Bowiemania
Une collection obsessionnelle de Béatrice Ardisson
(p) 2007, Naïve

Oh la la! Was für eine Leichtigkeit! So klingt Frankreich! — könnte man beim Hören der CD rufen, sich ein Baguette unter den Arm klemmen und mit einer Gauloise im Mundwinkel durch das Zimmer hüpfen. Denn diese Kollektion ist so entspannt und lebensfroh, daß sämtliche Klischee-Detektoren gleichzeitig klingeln. Na und? Lassen wir sie klingeln!
Die französische Sounddesignerin Béatrice Ardisson überreicht David Bowie, der am 8. Januar 2007 seinen 60. Geburtstag feierte, als leicht verspätetes Geschenk den Sampler Bowiemania.
Und der hat es in sich.
Die Titel-Auswahl ist stimmig, aber da kann man kaum etwas falsch machen. Mit Bowies pompösem Backkatalog an Greatest Hits und legendären Songs ließe sich ein Dreifachalbum füllen, ohne danebenzugreifen.
Was einen wirklich berührt, ist die überwiegend sanfte und lockere Annäherung der Künstler an David Bowie. Das ganze Album atmet die neugierige und fröhliche Atmosphäre des Films Die fabelhafte Welt der Amélie. Es ist ein Fest für die Ohren — und die Augen, denn die CD steckt in einer wundervollen Verpackung. David Bowie schaut als gestrichelter Aladdin Sane durch eine ausgestanzte Blase, die sich auf der Rückseite in einen Ballon verwandelt, auf dessen Hülle die Songs und Künstler notiert sind. Die Plattenfirma, die sich ein solch opulentes Coverdesign leistet, heißt Naïve. Und nicht EMI.
Deutsche Hörer werden nicht alle französischen und belgischen Künstler kennen, die Béatrice Ardisson für ihre Sammlung auswählte. Am ehesten Yann Tiersen, der mit The Divine Comedy ein herrlich pathetisches “Life On Mars” zelebriert.
Aber der Bekanntheitsgrad spielt keine Rolle. Gleich zu Beginn öffnet sich das Herz, wenn Emilie Simon mit zuckersüßem Gesang ihre “Space Oddity” schmachtet. Und diese luftige, verspielte Stimmung durchwebt alle Songs auf Bowiemania.
Medi & The Medicine Show reduzieren “Rebel Rebel” auf Gitarre, Händeklatschen und Lagerfeuerromantik. Microsillon schnappen sich “This Is Not America” und fegen damit als Rumba übers Parkett. Cocosuma wispern herzallerliebst “The Man Who Sold The World”. Rhonda Harris wischen mit Jazzbesen und verhangener Gitarre über “China Girl”. Die Finger schnipsen von allein im Takt. Merci, Madame Ardisson!
Selbst härtere Coverversionen wie das stampfende, elektronische “Fashion” von Botox fügen sich in Bowiemanias frühsommerliche Beschwingtheit ein. Was auch daran liegt, daß alle Künstler dicht an Bowies Originalen bleiben. Das kann man monieren, wenn man beim Stichwort “Coverversionen” John Zorns Dekonstruktionen erwartet. Wenn nicht, ist diese Nähe sehr angenehm.
Auf dem Booklet endet die Titelfolge mit dem von Arno & Beverly Jo Scott französisch gesungenen “Jean Baltazaarr/Jean Genie”. Aber da kommt noch was. Wer seinen Player lange genug laufen läßt, hört den Hidden Track “Space Oddity” vom Langley Schools Music Project. Dann ist aber wirklich Schluß. Leider.
Und noch ein dicker Pluspunkt: Zwischen den Titeln gähnen keine sekundenlagen Pausen. Die Songs gehen fast nahtlos ineinander über. Endlich jemand, der auf diese nervigen Sekundenlöcher verzichtet. Merci beaucoup, Madame Ardisson!
Möge ein gnädiger Gott verhindern, daß Bowiemania einem Kaffeeplünderer wie Starbucks in die Hände fällt, um die Songs von morgens bis abends für die verstopften Gehörgänge seiner grenzdebilen Kundschaft aus FDP-Wählern und spätgebärenden Kollwitzplatz-Müttern zu dudeln. Perlen vor die Säue wäre das harmloseste, was uns dazu einfiele.
1 Kommentar ↓
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