AC/DC
Black Ice World Tour
13. Mai 2009
Leipzig, Zentralstadion
Live sind sie eine Macht. 51.000 (nach anderen Meldungen 59.832) Fans im Zentralstadion, bei einer offiziellen Kapazität von 44.345 Zuschauern. Jesus konnte über Wasser laufen, AC/DC dehnen das Fassungsvermögen einer Fußballarena.
Mehrere zehntausend Menschen auf dem Weg nach Leipzig. Vergnügte Familien in Kleinwagen und Vans, bierselige Fanclubs in klimatisierten Bussen. AC/DC-Sticker an Stoßstangen, AC/DC-Blitze auf Gesichtern, AC/DC-Fahnen an Heckscheiben. Mutter, Tochter und Enkelkind winken in Black-Ice-Shirts aus dem Autofenster.
Die A9 war dicht wie bei einer Mobilmachung. Ab Schkeuditzer Kreuz nur noch Stop and Go. Am Rand der A14 blinkte ein fürsorglicher Verkehrshinweis: “Zum Konzert Abfahrt Leipzig-Mitte”. Danach halfen keine Schilder mehr. Stau von der Neuen Messe bis zum Zentralstadion. Straßenbahnen proppenvoll bis zur Oberkante. An jeder Haltestelle großer Jubel: “Hier wollen noch fünfzig Leute rein, rückt mal zusammen, hehe.”
Denn nichts konnte die aufgekratzte Stimmung trüben. Wer eine Karte besaß, hielt sie fest und strebte glücklich lächelnd zum Stadion. Die Sonne schien. Vorfreude summte über der Stadt. Christen verteilten eine Broschüre über AC/DC als Botschafter Satans. Im westlichen Waldstraßenviertel ruhte der Durchgangsverkehr.
Leipzig erwartete sich ein Fest.
Natürlich könnte man sagen: Es ist vollkommen irre, mehr als vier Stunden bei ballernder Sonne auf der Autobahn von Berlin nach Leipzig zu juckeln, um sich wegen einer betagten Band in ein Fußballstadion zu setzen. Angus Young (54), Malcolm Young (56), Brian Johnson (61), Cliff Williams (59) und Phil Rudd (54) sind zusammen 284 Jahre alt.
Zwischen ihrer letzten und vorletzten CD lagen acht Jahre. Die letzte Europatour als Top Act (und nicht als Vorband, wie 2003 für die Rolling Stones) endete 2001. Eigentlich müßten sie erledigt sein. Aus dem Gedächtnis der alten Fans gelöscht und beim Nachwuchs nicht mehr ins Hirn gedrungen. Vergessen wie hunderte anderer Bands ihrer Generation, die nur noch als Paketlösung mit ähnlich Lahmen und Siechen auf Festivals lokaler Rundfunksender oder als Einzelkämpfer in Clubs und kleinen Hallen spielen. Bands wie Uriah Heep, die in ihren Glanzzeiten größte Arenen füllten und heute als Rumpftruppe durch die Unterwelt tingeln müssen.
Doch AC/DC kehrten mit einem Knall auf die Bühne zurück.
Vorhersehbar war dieser Knall nicht. Bands wie AC/DC gab es, gibt es und wird es immer geben. AC/DC haben nichts erfunden und nichts revolutioniert. Ihre Fähigkeiten sind beschränkt, Angus Young ausgenommen. Sie sind Dinosaurier, sture Hard Rocker. Vermutlich sind sie die letzten sturen Hard Rocker, denen Millionen Fans weltweit zu Füßen liegen.
Sehen wir es so: Es gibt Dinge zwischen Proberaum und Ladenkasse, die man nicht rational erklären kann. Auch das ist ein Grund, weshalb die traditionelle Musikindustrie stirbt. Ein Hit ist wohl kalkulierbar; die Liebe der Massen zu einer Band ist es nicht.
Vielleicht übt die brachiale, fast tribalistische Melange von AC/DC aus Rock, Blues und Boogie eine ähnlich faszinierende Wirkung auf Männer aus wie die ritualisierten Balztänze alter Kulturen, die mit dumpf dröhnenden, rhythmisch geschlagenen Trommelhölzern zum archaischen Springen und Stoßen um die Tochter des Schamanen rufen, Mann gegen Mann, vor einem lodernden Feuer, aus dessen knackenden, trockenen Scheiten kleine Glutwolken in den Nachthimmel stieben.
Denn machen wir uns nichts vor: Der minimalistisch strukturierte Hard Rock von AC/DC ist pure Männermusik. Über dem Stadion schwebte eine Wolke aus Testosteron und Männlichkeit. Man hätte diese Wolke in Büchsen füllen und an Samenbanken verteilen sollen. Jede Eizelle, die man in einen Wolkenfetzen tauchte, würde mit Fünflingen befruchtet.
Damit sollen die in Leipzig überraschend zahlreich anwesenden Frauen nicht aus dem AC/DC-Zirkel verbannt werden. Kein Fankreis ist wirklich geschlossen. Man hört auch von heterosexuellen Männern, die Andrè Rieu verfallen sind. Aber die Welt von AC/DC umkreist seit 1973 exakt zwei Lebensinhalte: Ficken und Saufen. Das bringt ihnen wenig Sympathiepunkte bei Alice Schwarzer.
Passenderweise wurde das Bier im Stadion nicht nur in 0,4er Bechern ausgeschenkt. Wer sich schnell betrinken wollte, konnte eine Literkanne kaufen, für acht Euro plus zwei Euro Pfand. Das war ein Euro billiger als zwei Becher á 0,4. Da freute sich der Mann, setzte den Henkelmann mit beiden Händen auf die Unterlippe und ließ es laufen. Auf den gesparten Euro warteten -zig Merchandisingstände; mit allem Kram, den der Fan nicht braucht, aber trotzdem kauft, von blinkenden Teufelshörnern für 10 Euro und einer aufblasbaren Rosie für 30 Euro bis zu T-Shirts für 20 bis 40 Euro.
Und so stiegen zu Beginn der Show die ersten schwankenden Gestalten, die beide Vorbands (Claudia Cane und The Answer) am Tresen überstanden hatten, vorsichtig die steilen Stufen hinab zu ihren Plätzen, den Litertopf mit kindlich strahlenden Augen fest umklammernd: Lieber ein Bein gebrochen als Bier verschüttet. Männer sind leicht zu beglücken.
Tatsächlich ist der Hard Rock von AC/DC Machismus bis zum Exzess. Dicke Eier, lange Schwänze, große Möpse, starker Whisky. Diskutiert wird auf Männerart: Ein paar aufs Maul und weitersaufen.
Das animierte Intro, mit dem AC/DC das Konzert einläuteten (hier als reine Filmversion, hier als Livemitschnitt aus Paris1), faßt ihre Männerwelt perfekt zusammen: Lange Schwänze, große Möpse, ein bißchen Fellatio, ein paar aufs Maul und zum Schluß ein ganz großer Rumms mit viel Rauch und Trümmern. Was Männer eben mögen.
Das Intro wurde auf die Bühnenrückwand projiziert, und die Wirkung dieses kurzen Filmchens war phänomenal. Von den ersten Sekunden an rollte ein tosender Applaus durchs Stadion. Genau das wollte man sehen, das und nichts anderes.
Das Publikum sprang von den Sitzen und blieb stehen, volle zwei Stunden lang, bis zum letzten Knall des letzten Feuerwerkskörpers nach der letzten Zugabe. Es tanzte und hüpfte, schrie, sang, pfiff und brüllte, klatschte wie besessen, schüttelte die Arme und rief im Chor: An-gus Young! An-gus Young! Noch auf dem Heimweg in der Straßenbahn röhrte es aus allen Kehlen: Highway To Hell, Lala Lala La, Highway To Hell!
Unsere Begleiterin, die bei jedem Konzert dabei und deshalb sturmerprobt ist, kam aus dem Staunen nicht mehr heraus. Noch nie hatte sie erlebt, daß sich so viele Familienväter mit dicken Bäuchen so intensiv und ausdauernd bewegen können. Auch bei Motörhead nicht. AC/DC als zweistündiger Breitensport.
Als zum sekundenlangen Rumms am Ende der Animation die Bühnenscheinwerfer kreisten und die Nebelschwaden wallten, als sich aus dem Nichts eine Dampflok auf die Bühne schob und die Band Rock N’ Roll Train begann, steigerte sich der Applaus zum frenetischen, orkanartigen Jubel. Nicht zum letzten Mal an diesem Abend.
Dabei war die Bühnenshow nicht etwa bombastisch, eher effektiv. Abgesehen von der Dampflok, den gewaltigen Scheinwerfer-Batterien und den beiden seitlichen Türmen für Lautsprecher und Videowände, auf denen sich zwei teuflich rot leuchtetende Angus-Young-Mützen wie satanische Quallen im Abendwind bewegten, blieb der Bühnenaufbau sehr übersichtlich.
Am Bühnenhintergrund führten zwei kleine Rampen als Auf- und Abgang zu einer schmalen Brücke, auf der Angus Young über dem Kopf von Schlagzeuger Phil Rudd ein Solo spielen konnte, vorn ragte ein sehr langer Steg ins Publikum, bei Hells Bells senkte sich die Höllenglocke vom Bühnendach, und bei Whole Lotta Rosie rieb sich eine meterhohe Rosie mit Monsterbrüsten, für die Wörter wie Titten oder Möpse nicht gewaltig genug klingen, breitbeinig auf dem heißen Kessel der Dampflok — das war’s.
Reduced to the max, würden die Fernsehwerber sagen. Man hat nichts vermißt.
Denn bei AC/DC macht immer noch die Musik die Show. Und es ist eine Binsenweisheit, doch live wird sie eindrucksvoll bestätigt: Angus Young macht die Musik. Wenn er tot umfällt, hat sich’s mit der Band. Phil Rudd trommelt gediegen, Cliff Williams spielt seinen Bass solide und stoisch wie Harry Jeske selig, und auch Angus’ großer Bruder Malcolm füllt seine Funktion an der Rhythmus-Gitarre aus. Doch wenn es hart auf hart kommt, wären alle drei Musiker problemlos austauschbar (und sind es teilweise schon gewesen).
Selbst Brian Johnson ist nur ein Sänger und nicht die Seele der Band. Wir wollen jetzt nicht die alte Glaubensfrage aufwärmen, wer denn nun der wahre, echte oder bessere Sänger sei: Bon Scott oder Brian Johnson. Unsere Position: Bon Scott ist nicht zu ersetzen, so wenig wie Robert Plant und John Henry Bonham bei Led Zeppelin oder Keith Moon bei The Who. Wer anderer Meinung ist, trinke einen Whisky auf Brian Johnson. Wir möchten uns nur ungern wegen eines Sänger schlagen.
Brian Johnson trug seinen kleinen Bierbauch wie ein in Würde gealterter Gockel über die Bühne, breitbeinig, mit hochgezogenen Schultern und Rasierklingen unter den Achseln. Seine Eier waren die dicksten, so dick wie Straußeneier. Er trippelte wie eine o-beinige Potenzkanone über den Laufsteg ins Publikum. Ab und zu griff er sich herzhaft ans Gemächt, um zu prüfen oder zu sortieren oder sich einfach an sich selbst erfreuen. Dieses “Ich ficke alle”-Gehabe stand in einem etwas kuriosen Kontrast zur mechanischen Routine, mit der Johnson seinen Part abhakte. Johnson ist eine Rampensau, die über die Jahre zum Showmaster erstarrte. Äußerlich agil, aber ohne Ausstrahlung, ohne inneres Feuer.
Doch viel wichtiger sollte die Frage sein, ob die Stimme bis zum Ende durchhielt. Johnsons Probleme in der zweiten Hälfte der Konzerte sind seit langem bekannt. Es gab Auftritte, die er krächzend beendete. In Leipzig knödelte er seine halben Oktave unverändert bis zum Schluß, Gott sei Dank. Ein AC/DC-Konzert mit einem heißer gesungenen Brian Johnson dürfte keine große Erfüllung sein.
Das Zentrum ist und bleibt aber Angus Young. Er steht konsequent und zu Recht im Mittelpunkt. Und der spindeldürre Knochenmann erfüllt alle Erwartungen: Er trägt seine Schuluniform und hüppelt als Highspeed-Ente über die Bühne; er sprintet von rechts nach links und von links nach rechts und den langen Laufsteg hoch und wieder runter; er hetzt sich selbst und schwitzt und japst und spielt dabei seine manische Gitarre; er spielt sie im Laufen, Rennen, Stehen und Liegen; er strippt zu The Jack bis auf die schwarze Unterhose, zieht sich die Jacke durch die Oberschenkel und wedelt vorne mit dem Ärmel wie mit einem langen dünnen Schwanz; er greift Brian Johnson zwischen die Beine oder schiebt den Gitarrenhals hindurch; und er zerknautscht Let There Be Rock zur 20-Minuten-Version mit einem Gitarrensolo, das sich unaufhörlich aus sich selbst speist, eine endlos mäandernde, uferlose, selbstversunkene Abfolge von Akkorden, wie sie seit Jimmy Page und Alvin Lee nicht mehr Mode ist. Ein altmodischer, sturer Hard Rocker.
Dafür lieben ihn die Fans; sie hören andächtig dieses prähistorisch anmutende Solo, sie rufen seinen Namen und feiern Angus Young. Sie würden ihn auf Händen aus dem Stadion tragen, einmal rund um Leipzig, damit ein jeder wenigstens den Schuh berühren dürfe, in dem Angus Young seinen Fuß auf sächsischen Boden setzte, und sie trügen ihn bis zum Hotel oder Tourbus oder Flugzeug oder gleich bis zur nächsten Stadt, die auf dem Tourplan steht.
Doch so bitter es sein mag: Angus Young kann nicht sein Leben lang Ausnahmesongs komponieren. Er hat als Autor seine Zeit gehabt, das muß man nüchtern konstatieren. Und damit sind wir beim einzigen Kritikpunkt des Abends. AC/DC spielten fünf Songs der neuen CD Black Ice, und sie hätten auf alle fünf verzichten können. Zwar ist Rock N’ Roll Train ganz passabel, aber der Rest gehört in die Tonne; Deckel drauf und einen schweren Stein dazu.
Das Publikum raste vor Glückseligkeit, wenn Angus Young seine alten, genialen Riffs anschlug: Thunderstruck, Hells Bells, The Jack, T.N.T., Whole Lotta Rosie, Let There Be Rock, Highway To Hell und For Those About To Rock. Bei den neuen Songs wurde es im Stadion etwas leiser (wobei etwas leiser bedeutet: weniger laut).
Das lag nicht an der fehlenden Bekanntheit. Die CD ist lange im Handel, die Songs sind im Kopf. Doch das neue Material ist schlicht und einfach flau. Am drastischsten zu hören in Anything Goes, einem flotten Tanzstück, das Brian Johnson singt, als bewerbe er sich damit bei Nazareth.
Das soll nicht heißen, das Konzert wäre auch nur für einen Wimpernschlag mäßig gewesen. Nein, es war ein unerwartet glänzender Abend, unwirklich und wie aus der Zeit gefallen. Altgediente Fans, die der Band seit Jahren nachreisen und auch das Leipziger AC/DC-Konzert am 5. März 2009 erlebten, erzählten ungläubig, daß die Show im Zentralstadion bei weitem besser, größer, gewaltiger, schöner und geiler gewesen sei als der Auftritt vor zehn Wochen in der Arena Leipzig.
Vielleicht hat das die Band auch so empfunden und zum Dank einen Extrasong gespielt: Dog Eat Dog steht nicht auf jeder Setlist der Europatour.
Fotos unserer sensationellen Multispektralkamera, mit der man auch telefonieren kann:

Bühne und Laufsteg bei Tageslicht (mit der Vorband The Answer). Während seines Solos in “Let There Be Rock” rannte Angus Young gitarrespielend von der Bühne über den Laufsteg bis in den weiß verhangenen Boxring am rechten Bildrand, wurde mittels Hebebühne nach oben gefahren und spielte zwischen den Seilen weiter. Dann fuhr man ihn wieder runter, und er rannte aus dem weißen Boxring zurück auf die Bühne. Während der ganzen Zeit hörte er keine Sekunde auf, zu spielen.

Die Bühne mit der Dampflok. Wenn man ganz genau hinsieht, erkennt man vor der Dampflok die kleine Brücke, auf der Angus Young sein Solo spielte.

Auf der linken Videowand sieht man den Rücken von Angus Young. Bei genauer Betrachtung kann man Angus Young auch in der Mitte der Bühne sehen, als ameisengroßen Punkt vor dem Laufsteg.

Am Licht wurde nicht gespart, an der Lautstärke auch nicht. Die Lautsprecherbatterien rechts und links neben der Bühne sorgten für prickelndes Ohrenklingeln, das bis zwei Tage nach dem Konzert anhielt.

Die Finger von Angus Young. Wenn der Boden nicht gebebt und der Nebenmann nicht getobt hätte, wäre dieses Foto nicht verwackelt, und man könnte sehen, welchen Akkord Angus Young greift. Leider wissen wir nicht mal mehr, welchen Song er hier spielte.
Die Setlist, wie immer ohne Gewähr:
- Rock N’ Roll Train
- Hell Ain’t A Bad Place To Be
- Back In Black
- Big Jack
- Dirty Deeds Done Dirt Cheap
- Shot Down In Flames
- Thunderstruck
- Black Ice
- The Jack
- Hells Bells
- Shoot To Thrill
- War Machine
- Dog Eat Dog
- Anything Goes
- You Shook Me All Night Long
- T.N.T.
- Whole Lotta Rosie
- Let There Be Rock
- Highway To Hell
- For Those About To Rock (We Salute You)
- Mit etwas Phantasie hört man in der Filmversion zwischen 1:33 und 1:40 die ersten Takte von Highway To Hell, wenn die Kamera zu den giftig zischenden Eisenrädern schwenkt. Das kann aber auch ein dummer Zufall sein oder einfach nur Einbildung. [↩]
5 Kommentare ↓
Danke, Jürgen! Noch immer weiß ich nicht, ob ich was verpaßt habe oder nicht.
Lange Zeit habe ich die Theorie vertreten, daß es auf der einen Seite Bands gibt, die immer das Gleiche machen, und daß es Bands gibt, die mit etwas mehr Kreativität zu Werke gehen. Beide Vorgehensweisen ermöglichen lange und erfolgreiche Karrieren. In die Kategorie 2 gehören z.B. Cure, die von mir überaus hoch geschätzten Paradise Lost und The Cult, Bob Dylan und The Fall. Gelegentlicher musikalischer Wagemut, der auch in Leichtsinn und Verfehlung umschlagen kann, hält diese Künstler interessant. Die Freude am Experiment und das Erstaunen oder Verzweifeln am Ergebnis treibt einen an die Ladenkasse oder zum Ticket-Dealer. (”Was hammsen jetzz schon widder angestellt?”)
Die Kategorie 1 macht sein vielen Jahren, wenn nicht gar Jahrzehnten, immer wieder das Gleiche. In diese Klasse fallen neben den Rolling Stones, Status Quo, Motörhead /und vielen anderen) eben auch AC/DC. Und ich weiß nicht, ob ich das wirklich hören will. Laufe ich Gefahr, mich auf hohem Niveau zu langweilen? Ich besitze einige Tonträger der oben erwähnten Bands - mehr oder weniger die relevanten - warum soll ich mir das alles im Stadion antun? Einer der beiden von XTC, ich weiß nicht mehr, ob es Colin M. oder Andy P. war, soll gesagt haben, daß ja auch keiner von Picasso erwartet, daß er jeden dritten Abend seine Bilder vor Publikum noch mal malt. So ungefähr käme mir das vor.
Oder sollte man gerade deshalb hingehen?
Oder sollte man hingehen, weil man nicht weiß, wann Francis Rossi/Angus Young/Ron Wood das Plektrum abgibt, und man später in der Kneipe protzen kann: ich hab XYZ noch live auf der Bühne erlebt!
Ein Massenerlebnis ist natürlich bei gutem Wetter und guten Rahmenbedingungen eine gute Sache.
Aber trotzdem - ich weiß nicht so recht.
Deshalb: danke, Jürgen, für diesen Bericht, der mich meine Unentschlossenheit voll ausleben ließ.
Grüße vom Haasen
Es kann sein, daß zufällig dieses Konzert an diesem Abend gut war und andere Konzerte mäßig sind. Leipzig war ja das erste Konzert der Stadiontour, nach drei Wochen Pause im Anschluß an die Hallentour. Insgesamt sind AC/DC noch bis März 2010 unterwegs. Da wird es sicher gelungene und weniger gelungene Auftritte geben.
Ich hatte die Karten spontan zwei Wochen vor dem Konzert gekauft. Daß es ein so überraschendes Ereignis werden würde, hätte ich nie vermutet. Ich würde aber aus diesem einen Konzert nicht ableiten, daß AC/DC zum Pflichtprogramm gehören, zumal die Karten exorbitant teuer waren.
Die Frage, welches Konzert man bei älteren Bands besucht, ist immer ein Lottospiel. Eigentlich müßte man annehmen, daß bei betagten Musikern jedes Konzert das letzte sein könnte. Aber seit Neil Young alle sechs Monate hier spielt und Lou Reed seinen einmaligen Auftritt zum dritten Mal wiederholt hat, denke ich mir: Sie kommen alle wieder. Es sei denn, der Tod ist schneller.
Das beantwortet aber immer noch nicht die Frage, ob du beim dritten Leipziger Konzert 2010 (falls es das geben sollte) zu AC/DC gehen solltest. Darüber sollten wir reden, wenn der Kartenvorverkauf beginnt :)
Haase, ich weiß auch nicht. Was mich abschreckt, ist das Eventpublikum, alte Dickbäuche (Ausnahmen bestätigen auch hier…), die sich komische Mützen aufsetzen und dann denken (ganz im Ernst denken!), sie wären so cool wie ihre Götter themselves. Dieser Kategorie durfte ich 2X am Konzerttag beim Arbeitsweg durchs Waldstraßenviertel leibhaftig werden. Mein Kumpel Blechi hat mal gesagt, dass es das uncoolste der Welt ist, zu einem Bandkonzert zu gehen und dabei ein Shirt ebendieser Band auf dem Leib zu tragen. Ist was dran. Nur, dass der potenzielle AC/DC-Konzertgänger wohl dies nicht einsieht, lässt mich vor solchen (M)massen(kompatiblen)- Veranstaltungen schaudern.
Viele der Hörnerbewehrten werden wohl gerade heute mit dem Bollerwagen und ner Flasche SPRINGER URVATER unterwegs sein…
Unbestritten: Ohne die Australier wäre der Rock ärmer, aber ich leg da dann lieber ne mp3 ein.
@Jürgen: BLACK ICE ist in der Tat eine Schlaftablette.
Ansonsten: TOP Bericht und die Fotos geben einen besseren Eindruck als die, die man so gemeinhin in der Journaille betrachten konnte.
nachtrag:
Beste AC/DC-Platte ohne Bon Scott:
http://www.amazon.de/Electric-Cult/dp/B000007WNN
Und das ist mein voller Ernst!
GvH
The Cult waren 2007 Vorband von The Who. Habe ich leider nicht gesehen, aber wir wissen ja: Sie kommen alle wieder.
Mein Kommentar: