Pro Reli: Gott sagt nein

Geschrieben von messitschbyburns am 27. April 2009 | Pro Reli


Oh Gott! Was für eine Sensation!

Ja zu Religion als Pflichtfach: 48,5 Prozent
Nein zu Religion als Pflichtfach: 51,3 Prozent

48,5 Prozent Ja-Stimmen entsprechen 14,2 Prozent aller Wahlberechtigten. Das Quorum von 25 Prozent der Ja-Stimmen, das für einen erfolgreichen Volksentscheid erforderlich wäre, wurde meilenweit unterschritten.

Abgestimmt haben 29,2 Prozent der Wahlberechtigten — 6,9 Prozent weniger als beim Tempelhofer Schmierentheater.

Das Scheitern des Volksentscheids war in dieser Eindeutigkeit nicht zu erwarten. Geradezu spektakulär ist aber die Mehrheit der Nein-Stimmen. Die Pro-Reli-Kampagne besitzt in Berlin keinen Rückhalt. Nicht einmal als ideeller Sieger, der mit einer Mehrheit der Ja-Stimmen nur über das Quorum stolperte, kann sie sich verkaufen. Die Kampagneros sind blamiert bis auf die Knochen.

Pro Reli war vermutlich teurer, mit Sicherheit aber dreckiger, infamer und verlogener als die Tempelhofer Nostalgieshow. Die Attacken von Springer und Holtzbrinck gegen Senat und Pro Ethik könnten Lehrbeispiele für Demagogie, Lüge und Manipulation werden.

Und sie dürften Medienwissenschaftler mit Stoff für umfangreiche Analysen versorgen: Trotz irrwitziger Dauerbefeuerung aus sämtlichen Redaktionen gelang es Springer und Holtzbrinck nicht, die Meinung der Berliner im Sinn der CDU-FDP-Kampagne zu beeinflussen.

Jetzt stehen die Propagandisten des klerikalen Rollback wie Vollidioten da. Besonders Malte Lehming, der Chefsudler der Holtzbrinck-Prawda. Wäre er ein Ehrenmann, würde er sich heute vom Funkturm stürzen. Doch Hetzer haben keine Ehre.

In den nächsten Tagen werden wir Artikel lesen dürfen, in denen man uns erklären wird, daß es nur so und nicht anders kommen konnte. Vielleicht von den gleichen Redakteuren geschrieben, die noch vor ein oder zwei Wochen versuchten, das Pflichtfach Ethik niederzuknüppeln. In der Berliner Presse ist der Wendefaktor besonders hoch.

Halten wir als Ergebnis dieses denkwürdigen Tages fest: Gott möchte keine Erstklässler zwingen, den Religionsunterricht als Pflichtfach zu besuchen. Wir schließen uns seiner Meinung an und schenken den unterlegenen Freunden des Übersinnlichen ein Lied, zum Trost und zur Erbauung:

Wenn der Herrgott net will, nutzt es gar nix,
Schrei net rum, bleib schön stumm, sag es war nix.
So war’s immer, so bleibt es für ewige Zeit,
Einmal ob’n, einmal unt’, einmal Freud’, einmal Leid.

Wenn der Herrgott net will, nutzt es gar nix,
Sei net bös, net nervös, denk es war nix.
Renn’ nur nicht gleich verzweifelt und kopflos herum,
Denn der Herrgott weiß immer warum.

Und damit soll’s genug sein. Die nächsten Volksentscheide dämmern schon am Horizont: Tegel darf nicht sterben! Keine Einheitsschule für Berlin! Pro Reli!

Pro Reli? Ja, Pro Reli. Die fairen Verlierer überlegen, ob sie vor Gericht eine Wiederholung des Volksentscheids erzwingen wollen. Angeblich hätte eine Anzeige des Senats, die trotz nächtlicher Anordnung des Gerichts in einigen Tageszeitungen veröffentlicht wurde, weil der Druck nicht mehr zu stoppen war, das Ergebnis zuungunsten der Pro-Reli-Kampagne verfälscht.

Wirklich, liebe Leser: Das haben wir uns nicht ausgedacht. The Show must go on.

Ach, nähmen sich die Gläubigen doch Hans Moser zu Herzen:

Wenn der Herrgott net will, nutzt es gar nix,
Schrei net rum, bleib schön stumm, sag es war nix …

5 Kommentare ↓

#1 Tim am 27.04.09 um 03:09

Erleichterung!
Auch wenn’s mich im schönen Niedersachsen nicht betrifft, bin ich sehr froh über diese Entscheidung der Berliner. Dass all die sündhaft teure Propaganda, all die prominenten Gesichter, all die Hetze und all das Neusprech im Endeffekt nichts bewirkt haben lässt hoffen.

Dass trotz all der eben aufgezählten Anstrengungen EINE Anzeige des Senats die Abstimmung verfälscht haben soll ist zu lächerlich um es in Worte zu fassen.

#2 admin am 27.04.09 um 08:31

Gestern hieß es von Seiten der Verlierer, das schöne Wetter sei schuld. Zu viele Berliner hätten im Park gegrillt, statt zur Abstimmung zu gehen.

Dieses Argument träfe aber eher auf die eigenen Anhänger zu. Denn die Gegner sind ja hingegangen, trotz Sonnenschein.

Und außerdem: Wer macht das Wetter? :)

#3 Thomas Ebert am 27.04.09 um 16:13

Pro-reli gescheitert und das ist gut so!
Ebenso wie psyikalisches Opium nichts an Schulen verloren hat, ebenso ist psychologisches Opium zu verbannen! Religion ist eine den Kindern von ihren Eltern aufoktruierte Sache und gehört nicht an die Schulen. Gekreuzigte, Rosenkränze, Kopftücher usw. gehören nicht in Schulen!
Übrigens habe ich immer schönes Wetter wenn ich Urlaub habe : Der liebe Gott verlässt einen guten Kommunisten nicht!

#4 Kommissario am 28.04.09 um 00:04

Einfach nur: Glückwunsch nach Berlin.

#5 Rita am 29.04.09 um 12:26

Ich trank vor Freude einen Schnaps und prostete dem lieben Gott zu. Er zeigte Nachsicht. Aber ich befürchte: Die Kindergrabscher werden keine Ruhe geben und weiter versuchen, die Trennung von Kirche und Staat zu unterminieren. Sie wollen sich ihre Kirchensteuerzahler eben auf Teufel komm ‘raus und Staatskosten von Kindesbeinen an heranziehen. Wetten, dass die geistigen Väter des Misserfolges schon wieder auf rotweinrot getupften Teppichen in weihrauchgeschwängerten Hinterzimmern nach Möglichkeiten suchen, ihr Anliegen doch noch durchzusetzen? Irgendein Reicher, der sich durchs Nadelöhr gepresst hat, wird sich schon als nächster Finanzier finden. Gespannt bin ich dann, was Günther Jauch nach der verbrannten Freiheits-Floskel aufbieten wird. Da geht doch nix mehr drüber.
Doch. Es lebe die Freiheit, einfach Mensch sein zu können!

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