Liebe Kinder, seid ihr alle da?
Ja!
Wollt Ihr die Geschichte hören, wie Klaus Uwe Benneter zum Rechenkünstler wurde?
Nein!
Dann will ich sie euch erzählen.
Klaus Uwe war früher mal links. “Benni Bürgerschreck” wurde er genannt, 1977, als Donna Summer “I Feel Love” stöhnte, Paul McCartney “Mull of Kintyre” schmachtfetzte und Benni aus der SPD flog, weil er als Anführer der Jungsozialisten den Stamokap prima fand. Das ist ganz lange her, liebe Kinder.
1983 durfte er wieder bei der SPD mitmachen. Der Schröder Gerd konnte das deichseln, sein Nachfolger als Juso-Chef. Das hat Klaus Uwe dem Gerd nie vergessen und später, als kleiner Dank, alle seine Hartz-Gesetze — also das Gegenteil des Stamokap — prima gefunden.
Heute steht Klaus Uwe ziemlich rechts. Nicht ganz rechts, aber ganz schön rechts. Und wie es sich für einen Rechten geziemt, verachtet er die Linken, obwohl er selber einer war und sich dann auch verachten müßte; aber dieses Phänomen, liebe Kinder, erklärt euch euer Psychologe, wenn ihr erwachsen seid.
Weil Klaus Uwe in Berlin wohnt, mußte er lange unter dem rot-roten Senat leiden. Das heißt, nur unter den dunkelroten Gesellen der Partei Die Linke, nicht unter den blaßroten Kollegen seiner SPD. 2006, als in Berlin gewählt wurde, hätte er die SPD lieber mit den Grünen verheiratet, doch auf Klaus Uwe wollte keiner hören. Wie immer.
Aber jetzt kommt seine Stunde.
Am 4. Mai sagte die SPD-Abgeordnete Canan Bayram ihrer Partei Lebewohl und wechselte zu den Grünen. Ihr Mandat nahm sie zu den Grünen mit, obwohl 28 Prozent der Wähler des Stadtbezirks Friedrichshain-Kreuzberg ihre Stimme der SPD-Kandidatin Bayram gaben, nicht der Kandidatin der Grünen.
Doch was will man machen. Das Mandat klebt unlösbar an ihrem Hintern. Das müßt ihr verstehen, liebe Kinder. Diäten und Alterversorgungen wirft man nicht einfach weg.
Wißt ihr eigentlich, wie lange ein Parteiwechsel dauert? Canan Bayram stellte am 4. Mai 2009 einen Antrag auf Aufnahme in die Abgeordnetenhausfraktion der Grünen. Die sagten am 5. Mai 2009 okay. Das sind … na? 24 Stunden.
Der Abgang seiner gewesenen Parteifreundin stimmte Klaus Uwe nicht unbedingt traurig. Er ließ sich von der Rheinischen Post befragen und gab einen klugen Rat:
“Jetzt ist die beste Gelegenheit, um das rot-grüne Projekt mit neuem Leben zu füllen. Wenn die Mehrheit für Rot-Rot weg ist, muss Wowereit das Experiment beenden.”
Das Experiment gibt es immerhin seit der Wahl 2001, als Diepgen aus dem Roten Rathaus gejagt wurde. Ein Langzeitexperiment, gewissermaßen.
Und nun, liebe Kinder, entdecken wir Klaus Uwes Wunderwelt der Addition.
Bis zum 3. Mai 2009 sah die Sitzverteilung im Berliner Abgeordnetenhaus so aus:

Könnt ihr lesen, welche Zahlen unter SPD und Die Linke stehen? 53 und 23. Das ergibt zusammen 76 Mandate.
Nun addieren wir die Zahlen der Opposition: 13 (FDP) plus 37 (CDU) plus 23 (Grüne) = 73. Wie groß ist die Mehrheit für SPD und Linke? 76 minus 73 = 3 Mandate.
Wir merken uns:
- Regierung SPD/Linke: 76 Mandate
- Opposition: 73 Mandate
- Regierungsmehrheit: 3 Mandate
Klaus Uwe sagt, die Mehrheit für Rot-Rot sei dahin. Rechnen wir gemeinsam nach.
Seit dem 5. Mai 2009 hat die SPD ein Mandat weniger (52), die Grünen haben eines mehr (24):
- Regierung SPD/Linke: 75 Mandate
- Opposition: 74 Mandate
- Regierungsmehrheit: 1 Mandat
Die Regierung besitzt nur noch eine Stimme Vorsprung, aber das ist immer noch die Mehrheit. Ob sich Klaus Uwe verrechnet hat?
Oder meint er eine Mehrheit für seine Lieblingsidee, eine Regierung aus SPD und Grünen? Rechnen wir wieder nach:
- Regierung SPD/Grüne: 76 Mandate
- Opposition: 73 Mandate
- Regierungsmehrheit: 3 Mandate
Rot-Grün hätte exakt die gleiche Mehrheit wie Rot-Rot vor Bayrams Fraktionswechsel. Damit stünde die rot-grüne Regierung aber vor der gleichen Situation wie die rot-rote: Wechselte ein Abgeordneter die Seiten, schrumpfte der Abstand wieder auf ein Mandat.
Alles wie gehabt.
Aber schön, daß Klaus Uwe mit der Rheinischen Post sprechen durfte. Wissen wir doch jetzt, daß er noch lebt. Und wenn er im Sommer nicht gestorben ist, spritzt er wieder fremde Menschen naß.
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