Volltrunken an der Tastatur

Geschrieben von messitschbyburns am 07. April 2009 | DDR, Medien, Wick


Zur 300. Folge der Serie Polizeiruf 110 spuckt Klaudia Wick heiteren Mumpitz aus ihrem jungfräulichen Hirn. Unter der launigen Überschrift “Volltrunken auf Westreise” erfindet sie:

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Der erste Polizeiruf 110 hieß “Der Fall Lisa Murnau. Das weiß, wer sich für die Geschichte des DDR-Fernsehens interessiert. Wer nicht — was kein Makel ist –, für den besteht keine Pflicht, dummes Zeug zu schwätzen. Die Blamage würde geringer.

Doch Wick dampfplaudert munter weiter:

“Die ‘Landeier’-Filme des WDR mit Publikumsliebling Inge Meysel als Oma Kampnagel machten die Reihe populär […]”

Inge Meysel spielte ihre Rolle als schrullige Alte zwischen 1995 und 1997. Schon 1994 wurden Ben Becker und Otto Sander für die Folge “Totes Gleis” mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet. Vermutlich, um die Popularität der Serie anzukurbeln.

Noch früher, als Oberleutnant Fuchs (Peter Borgelt) und Leutnant Arndt (Sigrid Göhler) ermittelten, lag die Einschaltquote bei über 50 Prozent, und 35 Länder erwarben Sendelizenzen für die Serie. Von Popularität keine Spur.

Denn erst mit Inge Meysel ging die Party los:

“Von Katrin Saß bis Angelica Domröse reichte die Liste der Schauspieler, die für den TV-Polizeidienst verpflichtet wurden, weil man sie hüben wie drüben als Stars kannte.”

Hüben und drüben sind Wicks persönlicher Slang für die BRD und das Unaussprechliche, das man in ihrem rechtskonservativen Häkelkränzchen mit dem Satz “Geh doch nach drüben” umschrieb.

Katrin Saß, die 1994 in den Polizeiruf einstieg, erzählte später vom sensationellen Grad ihrer Bekanntheit als Star, nicht nur drüben, sondern auch hüben:

“Meine Karriere brach einfach ab. Ich musste 1990 erstmal sehen, wovon ich lebe. Mein erstes Angebot war dann eine Nebenrolle im Tatort mit einem Satz. Der West-Drehstab dachte: ‘Wer kann das schon sein?’ Man kannte uns ja nicht. Damals bin ich mit Magenschmerzen dorthin gefahren, und ich hatte auch wirklich nur den einen Satz zu sagen: ‘Ich bin hier die Putzfrau, ich wohne hier.’ Es ging mir saudreckig danach.”

Man erinnert sich bis heute an die roten Teppiche, die Publikums- und Jurypreise und die Stapel mit den Drehbuchangeboten für Katrin Saß. Das hat sie wohl verdrängt.

Sie sollte Klaudia Wick anrufen. Die erklärt, wie’s wirklich war.

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