Annette Focks!

Geschrieben von messitschbyburns am 12. Juli 2009 | Immer wieder sonntags, Musik


Wir geben zu, Ihren Namen bis vor kurzem nicht gekannt zu haben, und wir vermuten, daß das kein Nachteil war.

Laut Ihrem Wiki-Eintrag beschäftigen Sie sich mit Filmmusik. Liest man Ihre Filmographie, scheinen Sie sich darauf zu kaprizieren, eine Hansi Zimmer für deutsche Tränendrüsen werden zu wollen, die mit bombastischem Getöse simple Gemüter in Wallung bringt.

Das kann uns egal sein, denn so psychisch degeneriert sind wir noch nicht, uns Ein fliehendes Pferd (Kritiker Hans-Ulrich Pönack: “Eine plärrende beleidigende Musik-Begleitung”) oder John Rabe anzusehen.

Doch neulich, als wir gelangweilt durch die TV-Programme zappten, blieben wir im ZDF an einem Ihrer Filme hängen — Ihrer Musik wegen. Genauer gesagt: Dem, was Sie als Ihre Musik bezeichnen.

Der Film heißt “Ein starker Abgang” und handelt nicht, wie der Name impliziert, von einem pupertären Wettbewerb weitwichsender Jüngelchen, sondern einem alten Mann und einer alten Frau, die sich zanken und dann doch vertragen. ZDF-genormter Schmalz, paßgenau produziert für die betagte Zielgruppe und auch nach dem Tod der Hauptdarstellerin Monika Bleibtreu nicht erträglicher.

Die Musik, die wir hörten, kannten wir. Nicht von Ihnen, von Neil Young. Zuerst dachten wir: Wow, das ZDF läßt sich nicht lumpen! Kauft die Rechte von Neil Young für eine 08/15-Gefühlsschmonzette! Wer hat, der hat!

Gespannt warteten wir auf den Abspann, um den Namen des Künstlers zu lesen. Doch Pustekuchen. Statt Neil Young nannte man Sie.

Nun werden Sie sagen, was alle sagen, deren musikalische Schöpfung sich mit den Werken anderer Komponisten deckt: Purer Zufall, ich habe Neil Young nie gehört, ich kenne diesen Mann gar nicht, wer ist das überhaupt …

Falls Sie trotzdem vergleichen möchten: Die Minuten 35:11-37:19 und der gesamte Abspann; im Original zu hören auf dem Soundtrack zum Film “Dead Man”, Titel Nr. 11, komponiert von Neil Young.

Neil Young beehrt Deutschland neuerdings im Halbjahrestakt. Lassen Sie sich beim nächsten Konzert ein Autogramm von ihm geben, auf das Cover von Dead Man, und fragen Sie ihn, wie er seine fabelhafte Filmmusik aufgenommen hat.

Oder hören Sie sich seinen Soundtrack stündlich an. Vielleicht lernen Sie eines Tages doch noch, daß Filmmusik nicht wie ein Werbespot für Persil klingen muß.

Viel Hoffnung machen wir uns aber nicht
Messitsch by Burns
 

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