The Money Or The Gun
“Stairways To Heaven”
(p) 1992, Australian Broadcasting Corporation

Bei allem Respekt vor diesem Jahrhundertsong: Led Zeppelins “Stairway To Heaven” ist längst totgenudelt. Manchmal gibt es aber ein Leben nach dem Tod — wenn ein Song gecovert wird und die Coverversionen ein Ausbund grotesker Parodie oder pure Freude sind. So geschehen bei “Stairway To Heaven”.
Ende der 80er Jahre hatte ein australischer Produzent die Idee, jede Folge der australischen TV-Serie The Money Or The Gun mit einer anderen Version von “Stairway To Heaven” zu beglücken. Er lud australische Bands, Sänger, Schauspieler und Comedians ein; quer durch alle Genres. Und die bedankten sich mit 22 launigen Interpretationen.
Ohne übergroßen Respekt, aber mit viel Liebe und Begeisterung zerdengelten sie die Übermutter aller Kuschelsongs. Am Ende stand ein 22facher Potpourri aus
- B-52’s
- Bananarama
- Barjazz
- Beatles
- Bluegrass
- Blues
- Broadway
- Cabaret
- Comedy
- Doors
- Elvis
- New Wave
- Oper
- Postpunk
- Reggae
- Sixties
- Swing
Allein der köstliche “When The Music’s Over/The End/Riders On The Storm”-Mix der Australian Doors Show, der mit einem krachenden Jim-Morrison-Schrei beginnt, ist sein Geld wert. Oder der rotzige Blues von Nick Barker, der an die Beasts of Bourbon erinnert. Oder die laszive Barjazz-Nummer von Helen Jones, die ihren Part scheinbar auf einem Piano liegend hinhauchte, mit einem Whiskeyglas in der Hand. Oder der Klamauk von Rolf Harris, der “Stairway To Heaven” in einen Kinderspaß mit Wobble Board verwandelt, einem von ihm erfundenen Instrument, das wie ein hüpfendes Känguru klingt. Oder die zum Broadway-Musical aufgepumpte Version von Jodie Gillies. Oder die Bluegrass-Banjos der Fargone Beauties. Oder die große Cabaret-Stimme von Judi Connelli. Oder oder oder …
Eine Coverversion klingt verdächtig nach “Love Is In The Air”. Kein Wunder: Der 1992 selbst in seiner australischen Heimat vergessene John Paul Young taucht hier wieder auf und zitiert seinen einzigen Welthit. Es spricht für die Klasse von “Stairway To Heaven”, daß man auch bei dieser suspekten Kombination seinen Spaß hat.
Die CD wird gekrönt vom voluminösen A-Capella-Gesang des Sydney Philharmonia Choir. Zum Schluß rezitiert Leonard Teale, der australische Radio-“Superman” der 50er Jahre, den kompletten Songtext mit tiefer und warmer Märchenonkelstimme als Gute-Nacht-Geschichte. Den Text kann man im Booklet mitlesen, von “There’s a lady who’s sure” bis “and she’s buying a stairway to heaven.”
Oder mitsingen. Bei “Stairway To Heaven” als entspanntem Reggae. Oder als nervösem B-52’s-Zappler. Oder als charmantem Bananarama-Wannabe. Oder oder oder …
The Money Or The Gun ist im Handel längst vergriffen. Auf Flohmärkten sollte die CD aber noch zu haben sein. Sofort zugreifen.
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