Kreuzberg soll brennen

Geschrieben von messitschbyburns am 30. April 2009 | BILD, Berlin, CDU, Tagesspiegel


In den letzten Jahren blieb es in Berlin am 1. Mai relativ ruhig. Verglichen mit früheren Straßenschlachten, kullerten nur noch ein paar Steine durch die Gegend. Keine besonderen Vorkommnisse.

Die Befriedung der Maikrawalle wurmt die konservative Meute. Ohne Straßenschlachten keine neuen Polizeigesetze, keine schärferen Strafen, schnelleren Urteile und härteren Repressionen gegen Linke. Das muß sich ändern.

Um sich 2009 wieder an brennenden Barrikaden und einer zünftigen Polizeihatz zu erfreuen, heizen die Sprachrohre fortgeschrittener Verblödung die Stimmung an.

Beim Berliner Kurier, dem Schwesterblatt der Berliner Zeitung, sogar im Wortsinn:

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Springers Welt fragt scheinheilig:

“Wie heiß wird der 1. Mai 2009 in Berlin?”

Springers BILD kennt die Antwort:

“Linksradikale kündigen schwere Krawalle an. Schlimmste Mai-Krawalle seit Jahren befürchtet.”

Springers B.Z. weiß auch Bescheid:

“Linke droht mit Gewaltexzessen”

Springers Morgenpost ebenfalls:

“Für den 1. Mai stehen die Zeichen auf Gewalt”

Auch die Holtzbrink-Prawda bereitet Berlin penibel auf den Kampftag vor:

Polizei steht schwierigster 1. Mai seit Jahren bevor”

Autonome wollen mit Hooligans randalieren”

Gewaltaufrufe gegen die Polizei”

Innensenator flüchtet vor Autonomen”

Und was sagt der flüchtende Innensenator?

“Ich [gehe] nicht davon aus, dass es zu mehr Krawallen am 1. Mai kommen wird […] Ich bin überzeugt, dass unser Einsatzkonzept der ausgestreckten Hand auch dieses Jahr funktioniert.”

Das wäre ja schrecklich.

Aber einer will für Stimmung sorgen: Kurt Wansner, ein rabiater Kreuzberger CDU-Abgeordneter, der politisch so weit rechts steht, daß Gerhard Löwenthal neben ihm als Kommunist gelten würde, plant am 1. Mai eine Demonstration mit CDU- und Deutschlandfahne in der Kreuzberger Oranienstraße.

An diesem Tag werden zwei revolutionäre Demos durch die Oranienstraße ziehen. Was anschließend von Wansners Deutschlandfahne übrig bleibt, kann man in der Pfeife rauchen. Der Polizeipräsident hat Wansners gezielte Provokation untersagt, doch Wansner erklärte schriftlich, das Verbot zu ignorieren.1

Das ist der Unterschied zwischen der Antifa und dem konservativen Pöbel: Die Antifa meldet ihre Demos ordentlich an und hält sich an die Absprachen mit der Polizei, solange die Polizei nicht spontan die Route ändert oder kürzt. Der Abgeordnete der CDU scheißt auf die Entscheidung des Polizeipräsidenten und will provozieren, bis es kracht.

Am 2. Mai, nach der Entlassung Wansners aus der Notaufnahme, kann sich die Gossenpresse wie geplant echauffieren: “Autonome drohen der Berliner CDU.”

Ach nein, geht nicht mehr. Das schrieb schon Springers Morgenpost am 28. April, in vorauseilender Sorge um das Wohl ihres Agent Provocateur.

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Der Fahnenschwenker und Kohls Mädchen

  1. Man stelle sich vor, die Kommunistische Plattform der Linken würde ein Demoverbot nach der Methode Wansner handhaben. BILD, Welt und Tagesspiegel wären drei Tage lang entrüstet. []

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