The Langley Schools Music Project

Geschrieben von messitschbyburns am 16. Februar 2008 | Hörsturz


The Langley Schools Music Project
“Innocence & Despair”
(p) 2001, Basta Records

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Musikunterricht ist das Grauen. Gelangweilte Lehrer, die ihre Schüler für unmusikalische Banausen halten, und genervte Schüler, die ihre Lehrer als zweibeinige Blockflöten auslachen. Die Abneigung ist gegenseitig. Nicht nur in Deutschland; auch in Kanada. Aber dort gab es in den siebziger Jahren einen Mann, der die antiquierten Lehrpläne über den Haufen warf.

1974 bewarb sich der Gitarrist und Barmusiker Hans Fenger um einen Job als Musiklehrer in Langley, British Columbia. Der Grund war simpel: Seine Frau gebar 1972 einen Sohn. Das Haushaltsgeld mußte jetzt regelmäßiger fließen.

Er wurde sofort eingestellt, und es begann ein Wunder: Fenger schaffte es, seine Schüler zu begeistern. Nicht nur in einer Schule, denn er mußte zwischen drei Schulen in Langley pendeln. Dort unterrichtete er unorthodox, aber erfolgreich:

“I used no professional techniques, no music theory. I tried to impart a musical feel. From the first lesson, I had them play and sing songs. And the really got into it.”

“I had them play and sing songs” bedeutete: Keine Kinderlieder.

“I never liked conventional ‘children’s music,’ which is condescending and ignores the reality of children’s lives, which can be dark and scary. This children hated ‘cute.’ They cherished songs that evoked lonelines and sadness.”

Hans Fenger organisierte einfache Instrumente: Gitarre, Schlagzeug, Baß, Xylophone, Tambourins, Becken, Klanghölzer und ein Klavier. Er lud die neun- bis zwölfjährigen Kinder zum gemeinsamen Musizieren in eine der drei Schulen ein — und sie kamen. Insgesamt waren 150 Schüler an den späteren Aufnahmen beteiligt.

Mit Unterstützung seines 60jährigen Kollegen Pat Bickerton, der mit seiner Seriosität und der Autorität seines Alters für die Zustimmung der Vorgesetzten sorgte, schuf Fenger zwischen 1976 und 1977 das, was heute als einzigartiges Tondokument vorliegt: Innocence & Despair.

Während der Sessions sangen und spielten sich die Kinder so inbrünstig und enthusiastisch durch ihr Repertoire, daß einem noch heute die Gänsehaut in wohligen Schauern über den Rücken läuft. Auch, weil das Repertoire keineswegs schlicht war:

  • Barry Manilow
  • Bay City Rollers
  • Beach Boys
  • Beatles
  • David Bowie
  • Eagles
  • Neil Diamond
  • Paul McCartney
  • Phil Spector
  • Stevie Nicks

Die Aufnahmen klingen bis heute keinen Deut schwächer. Fenger wußte:

“The kids had a better grasp of what they liked — emotion, drama, and making music as a group (…) They had élan.”

Sie beherrschten die gesamte Spannbreite der Gefühle. Im Teenie-Heuler “Saturday Night” der Bay City Rollers wird hemmungslos geklatscht, gestampft und geschrien, während die neunjährige Sheila Behman ihr Solo in “Desperado” mit feierlichem Ernst zelebriert.

Wenn die Kinder in “Space Oddity” den Countdown zählen, dann mit herrlichem Lärm ungefähr gleichzeitig ihre Instrumente einsetzen, einer von ihnen mit voller Kraft auf die große Trommel haut und ein anderer seine Becken konstant eine Sekunde zu spät scheppern läßt, dann gibt es dafür nur ein Wort: Großartig.

Denn hier wird nichts getrickst oder von Studioprofis geglättet. Hier stehen Kinder in der Aula einer Schule in Langley, British Columbia, und glühen vor Freude.

Der Elan, den Hans Fenger entzündete, macht die Produktionen zeitlos. Aufgenommen mit einfachstem Equipment, in einer Aula, ohne Publikum. Die Kinder waren ganz bei sich. Wer 1976 in Langley bei Hans Fengler am Musikunterricht teilnehmen durfte, wird sich wohl heute noch glücklich schätzen.

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