Berlin gedieh. Gut möglich, dass die erwachsenen Organisatoren der HDJ, die Eltern und Großeltern der jugendlichen HJ-Fans, ihre Prägung in der FDJ erfahren haben.”

Wie der ersatzlose Wegfall der FDJ vor 20 Jahren bei heute 6-14jährigen Kindern ein derartiges Vakuum hinterlassen haben soll, daß sie sich nach Fackelzügen und Geländespielen sehnen, die sie nie erlebten, fragen wir lieber nicht.

Ebenso, warum die seit der Antike bekannte mystische Wirkung eines Fackelzuges ausschließlich mit faschistischen Aufmärschen verbunden wird und nicht z.B. mit Walpurgisnachtfeiern, Pfadfindern oder dem Hambacher Fest:

“Gestern brachten mir die Heidelberger Studenten […] ein Vivat mit Fackelzug vor meine Wohnung.”

Der Mann, der 1832 so wohlgefällig über das studentische Lichtermeer schrieb, hieß Ludwig Börne, ein nicht unbedeutender deutscher Dichter und Denker. Oder ein ganz früher Fackel-Nazi. Noch schlimmer: ein jüdischer Fackel-Nazi.

Die Namenswahl HDJ ähnelt nicht zufällig dem Kürzel FDJ. Die rechten Funktionäre kennen die psychologische Trickkiste, mit der sie positiv besetzte Begriffe für sich vereinnahmen. Darauf hereinzufallen und daraus abzuleiten, HDJ und FDJ seien wesensverwandte Organisationen, ist ein Schritt über die Grenze zur Merkbefreiung.

Tkalecs antikommunistische Kasperei besitzt eine ähnliche Qualität wie die beliebte Deutung Sozialismus = Faschismus: Die NSDAP war eine sozialistische Partei, denn sie hieß Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei. Also sind Sozialismus und Faschismus gleich.

Tatsächlich, liebe Leser, solche irrwitzigen Ableitungen sahen wir des öfteren. Die Analogie HJ - FDJ - HDJ paßt sich diesem Niveau an. Sie wird nicht der letzte geschichtsrevisionistische Schwachsinn bleiben. Irgendwie muß es doch zu schaffen sein, DDR und Drittes Reich zu einem ideellen Gesamtbösen zu verschmelzen.

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